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Weihnachten: Angst vor dritter Welle

18.12.2020 • 08:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Coronabehandlung im LKH-Feldkirch                                                                                                                     Mathis
Coronabehandlung im LKH-Feldkirch Mathis

Experten rechnen mit einer neuen Corona-Welle nach den Feiertagen.

Das zu Ende gehende Jahr war für die Krankenhäuser Vorarlbergs eine große Herausforderung. Beginnend mit dem ersten Lockdown am 13. März waren die gemeinsamen Anstrengungen groß. Das gilt natürlich für alles Berufsgruppen. Insbesondere für diejenigen, die im Kranken- und Pflegebereich arbeiten.
Der Lagebericht zu den Spitälern in Vorarlberg fällt durchwachsen aus. Man könne noch lange nicht von Entspannung reden. Und das, obwohl nach wie vor ein leichter Abwärtstrend bei den Infektionszahlen zu vermerken ist. Aber man ist noch weit weg von Aufatmen. Denn die Angst, von der zweiten Welle direkt in die dritte zu schlittern, ist groß und besonders im Gesundheitsbereich nahezu überall spürbar.

Gerald Fleisch, Geschäftsführer der Krankenhaus-Betriebsgesellschaft (KHBG)                           Mathis
Gerald Fleisch, Geschäftsführer der Krankenhaus-Betriebsgesellschaft (KHBG) Mathis


„Hier im Landeskrankenhaus Feldkirch sind wir quasi im Epizentrum der stationären Pandemiebekämpfung. Es hat eine gewisse Stabilisierung des Infektionsgeschehens stattgefunden“, bestätigt Gerald Fleisch, Geschäftsführer der Krankenhaus-Betriebsgesellschaft (KHBG), „allerdings auf einem sehr hohen Niveau.“ Täglich kommen etwa 100 Neuinfektionen hinzu. In den Krankenhäusern sind es zwischen sechs und zehn Patienten, die wegen Covid-19 aufgenommen werden. „Derzeit haben wir 104 Patienten, und die Zahlen haben sich von Mittwoch auf Donnerstag wieder erhöht. Auch deshalb ist die Situation angespannt“, ergänzt Fleisch.

Fleisch, Elsäßer, Maikisch, Scheffknecht (von links nach rechts)                                                              Mathis
Fleisch, Elsäßer, Maikisch, Scheffknecht (von links nach rechts) Mathis


127 Corona-Tote. 13 Patienten werden beatmet. Zudem sind 71 Spitalsmitarbeiter positiv auf Covid-19 getestet. Zudem sind insgesamt 127 Menschen in den Spitälern an Corona verstorben. „Man muss ganz klar sagen, dass wir mit einer dritten Welle rechnen. Einerseits ist die Situation nach wie vor angespannt. Und die Covid-Müdigkeit greift um sich. Und sichere Weihnachten sind ein Trugschluss. Das wünschen sich die Menschen. Aber es wird so nicht sein. Das gilt es, in aller Deutlichkeit festzuhalten“, betont Geschäftsführer Fleisch. Das internationale Infektionsgeschehen nimmt zu. Vor allem auch in den Nachbarstaaten. Insbesondere in Deutschland und der Schweiz. „Die Feiertage und Wochen jetzt um den Jahreswechsel werden ebenso dazu beitragen, dass die Zahlen wieder steigen. Und wir bereiten uns intensiv darauf vor.“

Freitag, der 13.

Zu Beginn der Krise war man auf das Schlimmste gefasst. Die schrecklichen Bilder aus Italien haben alle noch im Hinterkopf. „Freitag, der 13. März, ist ein Datum, das sich in unser aller Gedächtnis eingebrannt hat. Von heute auf morgen kam der harte Lockdown. So etwas haben die meis­ten von uns noch nie erlebt. Für uns und unsere Mitarbeiter war das der Startschuss für eine unglaublich anstrengende und fordernde Zeit“, betont der Verwaltungsdirektor des LKH-Feldkirch Harald Maikisch. Es prasselten mitunter täglich neue Gesetze herein. Diese galt es nicht nur umzusetzen, sondern auch zu interpretieren. „Ich kann mich an Tage erinnern, da gab bis zu drei neue Verordnungen. Wir musste die jeweiligen neuen Gesetze auch in unseren täglichen Arbeitsablauf übersetzen.“ Das habe von allen Mitarbeitern eine enorme Flexibilität und Mehrarbeit abverlangt.

Keine Sommer-Ruhe

Zudem war der Sommer, anders als für den Rest der Bevölkerung, nicht entlastend. Einerseits war nach wie vor höchste Vorsicht geboten. Andererseits musste man die Operationen und Behandlungen, die durch Corona liegen geblieben oder verschoben werden mussten, abarbeiten. „Unsere Mitarbeiter hatten diese Erholungsphase des Sommers nicht. Die Belastungen blieben hoch. Zudem haben wir schon Vorbereitungen für die zweite Welle treffen müssen.“ Pandemien folgen bestimmten Gesetzen. Ein wesentliches ist, dass sie in mehreren Wellen auftauchen. Somit war es bereits im Sommer klar, so Maikisch, dass mindestens eine zweite Welle kommen wird. Die Schutzmaßnahmen müssen nach wie vor maximal eingehalten werden. Die Impfung ist nun in Reichweite. Aber es wird keine Impfpflicht für die Mitarbeiter der Spitäler geben. Aber es wird Bereiche geben, wo in Zukunft nur geimpfte Mitarbeiter tätig sein werden, so Fleisch.

Wunschliste des Chefarztes

Chefarzt Wolfgang Elsäßer                                                                                                                                           Mathis
Chefarzt Wolfgang Elsäßer Mathis

Chefarzt Wolfgang Elsäßer hat eine persönliche Wunschliste an das Christkind: „Einerseits wünsch ich mir, dass wir bald wieder eine OP-Leis­tung von 100 Prozent haben. Zudem wäre es schön, wenn wir alle Spezialambulanzen wie Schulter- oder Kniegelenke wieder öffnen könnten. Ein ganz großer Wunsch ist natürlich auch eine breite Akzeptanz der Impfung. Damit wir möglichst bald so etwas wie eine ­Herdenimmunität zustande bringen.“

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