Allgemein

Land reagiert auf Vordrängler

20.01.2021 • 18:54 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Anmeldungen helfen bei der fairen Verteilung des Impfstoffes. <span class="copyright">Hartinger</span>
Anmeldungen helfen bei der fairen Verteilung des Impfstoffes. Hartinger

Landesrätin Rüscher plant Maßnahmen zur fairen Verteilung.

Nach der publik gewordenen Corona-Impfung von Bürgermeister Wolfgang Matt (Feldkirch) und Bürgermeisterin Katharina Wöß-Krall (Rankweil) hat das Land Vorarlberg Maßnahmen zu einer „fairen Impfstoffverteilung“ angekündigt. Man wolle unterbinden, dass aktuell auch Personen geimpft werden, die nicht der Phase 1 des nationalen Impfplans zuzuordnen seien, betonte Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher in einer Aussendung. So erfolge etwa die Bestellung von Impfstoff nur mehr zentral über den Impfkoordinator des Landes. Zuvor hatten auch Alten- und Pflegeheime direkt bei der Bundesbeschaffung GmbH Impfstoff bestellen können. Auch für Arztordinationen wurde die direkte Bestellung eingestellt.

Nach den Vordrängerln reagiert das Land mit Maßnahmen zur "fairen Impfstoffverteilung". <span class="copyright">Hartinger</span>
Nach den Vordrängerln reagiert das Land mit Maßnahmen zur "fairen Impfstoffverteilung". Hartinger

Brisantes Detail in der Vordrängler-Causa ist das Verhältnis von Landes-Impfkoordinator Sebastian Wöß zu der Rankweiler Bürgermeisterin Wöß-Krall. Die beiden sind Geschwister. „Der Impfkoordinator hat erst gestern – nachdem die Meldungen über die Impfung des Feldkircher Bürgermeisters bekannt wurden – von der Impfung seiner Schwester erfahren. Der Impfkoordinator kümmert sich um die Bestellung und mengenmäßige Zuteilung, nicht aber um die Liste der zu impfenden Personen vor Ort“, heißt aus der Landespressestelle auf Anfrage von vol.at.

Kurz und Kogler sind empört

Kanzler Sebastian Kurz hat absolut kein Verständnis für Bürgermeister, die sich mit „übrig gebliebenen“ Corona-Impfstoffen immunisieren ließen, obwohl sie noch nicht an der Reihe gewesen wären. „Wenn sich jemand vordrängt, ist das moralisch enttäuschend“, betonte Kurz in der „Kronen Zeitung“. „Es macht mich wütend und zornig“, meinte Kurz. Vizekanzler Werner Kogler bezeichnete das Verhalten der Bürgermeister als empörend und auch nicht hinnehmbar. „Das kann so nicht sein“, sonst zerstöre man Glaubwürdigkeit – deshalb müsse man alles tun, „dass das abgestellt wird“. Er appelliere an die Landeshauptleute, hier einzuwirken – auch, was etwaige Rücktritte von Bürgermeistern betreffe. Auch in anderen Bundesländern kam es zu ähnlichen Vorkommnissen.

Für Zielgruppen, die in der Phase 1 priorisiert werden sollen – Gesundheitspersonal und Personen mit einem hohen Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs – werden künftig Einmal-Codes ausgegeben. Personen mit diesen Codes können je nach Verfügbarkeit des Impfstoffs gezielt zur Impfung eingeladen werden. Ausgenommen davon sind ältere Personen, die hinsichtlich ihres Geburtsdatums eingeladen werden. Für diese ist kein spezieller Priorisierungscode notwendig.

Dienstrechtliche Konsequenzen

In den Krankenhäusern sei nochmals darauf hingewiesen worden, dass ein Einschleusen von noch nicht impfberechtigten Personen dienstrechtliche Konsequenzen zur Folge haben könne, so Rüscher. Nach Abschluss der Erst-Impfungen in den Seniorenheimen werden laut Rüscher nur jene Personen zur Impfung eingeladen, die sich zuvor im digitalen Vormerksys­tem des Landes angemeldet haben. Jede Impfung werde dokumentiert, sagte die Landesrätin. „Eine 100-prozentige Sicherheit wird auch durch diese verstärkten Maßnahmen nicht möglich sein“, stellte Rüscher fest. Umso mehr appelliere man an die Fairness und Eigenverantwortung der Verantwortlichen in den unterschiedlichen Bereichen.

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.