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Palermo: „Uwe liebt dich“ soll weg

13.01.2021 • 11:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bilder von der Fassade mit dem Schriftzug „uwe ti ama“, davor gelegen der besagte Brunnen. <span class="copyright">Uwe Jäntsch</span>
Bilder von der Fassade mit dem Schriftzug „uwe ti ama“, davor gelegen der besagte Brunnen. Uwe Jäntsch

Nach „si vende“ wird über weiteres Werk von Uwe Jäntsch debattiert.

“Uwe ti ama“ („Uwe liebt dich“) steht auf Italienisch an der Fassade des Palazzo Lo Mazzarino – noch heute, nach 13 Jahren, als der Vorarlberger Künstler Uwe Jäntsch das Haus am Piazza Garraffello in Palermo zu bespielen begann. Das könnte sich nun bald ändern: Wie Jäntsch informierte, gibt es Pläne, die Fassade zu renovieren und den Schriftzug zu entfernen. Am Montag hätte dies geschehen sollen, doch eine Gruppe von Bürgern, die für die Erhaltung des Kunstwerks eintreten, versammelte sich laut Jäntsch auf der Piazza. Die Renovierungsarbeiten wurden nach Informationen des Künstlers vorerst blockiert.

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Jäntsch

19 Jahre lang lebte Jäntsch im Stadtteil Vucciria, den er intensiv für Installationen und künstlerische Interventionen im öffentlichen Raum nutzte. Dabei ging es ihm darum, auf den Verfall der historischen Substanz in dem alten Stadtteil aufmerksam zu machen und Immobilienspekulationen zu thematisieren. Im April 2018 musste der heute 50-Jährige den Palazzo Lo Mazzarino, den er als Atelier nutzte, räumen. Viele seiner Werke sind aber noch erhalten.
Wie berichtet, gibt es bereits ein Gerichtsverfahren, in dem es um den roten Schriftzug „si vende“ („zu verkaufen“) auf dem am selben Platz befindlichen Brunnen geht. Dieser wurde 2014 vom Künstler selbst sogleich wieder entfernt, ohne dass er Spuren auf dem Brunnen aus dem 16. Jahrhundert hinterlassen hat. Der mehrfach verschobene Prozess soll nun am 9. März fortgesetzt werden, wie Jäntsch der NEUE berichtete. Hauptkläger ist demnach der Bürgermeister von Palermo Leoluca Orlando zusammen mit dem „condominio“, also einer Art Miteigentümerschaft des Palazzo Lo Mazzarino. Brunnen und Haus hatten vor 400 Jahren denselben Auftraggeber, der Palazzo war das erste Gerichtsgebäude der Stadt unter spanischer Dominanz.

Uwe Jäntsch. <span class="copyright">Jäntsch</span>
Uwe Jäntsch. Jäntsch

Neben dem Fall „si vende“ geht es nun also um das Werk „uwe ti ama“, das mit derselben Technik und Farbe angefertigt wurde. Der Schriftzug wurde zum Symbol von Jäntschs Gesamtwerk in Palermo – und machte den Palazzo zu einem der meistfotografierten Gebäude in der Stadt, wie der Künstler im Gespräch anmerkte. Tatsächlich ist die Fassade ein beliebtes Motiv, wie ein Blick in die sozialen Medien offenbart. „Ich versprach: dieser Eingriff wird euch Käufer bringen! Zehn Jahre später waren sie dann da“, sagt Jäntsch. Denn das Gebäude wurde teilweise bereits verkauft und soll deshalb eben renoviert werden.
Strittig ist laut dem Künstler aber die Frage, wem der Schriftzug tatsächlich gehört. Jäntsch zufolge habe er nämlich „uwe ti ama“ 2007 der Stadt Palermo und damit der Öffentlichkeit geschenkt – eigentlich, um zu gewährleisten, dass die Substanz öffentlich zugänglich bleibt.
Das Thema wird derzeit auch in italienischen Medien diskutiert. Jäntsch will jedenfalls weiter für den Erhalt seines Werks eintreten.

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