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Wenn das Geschenk nicht „passt“

27.12.2020 • 09:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Unliebsame Geschenke werden nach Weihnachten oft zurückgegeben oder umgetauscht. Ein generelles Recht auf Rückgabe oder Umtausch gibt es im stationären Handel aber nicht. <span class="copyright">APA/HELMUT FOHRINGER</span>
Unliebsame Geschenke werden nach Weihnachten oft zurückgegeben oder umgetauscht. Ein generelles Recht auf Rückgabe oder Umtausch gibt es im stationären Handel aber nicht. APA/HELMUT FOHRINGER

Konsumentenschützern erklären, was beim Umtausch zu beachten ist.

Nicht alles, was an Weihnachten unter dem Christbaum landet, löst große Freude aus. Spätestens nach den Feiertagen stellt sich dann die Frage, was der Beschenkte nun tun kann. Welche Möglichkeiten bestehen, wenn das Geschenk nicht passt beziehungsweise gefällt? Alle Fakten und Tipps zum Umtausch von Weihnachtsgeschenken:

1. Kann jedes Geschenk umgetauscht oder zurückgegeben werden?

Wenn die Geschenke keine Mängel aufweisen, kann man sie nur dann umtauschen, wenn im Vorfeld eine entsprechende Vereinbarung mit dem Verkäufer getroffen wurde. Es gibt dafür allerdings keinen gesetzlichen Anspruch. Viele Händler räumen jedoch freiwillig einen Umtausch ein, das steht vorgedruckt auf der Rechnung. Man sollte sich auf jeden Fall im Vorhinein über die Fristen informieren und diese gegebenenfalls schriftlich auf der Rechnung vermerken lassen.

2. Wie lange können Geschenke zurückgegeben werden?

Die meisten Geschäfte geben ihren Kunden die Möglichkeit, Waren innerhalb von 14 Tagen zu retournieren. Es kommt aber immer auf die Vereinbarung und Kulanz des Händlers an. Die Frist kann somit auch kürzer oder länger sein. Gesetzliche Regelungen gibt es keine. Anders sieht es wie gesagt bei mangelhafter Ware aus. Diese muss der Händler bis zu zwei Jahre nach dem Kauf reparieren oder ersetzen.

3. Wird der Warenwert in bar ausbezahlt?

Bei mängelfreien Waren kommt es auf die Vereinbarung an. Es gibt durchaus Geschäfte, in denen man den bezahlten Kaufpreis in bar zurückbekommt. Einen Rechtsanspruch hat man aber nicht. In den meisten Fällen erhält man eine Gutschrift.

Umfrage

Laut einer Umfrage von Idealo aus dem Jahr 2018 bekommen 50 Prozent der Österreicher zumindest gelegentlich Geschenke, die ihnen nicht gefallen. Bei nur 16 Prozent landen die unbrauchbaren Geschenke laut der Umfrage in der Mülltonne. Deutlich beliebter sind Umtauschen oder Weiterverschenken – jeweils die Hälfte der befragten Personen nutzen eine dieser Methoden mindestens gelegentlich. 43 Prozent verkaufen das Geschenk am ehesten, und 38 Prozent spenden es. Fast 60 Prozent der 18- bis 24-Jährigen und nur 35 Prozent der über 55-Jährigen geben an, nie oder nur selten ungeliebte Geschenke umzutauschen.

4. Was ist, wenn der Kassabon verloren gegangen ist?

Wenn die Vorlage des Kassabons zur Bedingung für einen Umtausch gemacht wurde, wird es schwierig. Ein Versuch zahlt sich aber in jedem Fall aus.

5. Was gilt, wenn die Ware beziehungsweise das Geschenk ­kaputt ist?

In diesem Fall gibt es einen gesetzlichen Gewährleistungsanspruch. Be­wegliche Waren muss der Händler bis zu zwei Jahre nach dem Kauf kost­en­los reparieren oder umtauschen. Ist das nicht möglich, kann der Käufer beziehungsweise Beschenkte eine Preis­min­der­ung fordern oder das Geld zurückverlangen.

6. Gibt es Produkte, die von vornherein vom Umtausch ausgeschlossen sind?

Das richtet sich ebenfalls nach der Vereinbarung, die mit dem Verkäufer getroffen wurde. Reduzierte Ware etwa kann, aber muss nicht vom Umtausch ausgeschlossen sein.

WKÖ: „Händler werden sich kulant zeigen“

Die Zeit nach Weihnachten ist normalerweise für den Handel eine umsatzstarke Zeit, Geldgeschenke und Gutscheine werden eingelöst und Präsente umgetauscht. Bei Waren, die in Geschäften gekauft wurden, gibt es kein gesetzlich geregeltes Umtauschrecht. Viele Händler räumen aber freiwillig eine Umtauschoption ein, meist sind es 14 Tage. Aufgrund des dritten Lockdowns können die Waren erst ab 18. Jänner in den Geschäften umgetauscht werden. Der Großteil der heimischen Händler wird wohl die freiwillig gewährte Umtauschfrist für Weihnachtsgeschenke verlängern. Das erwarten WKÖ-Handelsobmann Rainer Trefelik und Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will.

„Gerade angesichts des dritten Lockdowns ab 26. Dezember wird sich wohl ein Großteil der heimischen Händler kulant zeigen und den Konsumenten freiwillig eine längere Umtauschmöglichkeit einräumen“, sagte Will auf Anfrage. „Vor dem Lockdown wurde die Frist vielfach bis Mitte Jänner zugesichert. Durch den neuerlichen Lockdown – der sich damit terminlich schneidet – wird nun die Umtauschfrist in vielen Fällen bis 31. Jänner ausgeweitet.“ Trotz fehlendem Umtauschrecht gibt auch WKÖ-Handelsobmann Trefelik Entwarnung. „Auch nach dem 17. Jänner würden „Händler sehr kulant sein“ – zumal jeder, der etwas umtauscht, ein potenzieller Kunde mehr im Geschäft sei. Trefelik wies aber darauf hin, dass nur unbenutzte Ware umgetauscht wird.

Auch bei der Arbeiterkammer Vorarlberg geht man davon aus, dass die Händler nicht auf die Umtauschfrist pochen, sondern den Kunden entgegenkommen.

7. Wie lange ist ein Gutschein gültig?

Ein Gutschein ist generell 30 Jahre lang gültig. Das bestätigte der Oberste Gerichtshof. Ver­kürz­­ungen sind zwar möglich, aber da muss der Unternehmer schon einen triftigen Rechtfertigungsgrund angeben. Es empfiehlt sich, Gutscheine so rasch wie möglich einzulösen, weil die Gefahr einer Insolvenz grundsätzlich bei jedem Unternehmen gegeben ist.

8. Was gilt beim Einkauf im Internet?

Hier hat jeder Käufer ein Rücktrittsrecht. Die Ware kann innerhalb von 14 Werktagen wieder zurückgeschickt werden. Zusätzlich sollte man innerhalb von 14 Tagen eine Rücktrittserklärung abschicken. Die Erklärung kann formlos sein, spezielle Gründe müssen nicht angegeben werden. Es gibt ein paar Ausnahmen, bei denen das Rücktrittsrecht nicht greift. Beispielsweise für Waren, die speziell für eine Person angefertigt wurden oder auf deren persönliche Be­dürf­nisse zugeschnitten sind. Vorsicht ist bei Gutschein-Plattformen im Internet geboten. Da sollte man unbedingt prüfen, wer der Aussteller ist. Plattformen treten oft nur als Vermittler auf.

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