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Noch keine Grippewelle in Sicht

06.01.2021 • 16:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Im Vergleich zu vergangenen Jahren ist die Anzahl an Menschen, die an Influenza oder grippalen Infekten erkrankt sind, derzeit viel geringer.     <span class="copyright">Shutterstock</span>
Im Vergleich zu vergangenen Jahren ist die Anzahl an Menschen, die an Influenza oder grippalen Infekten erkrankt sind, derzeit viel geringer. Shutterstock

Derzeit wenige Grippefällen und grippalen Infekten.

Im Dezember 2019 war es noch anders. Damals war auch hierzulande bereits eine Zunahme an Grippefällen zu verzeichnen, die zwar nicht dramatisch war, aber doch stetig. In den darauffolgenden Wochen breitete sich die Influenza dann in Vorarlberg aus. Heuer präsentiert sich die Situation diesbezüglich ganz anders.

„Derzeit ist in Österreich noch keine Influenzavirusaktivität zu verzeichnen“ heißt es aktuell auf der Seite des Zentrums für Virologie der Medizinischen Universität Wien, das die Lage bundesweit beobachtet. Und das gilt nicht nur für das Land: „In Europa derzeit keine epidemische Influenzavirusaktivität“, so der aktuelle Stand laut Wiener Virologie-Zentrum.

Noch keine stationären Grippe-Fälle

„Normalerweise haben wir um diese Zeit schon die ersten vier, fünf stationären Influenza-Fälle“, sagt Gabriele Hartmann, Leiterin des Instituts für Krankenhaushygiene und Infektionsvorsorge am LKH Feldkirch. „Bis jetzt ist aber noch nichts.“ An die 100 Menschen, die an der „echten“ Grippe erkrankt sind, sind in der vergangenen Saison stationär im Krankenhaus behandet worden, im Winter 2018/19 waren es noch ein paar mehr.

Grund für das derzeitige Ausbleiben einer Grippewelle ist wohl das Coronavirus – und zwar in mehrerlei Hinsicht. Den Lockdown und die damit einhergehenden Maßnahmen nennt Hartmann als wahrscheinliche Gründe für das aktuelle Ausbleiben einer Grippewelle. Auch der Mund-Nasen-Schutz trage vermutlich einiges dazu bei.

Oberärztin Gabriele Hartmann vom LKH Feldkirch.                          <span class="copyright"> LKH Feldkirch</span>
Oberärztin Gabriele Hartmann vom LKH Feldkirch. LKH Feldkirch

Für Hartmann stellt sich zudem die Frage, ob derzeit eventuell auch weniger auf Influenza getestet werde, weil „anderes mehr getes­tet wird“. Ein anderer Aspekt könnte der sein, dass auch der Andrang auf einen Influenza-Impfstoff heuer größer war als gewöhnlich. Diesbezüglich sind Österreicher nämlich Impfmuffel.
Die Influenza-Impfrate liegt üblichweise im mittleren einstelligen Prozentbereich. Konkrete Zahlen dazu hat Hartmann nicht. Rückmeldungen aus ihrem Umfeld ließen allerdings darauf schließen, dass sich heuer mehr Menschen gegen Influenza impfen lassen haben, erzählt sie. Das führe dann zu leichteren oder weniger Fällen.

Die Expertin geht davon aus, dass nach Beendigung des Lockdowns auch in Vorarlberg die ers­ten stationären Influenza-Fälle auftauchen werden. Eine starke Welle erwartet sie in dieser Saison allerdings nicht. Das werde sich wie in Australien abspielen, wo es dieses Mal auch weniger Fälle gab, vermutet sie. Australien gilt als eine Art ­Gradmesser für Influenza-Verläufe auf der nördlichen Halbkugel.

Viel weniger Medikamente

Aber nicht nur die „echte“ Grippe, auch grippale Infekte treten in viel geringerem Ausmaß auf als üblich. „Viel weniger“, lautet die Antwort von Evelyn Braun von der Stadtapotheke in Bregenz auf die Frage nach dem Absatz von Medikamenten gegen grippale Infekte. Die Menschen würden sich zwar teilweise ein bisschen Vorräte an derartigen Mitteln anlegen. aber es sei insgesamt viel weniger geworden. So habe man 2020 nur etwa die Hälfte eines beliebten Präparats gegen grippale Infekte verkauft.

Auch von Influenza sei derzeit noch nichts zu bemerken, sagt sie. Auch Braun führt diese Rückgänge auf das Abstand halten und Maske tragen zurück – und natürlich das Hände waschen, „das man schon immer gepredigt hat“. Somit werden durch die Corona-Schutzmaßnahmen auch Influenzaviren und die Erreger von grippalen Infekten in Schach gehalten.

Krankmeldungen

Dass Grippe und grippale Infekte in dieser Saison noch nicht so stark aufgetreten sind, belegen auch die Zahlen der Landesstelle der Österreichischen Gesundheitskasse in Dornbirn. Dort gab es in den Dezemberwochen 2020 jeweils nur ein paar Hundert Krankmeldungen wegen Grippe oder grippaler Infekte, darunter ganz wenige Influenzafälle. Mit rund 700 war die Zahl in der ersten Dezemberwoche am höchsten. Im Dezember 2019 waren es hingegen pro Woche bis zu 1590 Meldungen – mit Fällen „echter“ Grippe im niedrigen zweistelligen Bereich.

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