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Verkaufsstart kein Knaller

29.12.2020 • 06:34 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Fireevent hat auf Onlineshop und Abholmöglichkeit umgestellt – alles kontaktlos. <span class="copyright">Roland Paulitsch</span>
Fireevent hat auf Onlineshop und Abholmöglichkeit umgestellt – alles kontaktlos. Roland Paulitsch

Kein generelles Verbot von Feuerwerk. Verkauf trtozdem schleppend.

Die Vorfreude auf das traditionelle Silvester-Feuerwerk hat sich heuer längst in Rauch aufgelöst. Es wurden nicht nur offizielle Feuerwerke abgesagt, auch das private Abschießen von Raketen wurde von manchen Bürgermeistern komplett gestrichen.

In erster Linie bekommen das die Anbieter von Feuerwerkskörper zu spüren. Die Firma Fireevent musste aufgrund des Lockdowns umdisponieren und vertreibt die Produkte am Stammsitz in Hohenems mittels „Click and Collect“. Das heißt, die Feuerwerke können online oder telefonisch geordert und vor Ort kontaktlos abgeholt werden. Eigentlich waren vier Verkaufsbuden vorgesehen. Die neue Verkaufsaktion startete am Montag, langsam trudeln die Bestellungen ein. „Verglichen mit vergangenen Jahren sind es viel weniger. Vielleicht die Hälfte oder sogar nur ein Drittel“, schätzt Geschäftsführer Markus Jochum.

Der Verkauf läuft nur langsam an, sagt Markus Jochum (links) von Fireevent in Hohenems. <span class="copyright">Roland Paulitsch</span>
Der Verkauf läuft nur langsam an, sagt Markus Jochum (links) von Fireevent in Hohenems. Roland Paulitsch

Corona und Fehlinformationen

Das zurückhaltende Kaufverhalten sei Corona geschuldet. Und der Aufforderung der Regierung sich zurückzuhalten. Aber einige Menschen seien auch falsch informiert. „Sie denken sie dürfen keine Raketen abschießen, dabei dürfen sie“, sagt der Fireevent-Eigentümer. Ein jeder ist also gut beraten, sich in seiner Gemeinde zu informieren, wie die Gesetzeslage ist.

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Roland Paulitsch

Ein generelles vorarlberg-weites Verbot für Privatpersonen gibt es nicht. Die Landesregierung erachtete dies als zu große Einschränkung, begründet Landesrat Christian Gantner. Und so darf jede Kommune selbst entscheiden ob Private Raketen zünden dürfen oder eben nicht. „Wir appellieren vielmehr an die Gemeinden die Ausnahme nicht generell für den 31. Dezember 2020 zu gewähren, sondern zeitlich von 21 bis 1 Uhr zu beschränken“, erläutert Gantner. Bei dem genannten Zeitfenster handelt es sich lediglich um den Zeitraum, in dem jedem Privaten das Abschießen der Raketen am privaten Grundstück erlaubt werden soll. Große Feuerwerksveranstaltungen sind untersagt und die Ausgangsbeschränkungen sowie Kontaktregelungen strickt einzuhalten.

Dornbirn erlaubt, Bregenz nicht

Gemeinden wie beispielsweise Hörbranz, Hohenems oder Altach haben die Zeitfenster-Variante aufgegriffen. Auch in Dornbirn wird es so gehandhabt (22 bis 1 Uhr). „Ein generelles Verbot privater Feuerwerke würde nur dann funktionieren, wenn keine Feuerwerkskörper verkauft würden und das Verbot landesweit erfolgen würde. Auch wenn laufend kontrolliert wird, ist eine flächendeckende Präsenz der Polizei weder in Dornbirn noch in Vorarlberg möglich“, heißt es vonseiten der Messestadt. Trotzdem hatten die Verantwortlichen der Stadt mehrfach dazu aufgerufen, heuer auf private Feuerwerke zu verzichten.

Die in den letzten Jahren übliche Ausnahmegenehmigung für Silvesterfeuerwerke wird es wird es 2020 in Feldkirch nicht geben. „Obwohl mir klar ist, dass Silvester und Feuerwerk für viele untrennbar zusammengehören, appelliere ich eindringlich daran, sich im Sinne der Solidarität an das Verbot zu halten“, betont Bürgermeister Wolfgang Matt. Auch die Marktgemeinde Götzis hat sich entschieden in diesem Jahr keine Ausnahmegenehmigung für Feuerwerke zum Jahreswechsel zu erteilen, ebenso Mäder oder die Gemeinde Eichenberg.
In der Landeshauptstadt Bregenz wird schon seit mehreren Jahren keine Ausnahmegenehmigung mehr für Silvester erteilt. Die Bregenzerwälder Gemeinde Hittisau ist sogar Vorreiter in Sachen Feuerwerk-Alternativen und verzichtet seit Jahren auf die althergebrachte Tradition. Ein komplettes Verbot hat heuer auch das Kleinwalsertal durchgesetzt.

Jeder Zweite meint: angemessen

Und doch scheint nur jeder zweite mit den Regelungen einverstanden. In einer Befragung von Marketagent zum Ende des Jahres 2020 hielten nur etwas über die Hälfte der befragten Österreicher ein Verbot aufgrund von Corona für eher oder auf jeden Fall angemessen.
Bei Fireevent in Hohenems kaufen heuer ausschließlich private Kunden. Professionelle Großfeuerwerke fallen schließlich aus. Der Trend geht weg von „Knallern“. Die Verkäufe der viel beschimpften Krachmacher sind rückläufig. Vielmehr setzen die Vorarlberger auf Verbundbatterien, also Boxen, welche einmal gezündet werden und bis zu dreieinhalb-Minuten-Feuerwerke gen Himmel schießen.

Die Öko-Linie von Fireevent. <span class="copyright">Fireevent</span>
Die Öko-Linie von Fireevent. Fireevent

Öko-Linie stark nachgefragt

Etwas stärker nachgefragt seien auch wieder Raketen. Und zwar solche aus der Öko-Linie, welche speziell bei Fireevent angeboten wird. Diese sind teilweise lärmarm und komplett Kunststoffanteil frei. „Die Kunden haben ein Bewusstsein dafür entwickelt und verlangen danach“, sagt Jochum.

Am Donnerstag um Mitternacht wird sich das ereignisreiche Jahr 2020 verabschieden. Mit oder ohne großen Knall. Die Lager der Feuerwerkhändler sind jedenfalls noch gut gefüllt.

Die Rechtslage

Grundsätzlich sind Feuerwerke ohne behördliche Genehmigung immer verboten. Für den Jahreswechsel erlassen deshalb die Bürgermeister eine eigene Verordnung. Gemäß dieser Verordnung können Bezirke vom Verbot der Verwendung von pyrotechnischen Gegenständen ausgenommen werden. Diese finden sich meist auf den Webseiten der Städte oder Gemeinden.