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Zahl der Insolvenzen stark rückläufig

12.01.2021 • 14:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Vier Gesellschaften von Huber schlitterten 2020 in die Insolvenz. <span class="copyright">Hartinger</span>
Vier Gesellschaften von Huber schlitterten 2020 in die Insolvenz. Hartinger

Für heuer erwarten die Experten des AKV einen deutlichen Anstieg.

Deutlich rückläufig waren im abgelaufenen Jahr die Privat- und Firmeninsolvenzen in Vorarlberg. Das zeigen die aktuellen Zahlen des Alpenländischen Kreditorenverbands (AKV). So wurden 2020 insgesamt 323 Privatinsolvenzverfahren eröffnet. Das waren um 24,53 Prozent weniger als noch im Jahr davor (428 Verfahren). Im Bereich der Firmenkonkurse gab es insgesamt 49 Verfahren, um 40,96 Prozent weniger als 2019 (83 Verfahren). Rückläufig war auch die Zahl der Verfahren, die mangels Kostendeckung erst gar nicht eröffnet wurden.

Mehr Passiva als 2019

In der Statistik zeigt sich jedoch auch, dass bei den Firmenkonkursen trotz des Rückgangs deutlich mehr Passiva zusammengekommen sind als noch im Vorjahr. Rund 103,1 Millionen Euro an Schulden gab es bei den zahlungsunfähigen Unternehmen. Im Vorjahr waren es insgesamt 93,2 Millionen Euro gewesen. Hauptverantwortlich waren dafür vor allem die Insolvenzen des Lecher Traditionsunternehmens Strolz, bei dem 43,2 Millionen Euro an Passiva zu Buche standen. Dazu kamen auch noch vier Gesellschaften des Wäscheherstelleres Huber, bei denen es insgesamt 37,5 Millionen Euro an Passiva gab. Ähnlich sieht das Bild aus, wenn man sich die Zahl der Dienstnehmer ansieht, die von Firmeninsolvenzen betroffen waren. Waren es 2019 noch 464 Dienstnehmer gewesen, so waren es im Vorjahr insgesamt 453 Mitarbeiter.

Top 5 nach Passiva

1, Strolz Gesellschaft m.b.H., Lech, 43,2 Millionen Euro

2. Huber Holding AG, Götzis, 17,0 Millionen Euro

3. Huber Tricot Gesellschaft mbH., Götzis, 10,1 Millionen Euro

4. HUBER-SHOP GmbH, Götzis, 7,2 Millionen Euro

5. Knecht GmbH, Rankweil, 5,5 Millionen Euro

Quelle: AKV

Bei den Privatkonkursen sank 2020 die Gesamtsumme der Passiva gegenüber dem Vorjahr jedoch von 44,5 Millionen Euro auf 29,8 Millionen Euro. Durchschnittlich hatten die Betroffenen 92.200 Euro an Schulden. 2019 waren es etwa 103.900 Euro gewesen. Allerdings gab es auch millionenschwere Privatinsolvenzen. So sah sich eine Privatperson in Mittelberg mit Passiva in Höhe von 4,73 Millionen Euro konfrontiert. In Dornbirn gab es einen Privatkonkurs mit Passiva in Höhe von 2,12 Millionen Euro.

Covid-19-Maßnahmen

Grund für die Rückgänge bei der Zahl der Konkurse, die sich österreichweit zeigen, sind nach Angaben der AKV-Experten die staatlichen Schutzmaßnahmen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie wie etwa Stundungen, Kurzarbeit oder die Tatsache, dass seitens der öffentlichen Hand keine Insolvenz­anträge gestellt worden sind. Tamara Ivkovic von der Fachabteilung Insolvenz Vorarl­berg beim AKV rechnet damit, dass in der zweiten Hälfte des heurigen Jahres die Zahl der Konkurse deutlich ansteigen wird. Auch wenn Prognosen derzeit schwierig seien, hält die Expertin es für möglich, dass die Zahl der Fälle auf bis zu 15 Prozent über dem Niveau von 2019 zunehmen könnte.

Beim Traditionshaus Strolz gab es Passiva in Höhe von 43,2 Millionen Euro. <span class="copyright">Strolz/Facebook</span>
Beim Traditionshaus Strolz gab es Passiva in Höhe von 43,2 Millionen Euro. Strolz/Facebook

Verschärft werden könnte die Situation noch durch im Bund geplante Reformen im Insolvenz- und Exekutionsrecht, heißt es seitens des AKV. Diese könnten ebenfalls einen höheren Anfall von Insolvenzen bringen. Die Verantwortlichen des AKV begrüßen in einer Stellungnahme zur Gesamtreform des Exekutionsrechts die Tendenz der Änderungen. Allerdings seien manche Punkte auch kritisch zu sehen.

Mehr Gläubigeranträge

Die Experten gehen davon aus, dass es bei den Privatkonkursen häufiger zur Eröffnung eines Verfahrens aufgund eines Gläubigerantrags kommen wird. Bisher sei dies eher selten der Fall. Die Abwicklung der Privatinsolvenzen erfolge vielmehr kooperativ. In beinahe allen Fällen würden die Verfahren über einen Eigenantrag des Schuldners eröffnet – im Regelfall mit Unterstützung einer Schuldnerberatungsstelle. Dadurch seien diese von Anfang an auf eine Entschuldung ausgerichtet. Wenn es künftig häufiger zu Gläubigeranträge komme, könne die Abwicklung der Verfahren schwieriger werden, befürchten die AKV-Experten.