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Arbeiten in der Silvester-Schicht

28.12.2020 • 08:00 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Rebecca Stefler: „Ich mache diese Arbeit leidenschaftlich gerne.“ <span class="copyright">Hartinger</span>
Rebecca Stefler: „Ich mache diese Arbeit leidenschaftlich gerne.“ Hartinger

Die NEUE hat sich umgehört bei Polizei, in der Pflege und Rettung.

Streife, Streitigkeiten und davor Raclette

Revierinspektorin Yvonne Wehinger, seit 2015 im Polizeidienst, wird heuer ihre dritte Silvester-Schicht schieben. Dazu hat sie sich schon frühzeitig freiwillig gemeldet. „Wir machen das immer so, damit die Kollegen mit Familie zu Hause feiern können.“
In der Zeit um den Jahreswechsel gibt es für die Polizisten naturgemäß immer einiges zu tun. „Größtenteils geht es um Feuerwerke“, erzählt Wehinger, und um Streitigkeiten, ausgelöst durch zu viel Alkohol. Zu viel getrunken wurde auch, als die Beamtin der Polizeiinspektion Bregenz zu Silvester 2017/2018 bei einem Streit zwischen einem Paar einschreiten musste. „Der Einsatz war genau um 0 Uhr. Wir haben die Frau schließlich zu ihrer Mutter gebracht, samt Kind. Dabei wünschten wir uns gegenseitig alles Gute fürs neue Jahr“, erinnert sich die 27-Jährige. Die Beamtin rechnet damit, dass es heuer aufgrund der Ausgangsbeschränkungen eher ruhig bleiben wird. Allerdings geht sie auch davon aus, dass wieder einige „Corona-Partys“ gemeldet werden. Das komme in letzter Zeit immer öfters vor, sagt die Polizistin. „Wir gehen da natürlich immer mit Fingerspitzengefühl vor.“ Bevor die Einsatz-Nacht in Bregenz so richtig losgeht, wird sich Wehinger bei einem gemeinsamen Abendessen mit ihren Kollegen stärken. Es gibt Raclette.

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Hartinger

Rund um die Uhr für Geflüchtete da

Auch im Flüchtlingsheim Gaisbühel in Bludesch braucht es jemanden, der in der Silvesternacht nach dem Rechten sieht. Heuer ist Karin Tomaselli aus Feldkirch für diesen Dienst eingeteilt. „Ich mache mir nichts aus Silvester, deshalb arbeite ich um den Jahreswechsel eigentlich ganz gerne“, erzählt die 51-Jährige, die seit fünf Jahren bei der Caritas-Flüchtlingshilfe beschäftig ist. Die Schicht beginnt um 20 Uhr. „Um diese Zeit ist noch einiges los, die einen kommen zum Reden, die anderen benötigen noch schnell eine Kopie, wieder ein anderer hat vielleicht Zahnweh und braucht Schmerzmittel.“ Bis zu 80 Geflüchtete sind in der ehemaligen Lungenheilstätte Gaisbühel untergebracht. „Zu Silvester fahren die jungen Männer normalerweise gerne mit dem Zug nach Bregenz, um sich dort das Feuerwerk anzuschauen. Das fällt heuer flach“, erzählt die 51-Jährige. Sie selbst schaut sich das Spektakel gerne aus dem dritten Stock des altehrwürdigen Gebäudes an. „Da hat man einen sehr schönen Blick auf den Walgau.“

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Caritas

Nachtdienst auf der Krebsstation

Die diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin Angelika Khüny hat keinen leichten Job. Seit acht Jahren arbeitet sie auf der Onkologie-Station im LKH Bludenz. Der Tod ist allgegenwärtig auf Krebsstationen – für Ärzte und Schwestern ist das eine besondere Belastung. Die 51-Jährige hat gelernt, damit umzugehen. Helfen tun ihr die Gespräche mit dem Team, Ausgleich findet sie normalerweise im Fitnessstudio und bei der Bürgermusik Gaschurn-Partenen, wo sie Saxofon spielt. „Beides ist derzeit wegen Corona nicht möglich. Das fehlt mir schon“, verrät die Krankenschwester. Der Nachtdienst an Silvester ist für Khüny nichts Besonderes, schließlich arbeitet sie schon seit 30 Jahren im Spital. Auch an Weihnachten habe sie schon gearbeitet. Grundsätzlich, so erzählt die Montafonerin, „arbeite ich aber lieber zu Silvester, weil mir Weihnachten einfach mehr wert ist“. Ihre Schicht beginnt um 18.45 Uhr und endet um 7 Uhr in der Früh. In dieser Zeit gebe es eigentlich immer etwas zu tun. An Silvester 2019/2020 fand Khüny sogar kurz Zeit, um den benachbarten Kolleginnen von der Chirurgie ein gutes neues Jahr zu wünschen.

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Ein Mann für alle Notfälle

Der Satteinser Daniel Winkler (29) arbeitet seit vier Jahren in der Rettungs- und Feuerwehrleitstelle. Bereits zum dritten Mal schiebt er an Silvester Dienst. „Da ist einfach mehr los, und man ist gefordert“, spricht er aus Erfahrung. In bleibender Erinnerung geblieben ist ihm etwa ein Feuerwehreinsatz zum Jahreswechsel 2017/2018. Ein Feuerwerkskörper hatte damals einen Wiesenbrand entfacht, der sich im trockenen Gras und Unterholz rasch ausbreitete. „Die Alarmierung kam um Punkt 0 Uhr. Es war ein herausfordernder Einsatz.“ Ansonsten gibt es in den Silvesternächten vermehrt Verbrennungen zu behandeln, dazu kommen üblicherweise jede Menge Betrunkene, die allein nicht mehr zurechtkommen. Egal um was es geht: Winkler macht es Spaß, den Menschen aus einer schwierigen Situation zu helfen. Das sei nicht immer einfach, weil die Anrufer oft sehr aufgeregt seien, erzählt er.
Heuer rechnet Daniel Winkler aufgrund der Corona-Ausgangsbeschränkungen mit einem etwas ruhigeren Dienst. Schon in den vergangenen Wochen habe es spürbar weniger Einsätze in der Nacht gegeben. Da bleibt dann wohl auch etwas Zeit, um mit Kollegen aufs neue Jahr anzustoßen. „Wir trinken selbstverständlich alkoholfreien Sekt“, sagt der 29-Jährige. Aber nicht nur das: Es wird auch gemeinsam gekocht in der Einsatzleitstelle.

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Hinterm Steuer des Rettungswagens

Für Rebecca Stefler aus Feldkirch ist Silvester nichts Besonderes. Deshalb hat sie sich heuer bereits zum wiederholten Mal freiwillig für diesen Dienst gemeldet. Die 24-Jährige ist seit Mai 2017 ehrenamtlich beim Roten Kreuz. Sie ist zuständig für den Kranken­transport, sitzt also hinter dem Steuer des Rettungswagens. Im Brotberuf arbeitet sie als gelernte Elektrikerin bei den E-Werken Frastanz. „Überraschend ruhig“ sei es in der letzten Silvesternacht von 2019 auf 2020 gewesen, erzählt die Rot-Kreuz-Mitarbeiterin. „Damals haben wir kurz nach 0 Uhr einen Patienten ins Spital gebracht, da sind wir dann mit dem dortigen Personal etwas beieinander gestanden und haben uns gegenseitig ein gutes neues Jahr gewünscht.“ Ob der heurige Silvester-Dienst aufgrund der Corona-Pandemie ebenfalls wieder ruhig ausfallen wird, getraut sich Stefler jetzt noch nicht zu sagen. „Ich lasse das auf mich zukommen.“

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In der Pflege alle Hände voll zu tun

Pflegeassistentin Esther Hermann verbringt die Silves­ternacht im Alten-, Wohn- und Pflegeheim Antoniushaus in Feldkirch. Die 47-Jährige hat eine gerontopsychiatrische Ausbildung absolviert und arbeitet seit neun Jahren im Haus der Kreuzschwestern. Sie ist zuständig für einen von zwei Wohnbereichen und vier Übergangsbetten – und betreut somit bis zu 37 Menschen. Die Schicht von Hermann beginnt um 20.15 Uhr. Die Mutter von zwei Kindern wird auch in dieser Nacht alle Hände voll zu tun haben. Mehrere Rundgänge, nächtliches Fiebermessen wegen Corona, Dokumentation und vieles mehr steht auf dem Programm. „Aber ein kleiner alkoholfreier Umtrunk mit der Kollegin, die den anderen Wohnbereich betreut, wird sich schon ausgehen.“ Sekt und Neujahrsglückwünsche für die Bewohner gibt es bereits beim Abendessen um 17 Uhr.

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