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Für Unfalltod nicht verantwortlich

12.01.2021 • 19:52 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Richterin ging nicht von fahrlässiger Tötung aus. <span class="copyright">paulitsch</span>
Richterin ging nicht von fahrlässiger Tötung aus. paulitsch

Verletzter Fußgänger starb Wochen nach Kollision aus ungeklärter Ursache.

Am 17. November 2019 wurde ein 84-jähriger Fußgänger beim Überqueren der Liechtensteinerstraße in Feldkirch von einem Auto angefahren und dabei schwer verletzt. Knapp zwei Monate später, am 12. Jänner 2020, starb der betagte Familienvater aus Feldkirch. Die Staatsanwaltschaft Feldkirch machte den Autolenker für den Tod des Pensionisten verantwortlich und klagte ihn wegen fahrlässiger Tötung an. Nach Ansicht der Strafverfolgungsbehörde hatte eine Entzündung am verletzten Ellbogen des Unfallopfers zu dessen Tod geführt. Im Strafantrag wurde dem Angeklagten zur Last gelegt, er habe zu spät auf den Passanten reagiert und ihn deshalb mit seinem Pkw niedergestoßen.

Diversion

Bei der Hauptverhandlung am Bezirksgericht Feldkirch kam der unbescholtene Angeklagte am Dienstag mit einer Diversion davon. Wenn der in der Schweiz tätige Bauarbeiter dem Gericht als Geldbuße 2500 Euro bezahlt, wird das Strafverfahren gegen ihn eingestellt werden. Dann würde dem 43-jährigen Spanier eine Vorstrafe erspart bleiben.

Teilschmerzengeld

Zudem hat der in der Schweiz lebende Südeuropäer den Söhnen des Verstorbenen als Teilschmerzengeld ebenfalls 2500 Euro zukommen zu lassen. Und er hat als weitere Auflage für eine diversionelle Erledigung für 1750 Euro an Gerichtskosten aufzukommen. Dabei handelt es sich um das Honorar für den verkehrstechnischen Gutachter Christian Wolf und den Spanisch-Dolmetscher.
Strafrichterin Michaela Österle gewährte dem Angeklagten (nicht rechtskräftig) eine Diversion, weil sie den Beschuldigten nicht für die angeklagte fahrlässige Tötung verantwortlich machte. Die Bezirksrichterin zog ihn stattdessen nur wegen fahrlässiger Körperverletzung zur Rechenschaft. Österle bezog sich dabei auf ein Gutachten im Zivilprozess des Landesgerichts Feldkirch, in dem die Angehörigen des Verstorbenen Schmerzengeld vom beklagten Autofahrer fordern. Demnach stehe die Todesursache nicht fest, sagte die Bezirksrichterin. Im Zweifel könne dem Angeklagten daher nur fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen werden.

Nicht auf Zebrastreifen unterwegs

Verteidiger Klaus Grubhofer hatte schon zu Beginn der Verhandlung um eine Diversion ersucht. Weil sich die Todesursache nicht auf den Verkehrsunfall zurückführen lasse. Sein Mandant sagte, er sei nicht schuldig. Er habe den Fußgänger, der keinen Zebrastreifen benützt habe, erst spät wahrnehmen können. Der Pkw-Lenker war nicht alkoholisiert und hielt sich ans Tempolimit.