Allgemein

Ex-Klient fordert 156.000 Dollar

23.12.2020 • 06:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Symbolbild/Klaus Hartinger</span>
Symbolbild/Klaus Hartinger

Anwalt habe als Treuhänder Geld schon vor 23 Jahren überwiesen.

Wohin sind vor 23 Jahren 156.000 US-Dollar von einem Treuhandkonto einer Bregenzer Bank geflossen? Diese Frage hat in einem anhängigen Zivilprozess am Landesgericht Feldkirch Richter Norbert Stütler zu beantworten. Am Dienstag fand die zweite Verhandlung statt. Das Urteil wird schriftlich ergehen. Der anwaltlich durch Andrea Höfle-Stenech vertretene Kläger fordert die 156.000 Dollar von seinem ehemaligen Anwalt, der sein Treuhänder war. Der 74-jährige Ex-Klient aus Deutschland behauptet, er habe das Geld nie erhalten. Er habe seinem Vorarl­berger Rechtsanwalt auch nie den Auftrag zur Auszahlung des Geldes erteilt. Der beklagte Unterländer Anwalt sagt hingegen, er habe die 156.000 Dollar im Jahr 1997 auftragsgemäß seinem damaligen Mandanten ausbezahlt. Dafür habe er allerdings keine Belege mehr. Denn er verfüge über keine Unterlagen mehr für die bereits 1997 erfolgte Überweisung.
Der klagende deutsche Geschäftsmann hat in den 1990er-Jahren ein Wertpapierkonto bei der Bregenzer Bank gehabt und dafür Verrechnungskonten. Von den Verrechnungskonten wurden größere Summen auf Treuhandkonten des Rechtsanwalts übertragen.

Verhaftung

Am 1. August 1995 wurde der Kläger in Deutschland verhaftet. Er befand sich dort bis Februar 1997 in Untersuchungshaft. Nach seiner strafrechtlichen Verurteilung ist er nach eigenen Angaben noch drei Monate lang in Strafhaft genommen worden. Während seiner Haftzeit sei sein eingeklagtes Geld 1997 verschwunden, sagt der Kläger.
Erst 2015 hat sich der Deutsche auf die Suche nach dem Geld gemacht. Zuerst verdächtigte er seine Bregenzer Bank, die 156.000 Dollar unterschlagen zu haben. Nun verlangt der 74-Jährige von seinem ehemaligen Anwalt die Rückzahlung des Geldes. Der Kläger meint, der Rechtsanwalt habe das Geld entweder selbst abgezweigt oder an eine nicht bevollmächtigte Person überwiesen.
Ein Revisor der Bregenzer Bank sagte als Zeuge, es gebe keine Bankunterlagen mehr, mit denen das Verschwinden der 156.000 Dollar geklärt werden könnte.

Konto in den USA

Der beklagte Anwalt legte am Mittwoch seinen Aktenvermerk aus den 90er-Jahren vor, den der frühere Freund der Tochter des Klägers unterschrieben hatte. Demnach war geplant, das Geld des Klägers während dessen Haftzeit auf sein Konto in die USA zu transferieren. Der 52-jährige Zeuge sagte aber vor Gericht, es sei nie dazu gekommen, dass das Geld auf sein US-Konto überwiesen worden sei.

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.