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Über eine Milliarde Euro zum Wohle aller

19.01.2021 • 08:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
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Industriebetriebe investieren in das Wohl von Mitarbeitern und Gesellschaft.

Trotz der Beschränkungen durch die Corona-Pandemie haben die Verantwortlichen der Vorarlberger Industriellenvereinigung (IV) auch heuer einen Neujahrsempfang durchgeführt. Dieser ging allerdings als Online-Veranstaltung über die Bühne. Alljährlich wird dabei ein Thema in den Mittelpunkt gestellt, das aus Sicht der IV-Entscheidungsträger von besonderer Bedeutung ist. So wurden zum Beispiel 2016 Maßnahmen präsentiert, wie der Wirtschaftsstandort Vorarlberg „Vom Mittelmaß zur Exzellenz“ gebracht werden kann. Später wurde dann das Thema Raumplanung aufgegriffen, und im „Big Picture“ wurde vorgestellt, wie das Land sich weiterentwickeln könnte.

Über 50 Unternehmen untersucht

Im vergangenen Jahr wurde beim Neujahrsempfang die Frage geklärt, was die heimische Industrie für die Menschen im Land leistet. Dazu wurde auch der Dialog mit der Bevölkerung gesucht. Es habe sich gezeigt, dass vielfach das Bewusstsein dafür fehle, wie sich die Industrie zum Wohle aller einsetze, berichtete IV-Präsident Martin Ohneberg. Aus diesem Grund wird dieses Thema heuer erneut aufgegriffen. Beim Verhaltens­ökonom Gerhard Fehr, mit dem man auch früher schon zusammengearbeitet hat, wurde diesbezüglich eine Untersuchung in Auftrag gegeben. Mit seinem Team hat Fehr dafür über 50 Betriebe und ihr Engagement für die Menschen unter die Lupe genommen. Dabei hat sich nach Angaben von Ohneberg gezeigt, dass die Unternehmen 2020 über eine Milliarde Euro für das Wohl ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie der Bevölkerung in Vorarlberg sowie in aller Welt investieren. Gemeint sind dabei Leistungen, die über die üblichen Verpflichtungen wie etwa die Bezahlung von Gehältern, Steuern und andere Personalaufwendungen hinausgehen. „Das Ergebnis hat uns selbst sehr überrascht. Immerhin macht der Betrag mehr als die Hälfte des Vorarlberger Landesbudgets (Anmerkung: 1,9 Milliarden Euro) aus“, erklärte der IV-Präsident.

Investitionen für die Mitarbeiter

Die freiwilligen Leistungen fallen dabei in zwei Bereiche. Rund 487 Millionen Euro wenden die Firmen gemäß der Untersuchung für ihre Mitarbeiter auf. Dazu gehören etwa interne und externe Möglichkeiten zur Aus- und Weiterbildung. Andere Beiträge sind etwa Unterstützung bei der Verpflegung beispielsweise mit einer eigenen Kantine oder Essenzuschüssen, Programme zur Gesundheitsförderung oder finanzielle Förderung bei der Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln.

Investitionen mit gesellschaftlichem Wert

Die anderen Beiträge – im Ausmaß von 541 Millionen Euro – kommen der Bevölkerung im Land und der globalen Gesellschaft zugute. Darunter fallen die Unterstützung lokaler Veranstaltungen, Projekte oder Organisationen, Sponsoring oder das Freistellen von Mitarbeitern für ehrenamtliche Tätigkeiten wie bei der Feuerwehr. Im globalen Kontext spielen hier etwa Bemühungen in Sachen Nachhaltigkeit, Umweltschutz oder auch Spenden für die Entwicklungshilfe eine wichtige Rolle.

Vorarlberger Industrie

In der Vorarlberger Industrie wurden 2019 gemäß Zahlen der Statistik Austria 38,5 Prozent der Bruttowertschöpfung in Vorarlberg erzielt. Mehr als jeder dritte Arbeitsplatz ist in der Industrie. Über 61 Prozent der produzierten Waren werden ins Ausland exportiert.

Das Ergebnis der Untersuchung zeigt nach Ansicht von Ohneberg die Bedeutung der Industrie für das Land und Bevölkerung – nicht nur indem Arbeitsplätze geschaffen werden, sondern auch als Partner, der sich für das Wohl aller einsetzt. Zugleich ist sich der IV-Präsident darüber bewusst, dass das Bewusstsein für das Engagement der Unternehmen noch weiter gesteigert werden muss. Auf diese Weise soll in der Bevölkerung auch das Verständnis dafür geschaffen werden, dass die Betriebe sich weiterentwickeln müssen.

Das Ergebnis hat uns selbst sehr überrascht. Immerhin macht der Betrag mehr als die Hälfte des Landesbudgets aus.

IV-Präsident Martin Ohneberg

Die Politik habe die Bedeutung einer offensiven Standortpolitik bereits erkannt, meinte der Industrie-Vertreter. Indem das Engagement der Firmen noch transparenter gemacht wird, soll nun auch die Bevölkerung mit ins Boot geholt werden, um gemeinsam das Land weiterzuentwickeln.

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