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Grüne: Aufhebung der Zentralmatura

19.01.2021 • 19:32 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Der Frust wächst. Home-Schooling und Distance-Learning ist für alle Beteiligten belastend. <span class="copyright">Archiv/Hartinger</span>
Der Frust wächst. Home-Schooling und Distance-Learning ist für alle Beteiligten belastend. Archiv/Hartinger

Die Grünen fordern ein Aussetzen der Zentralmatura.

Trotz der langsam anlaufenden Impfung befindet sich das Land in der bisher schwierigsten Phase der Corona-Pandemie. Die andauernden Maßnahmen zur Begrenzung der Infektionen haben nicht nur verheerende Auswirkungen auf Wirtschaft und Beschäftigung, sondern auch schwerwiegende Folgen im Bereich Bildung.
Die Frustration aller Beteilig­ten wächst. Zudem warnen Experten vor einem massiven Anstieg von psychischen Problemen und mehr sozialer Ungleichheit. Fakt ist aber auch, dass sich die wissenschaftliche Meinung zur Bedeutung von Schulen im Infektionsgeschehen gewandelt hat. „Zu Beginn der Pandemie ist man davon ausgegangen, dass Kinder und Jugendliche eine unbedeutende Rolle spielen. Mittlerweile weiß man, dass diese Annahme nicht stimmt“, erklärt Daniel Zadra, Klubobmann der Grünen im Vorarlberger Landtag. Somit ist die bedingungslose Öffnung der Schulen im jetzigen Moment kein ernstzunehmendes Thema. „Wer das tut, setzt die Gesundheit von uns allen aufs Spiel.“ Der oft zitierte Satz: „Koste es was es wolle“ müsse auch und vor allem für den Bildungsbereich gelten.

Druck

Generell ist es für die Kinder wichtig, den Druck herauszunehmen. „Die Zukunftsängste der Schüler sind riesig“, so Eva Hammerer, Landtagsabgeordnete und Bildungssprecherin. Lustlosigkeit und wenig Freude zeichnen den Alltag vieler schulpflichtiger Kinder aus. „Der soziale Kontakt mit Gleichaltrigen fehlt den Jugendlichen massiv“, ergänzt Hammerer. Die Angst um die Ausbildung und den Schulabschluss schlägt vielen auf die Psyche. Hier muss Entlastung geschaffen werden, um alle Kinder wieder ins Boot zu holen.

„Zeugnisse soll es nur dort geben, wo es unbedingt nötig ist. Wenn etwa ein Übertritt in eine andere Schule ansteht.“

Eva Hammerer, Bildungsprecherin der Grünen

Keine Noten

„Es kann heuer keine aussagekräftige Schulnachricht ausgehändigt werden. Zeugnisse soll es nur dort geben, wo es unbedingt nötig ist. Wenn etwa ein Übertritt in eine andere Schule ansteht.“ Der Vorschlag, die Semesterferien vorzuverlegen, ist für Hammerer keine schlechte Idee, kommt aber zu spät. Und: „Das einzig planbare Element kurzfristig über den Haufen zu werfen, hilft niemandem.“

Zadra und Hammerer fordern massive Unterstützungen. <span class="copyright">Grüne Vorarlberg</span>
Zadra und Hammerer fordern massive Unterstützungen. Grüne Vorarlberg

Matura

Für die angehenden Maturanten wird das heurige Jahr noch schwieriger als 2020 es schon war. „Die sitzen seit einem Jahr mehr oder weniger durchgehend im Distance-Learning. An oberster Stelle müsse laut Hammerer das Aussetzen der Zentralmatura stehen. „Denn die Lehrkräfte können am besten einschätzen, wie viel gelernt wurde und was gelernt wurde.“ Zudem müssen Schulen in Zeiten wie diesen mehr Flexibilität bekommen, fordert die Grünenpolitikerin. In der derzeitigen Situation brauche es ein Höchstmaß an Autonomie. Die gesundheitliche Sicherheit an den Schulen wird auch nach dem Lockdown wesentlich bleiben. So soll laut den Grünen zweimal pro Woche freiwillig getestet werden. Zudem müssten an allen Schulen gratis FFP2 Masken zur Verfügung gestellt werden.
Zudem fordert Hammerer, dass die Pädagogen der Sonderschulen bei der Impfung in der ersten Phase berücksichtigt werden. „Die unterrichten nach wie vor in den Schulen. Und dort ist es auch wichtig, körpernah zu agieren.“

Der soziale Kontakt mit Gleichaltrigen fehlt den Jugendlichen massiv“, so Hammerer. <span class="copyright">Archiv/Hartinger</span>
Der soziale Kontakt mit Gleichaltrigen fehlt den Jugendlichen massiv“, so Hammerer. Archiv/Hartinger

Bewegungsmangel

Viele Kinder leiden derzeit an einem alarmierenden Bewegungsmangel. Hier sollte es vermehrt Kooperationen mit Sportvereinen geben. „Und die bereits beschlossene tägliche Bewegungseinheit muss sofort umgesetzt werden.“

neos: Vorverlegung der Ferien eilt

Die Neos fordern eine rasche Entscheidung zur Vorverlegung der Semesterferien noch diese Woche. Man wolle somit eine weitere Schuldistanz-Woche vermeiden. „Unsere Schülerinnen und Schüler, die Eltern und auch die Pädagoginnen und Pädagogen haben endlich Planbarkeit verdient. Jetzt sind Landeshauptmann Wallner und Landesstatthalterin Schöbi-Fink gefordert, sich endlich einmal tatkräftig für unsere Kinder einzusetzen und für Klarheit bis Ende Woche zu sorgen“, so Neos-Klubobfrau Sabine Scheffknecht.

Die Semesterferien starten in Vorarlberg direkt nach dem Lockdown am 8. Februar. Die Neos befürworten die Vorverlegung der Ferien um eine Woche, um weitere Bildungsverluste abzufedern. Auch würden alle Betroffenen damit entlastet werden.

„Schüler, Eltern und Lehrer stoßen an ihre Grenzen. Jetzt zählt jede Woche Unterricht. Die Bildungsschere klafft immer weiter auseinander. Nach dem Lockdown braucht es daher Präsenzunterricht für alle. Nur so können wir weitere uneinholbare Bildungsverluste und die gesamtgesellschaftlichen negativen Folgen abwenden“, ergänzt Scheffknecht.

Sommerschulen

Der nächste Sommer kommt bestimmt. Und er wird von großer Bedeutung sein. „Das Angebot der Sommerschule muss massiv ausgebaut werden. Nur so können wir die Versäumnisse des Jahres abfedern.“ Es brauche hier ein hochwertiges Angebot und einen guten Mix. All das wird auch Geld kosten. „Um das zu ermöglichen, brauchen wir einen Reparaturtopf für die Bildung. Bundesminister Faßmann hat bereits 200 Millionen als erste Maßnahmen angekündigt. Die sollen ab Februar bereits eingesetzt werden können. Das ist ein erster großer Schritt. Aber da brauchen wir noch mehr“, betont Zadra abschließend.