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“Vorarlberger wollen Pflege zuhause”

18.01.2021 • 19:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
In einer Pressekonferenz präsentierte Christof Bitschi ein gemeinsam mit der AK Vorarlberg ausgearbeitetes Pflege-Modell für Vorarlberg.  <span class="copyright">handout/Freiheitliche Vorarlberg</span>
In einer Pressekonferenz präsentierte Christof Bitschi ein gemeinsam mit der AK Vorarlberg ausgearbeitetes Pflege-Modell für Vorarlberg. handout/Freiheitliche Vorarlberg

Christof Bitschi (FPÖ) über ein mögliches neues Pflege-Modell.

Im Bereich der Pflege erkennt Christof Bitschi, Klubobmann der Freiheitlichen Vorarlberg, „viele offene Baustellen“. In Zusammenarbeit mit der Arbeiterkammer Vorarlberg soll nun ein vielversprechendes Modell zur Unterstützung der Branche und Betroffener erarbeitet worden sein. Das teilte der Klubobmann gestern bei einer Pressekonferenz mit.

Eine große Rolle in der Problematik spiele die stetig wachsende durchschnittliche Lebenserwartung der Österreicher (derzeit bei 84 Jahren). Diese hat Folgen: „Immer mehr Menschen im Land sind pflegebedürftig. Aus heutigem Stand sieht sich bereits jede vierte Familie in Österreich mit dem Thema konfrontiert. Und dieser Wert wird sich in Zukunft noch deutlich steigern.“

Um eine entsprechende Betreuung der älteren Menschen sicherstellen zu können, brauche es eine Stärkung jener in den eigenen vier Wänden. „Wir müssen alles daran setzen, dass Pflege so lange wie möglich zu Hause stattfinden kann! Dies entspricht auch dem Wunsch vieler Vorarlberger und Vorarlbergerinnen.“

Drei Problemherde

Ein positives Beispiel des zu erstrebenden Modells sei das der blau-roten Regierung im Burgenland. In Anlehnung an dieses habe nun auch die Arbeiterkammer Vorarlberg ein Konzept für das Ländle ausgearbeitet. Dieses hat sich der Lösung drei gro­ßer Problemherde verschrieben. Zum einen soll das Konzept Erleichterungen für die Angehörigen schaffen, sowohl was die finanzielle Belastung als auch das schwierige Vereinbaren von Beruf und Pflegetätigkeit angeht. Weiters gelte es, den bereits jetzt vorherrschenden Mangel an Pflegekräften, der in Zukunft noch drastischer auszufallen drohe, anzugehen.

Das dritte Hauptaugenmerk betrifft die Finanzierung, wie der FPÖ-Klubobmann erklärt: „Die teuerste Form der Pflege ist die stationäre. Da es ohnehin der Wunsch vieler Vorarlberger und Vorarlbergerinnen ist, so lange wie möglich zu Hause betreut werden zu können, muss dies natürlich auch das Bestreben der Politik sein.“

"Da es ohnehin der Wunsch vieler Vorarlberger und Vorarlbergerinnen ist, so lange wie möglich zuhause betreut werden zu können, muss dies natürlich auch das Bestreben der Politik sein", erklärt Christof Bitschi.<span class="copyright"> Symbolbild/Markus Gmeiner</span>
"Da es ohnehin der Wunsch vieler Vorarlberger und Vorarlbergerinnen ist, so lange wie möglich zuhause betreut werden zu können, muss dies natürlich auch das Bestreben der Politik sein", erklärt Christof Bitschi. Symbolbild/Markus Gmeiner

„Win-Win-Win-Situation“.

Von dem neu herausgearbeiteten Modell der Arbeiterkammer Vorarlberg verspricht sich Bitschi, sollte dieses angenommen werden, eine Verbesserung aller drei Problemlagen. Den genauen Lösungsvorschlag gibt Bitschi wie folgt weiter: „Pflegende Angehörige im erwerbsfähigem Alter werden über eine gemeinnützige Tochtergesellschaft des Vorarlberger Hauskrankenpflegeverbandes je nach Höhe der Pflegestufe voll- oder teilzeit angestellt.“ Ab der Pflegestufe fünf würde den Betroffenen bei einem Netto-Gehalt von 1700 Euro eine Vollzeiteinstellung zugesprochen.

Neben der Entlohnung und sozialversicherungsrechtlichen Absicherung erhielten die Angehörigen außerdem eine kostenlose verpflichtende Grundausbildung für die Betreuung. Auf diese Weise solle sichergestellt werden, dass diese auch nach Beendigung ihrer Pflegetätigkeit weiterhin in diesem Bereich engagiert werden könnten – ein möglicher Lösungsansatz für das Problem des Personalmangels.

„Zusammenfassend kann man sagen, dass es sich um ein ‚Win-win-win-Modell‘ handelt. Es beinhaltet sowohl eine finanzielle und sozialrechtliche Absicherung der pflegenden Angehörigen, die Möglichkeit so lange wie möglich im eigenen Zuhause gepflegt zu werden, und schafft außerdem die Chance, durch die Absolvierung der Heimhelferausbildung zusätzliche Pflegekräfte gewinnen zu können“, fasst der Klubobmann der Vorarlberger Freiheitlichen die Vorteile nochmals zusammen.

Rückstände

Doch auch vor Kritik machte Bitschi während seiner Pressekonferenz nicht Halt, etwa was den Vergleich Markus Wallners der Corona-Krise mit einem Brennglas angeht. Der Klubobmann der Vorarlberger Freiheitlichen ist der Ansicht, „dass der Herr Landeshauptmann zu einem gewissen Punkt davon ablenken will, dass die schwarz-grüne Regierung in den letzten Jahren bei einigen Problemen ein Stück weit geschlafen hat. Auch ohne die akute Krise hätte der Landesregierung auffallen müssen, dass es in einigen Punkten großen Aufholbedarf gäbe.“

Rückstände erkenne er etwa in den Bereichen Personalmangel, Digitalisierung oder dem langfristigen Sichern zukunftsfähiger Infrastruktur. Gegenüber dem Vorarlberger Landeshauptmann findet Bitschi klare Worte: „Es sollte nicht eine Pandemie notwendig sein, um die Probleme im Land zu erkennen. Es sollte reichen, wenn die Landesregierung und der Herr Landeshauptmann ein Stück weit mehr auch auf die Vorarlberger und Vorarlbergerinnen hören würden.“

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