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Weihnachtsgeschenk im Drogen-Strafprozess

22.12.2020 • 20:09 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Symbolbild/Klaus Hartinger</span>
Symbolbild/Klaus Hartinger

18-Jähriger schenkte 14-Jähriger Ecstasytablette: Diversion.

Der 18-Jährige aus dem Bezirk Bludenz wurde in einer Nacht im Oktober in seinem Zimmer von einer 14-Jährigen besucht. Der Gastgeber und der Gast konsumierten Drogen. Der Angeklagte schenkte dem Mädchen eine Tablette mit Ecstasy und nahm selbst eine Tablette des Rauschgifts zu sich.
Das trug dem Lehrling eine Anklage wegen unerlaubten Umgangs mit Suchtgiften ein. Bei der Hauptverhandlung am Dienstag am Landesgericht Feldkirch gewährte Richter Richard Gschwenter dem unbescholtenen und geständigen Angeklagten mit dem Hinweis auf Weihnachten eine Diversion. Wenn der 18-Jährige dem Gericht als Geldbuße innerhalb von zwei Wochen 300 Euro überweist, wird das Strafverfahren gegen ihn eingestellt werden. Damit würde ihm eine drohende Verurteilung und eine Vorstrafe erspart bleiben. Staatsanwalt Manfred Melchhammer und der Angeklagte waren mit einer diversionellen Erledigung einverstanden. Sollte die Geldbuße nicht bezahlt werden, würde der Prozess fortgesetzt werden.
Wer Minderjährigen Suchtgift überlässt, dem droht nach dem Suchtmittelgesetz eine Gefängnisstrafe von bis zu zwei Jahren. Dazu Angeklagte kommen im Regelfall nicht mit der mildesten Sanktionsform davon. Wegen Weihnachten hielt der Strafrichter aber mit Zustimmung des öffentlichen Anklägers eine Diversion für ausreichend. „Es weihnachtet, und es war für Sie damals im Oktober eine blöde Situation“, sagte der Richter zum Angeklagten. Deshalb könne das Verfahren ausnahmsweise diversioniert werden.
Der Angeklagte sagte, er habe nie mit Drogen gehandelt und vor dem Vorfall mit der 14-Jährigen selbst nur einmal Rauschgift konsumiert, nämlich im Jahr 2019 Marihuana.
Auch die Mutter des Angeklagten, die ihren Sohn zur Gerichtsverhandlung begleitet hatte, war sichtlich erleichtert, dass der Richter weihnachtliche Milde walten ließ. „Vielen, vielen Dank!“, sagte sie zum Richter am Ende des Drogenprozesses.