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Großer Wirbel um einen kleinen Stich

19.01.2021 • 20:52 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
In diesem Seniorenheim ließ sich Bürgermeister Matt impfen. <span class="copyright">Hartinger</span>
In diesem Seniorenheim ließ sich Bürgermeister Matt impfen. Hartinger

Impf-Causa um Bürgermeister Matt sorgt für Aufregung.

Quer durch Österreich häufen sich Beschwerden über Vorreihungen von Personen, die gemäß den klaren Vorgaben des Nationalen Impfgremiums noch nicht an der Reihe gewesen waren. Ges­tern schwappte die Welle der Empörung ein zweites Mal über Vorarl­berg. Nachdem es letzte Woche Aufregung um Impfungen für Angehörige von Rotkreuz-Mitarbeitern gab, steht nun der der Feldkircher Bürgermeister Wolfgang Matt (65, ÖVP) unter Beschuss. Der Stadtchef hat sich am vergangenen Wochenende im Rahmen einer Impfaktion im Seniorenheim in Feldkirch-Gisingen immunisieren lassen.

Feldkirchs Bürgermeister Matt steht in der Kritik. <span class="copyright">Archiv/Stiplovsek</span>
Feldkirchs Bürgermeister Matt steht in der Kritik. Archiv/Stiplovsek

Die Aussagen, wie es dazu kam, dass Matt die letzte Impfung des Tages erhielt, gehen weit auseinander. Die zuständige Ärztin Suanne Furlan, die Matt die Impfung zunächst verweigerte und dessen Vorgangsweise grundsätzlich anprangert, vermutet sogar, dass Risikopatienten weggeschickt worden sein könnten. Der Bürgermeister weist dies zurück. Er habe sich weder vorgedrängt noch jemanden um die Impfung gebracht, teilt er in einer Presseaussendung mit. Herbert Lins, Geschäftsführer der Seniorenbetreuung Feldkirch, wollte auf NEUE-Anfrage keine Stellungnahme zum Ablauf der Impfaktion abgeben. Die Impfung als solche hält er jedoch für gerechtfertigt. „Der Bürgermeister hat immer wieder Kontakt zu Bewohnern oder deren Angehörigen und ist dort regelmäßig zu Besuch.“ Informierte Kreise halten diese Argumentation allerdings für fragwürdig, zumal es aufgrund der Corona-Situation strikte Besuchsbeschränkungen gebe.

Ärztin Susanne Furlan prangert die Vorgangsweise des Bürgermeisters an. <span class="copyright">Hartinger</span>
Ärztin Susanne Furlan prangert die Vorgangsweise des Bürgermeisters an. Hartinger

Vorbildwirkung als Argument

Von den vielen Besuchen und Kontakten, die auch Matt in ers­ten Stellungnahmen gegenüber diversen Medien als Argument anführte, war in einer am Dienstagnachmittag verschickten Presseerklärung kaum mehr etwas mehr zu lesen. Dort schreibt Matt nämlich, dass er sich „auf eine Liste der Seniorenbetreuung Feldkirch (SBF) setzen lassen“ habe, „mit dem Hinweis, dass ich mich im Sinne einer gewissen Vorbildwirkung jederzeit impfen lassen würde, sollten bei einer Impfaktion einzelne Dosen nicht verwertet werden können“.

„In der Rückschau wäre es vielleicht geschickter gewesen, darauf zu verzichten.“

Wolfgang Matt, Bürgermeister in Feldkirch

Seitens der SBF sei er dann ohne sein Zutun der Priorität 1 zugewiesen worden. Am vergangenen Samstag wurde ihm dann laut eigenem Bekunden telefonisch mitgeteilt, es könne sein, dass gegen Ende der Impfaktion im Haus Gisingen einzelne Impfdosen übrigbleiben könnten und er sich daher kurzfristig für eine eventuelle Impfung bereithalten möge. Im Seniorenheim habe er sich, so schildert Matt, bewusst am Ende der Warteschlange angestellt. „Am Ende war dann eine einzelne allerletzte Dosis übrig, die Stadtrat Guntram Rederer (ebenfalls auf dieser Liste) dann mir überlassen hat.“ Nach ihm habe es „keine Schlange von weiteren Menschen“ gegeben, das könnten Mitarbeiter des Heimes und auch der Geschäftsführer der SBF bestätigen. Eine andere Sicht der Dinge hat die zuständige Ärztin. „Der Bürgermeister ist nicht am Ende der Warteschlange gestanden, sondern hinter einem Paravent, damit man ihn nicht sieht.“ Furlan sah den Stadtchef in einer Pause dann doch und gab ihm zu verstehen, dass sie ihn nicht impfen werde. „Er meinte nur, dass ich mich nicht so aufregen soll.“ Zu diesem Zeitpunkt warteten nach Angaben der Ärztin „noch mindestens 50 Menschen“ auf die Impfung, von der genau noch 14 Dosen übrig waren. Als dann die letzte Impfung verbreicht werden sollte, stellte Furlan mit Verwunderung fest, dass „plötzlich niemand mehr da war, außer dem Bürgermeister“.

Rankweiler Bürgermeisterin geimpft

Kritik vom Landeshauptmann und noch eine Impfung einer Politikerin.

Nachdem auch Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) dem Feldkircher Bürgermeister in einem Telefonat „klar übermittelt und klargestellt“ hat, „dass diese Vorgehensweise in meinen Augen eine wenig sensible war“, ließ er über eine Aussendung wissen, dass die Heime nochmals auf die Regelung hingewiesen wurden. Auch den Spitälern sei nochmals signalisiert worden, dass ein Einschleusen von noch nicht impfberechtigten Personen dienstrechtliche Konsequenzen zur Folge haben kann.

Am Abend teilte dann noch die Rankweiler Bürgermeisterin Katharina Wöß-Krall in einer Aussendung mit, dass sie ebenfalls geimpft worden sei. Sie sei in ihrer Funktion als Geschäftsführerin der Sozialzentrum GmbH Haus Klosterreben ohne Impfabsicht vor Ort gewesen. Als mehrere Impfdosen übrig blieben, „habe ich mich im besten Wissen und Gewissen zur Impfung bereit erklärt“.

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