Allgemein

Kinderwunsch und Covid-Impfung

22.01.2021 • 08:56 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Beeinträchtigt die Covid-Impfung die Fruchtbarkeit?
Beeinträchtigt die Covid-Impfung die Fruchtbarkeit? (c) lassedesignen – stock.adobe.com

Kinderwunsch und Corona-Impfung: Das sagen Experten.

Viele Fragen zum Thema Impfung gegen Covid-19 haben die Redaktion der Kleinen Zeitung erreicht, eine wiederkehrende dabei war: Was müssen Frauen mit Kinderwunsch über diese Impfung wissen? Ist eine Impfung vor einer geplanten Schwangerschaft empfehlenswert? Und wie sieht es mit Schwangeren und der Impfung aus?

„Ja, die Impfung gegen Covid-19 ist für Frauen, die schwanger werden wollen, dezidiert empfohlen“, sagt Karl Tamussino, Leiter der Klinischen Abteilung für Gynäkologie am LKH-Uniklinikum Graz. Diese Empfehlung beruht darauf, dass bisherige Studien gezeigt haben, dass schwangere Frauen ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung haben: Während bei nicht-schwangeren Frauen in 5,8 Prozent der Fälle ein schwerer Covid-Verlauf (Spitalsaufenthalt notwendig) auftrat, waren es unter schwangeren Frauen rund 15 Prozent der Erkrankten, die im Krankenhaus oder sogar auf der Intensivstation betreut werden mussten.

Karl Tamussino, Leiter der Klinischen Abteilung für Gynäkologie am LKH-Uniklinikum Graz
Karl Tamussino, Leiter der Klinischen Abteilung für Gynäkologie am LKH-Uniklinikum GrazSonstiges

Impfungen vor der Schwangerschaft

Unter dem Motto „Prepare for Pregnancy!“ (Bereite dich auf die Schwangerschaft vor!) sollten notwendige Impfungen vor einer geplanten Schwangerschaft erfolgen bzw. aufgefrischt werden.

Ausführliche Informationen dazu gibt es zum Beispiel auf der Seite des Gesundheitsministeriums.

Generell gilt: Es können während der Schwangerschaft Impfungen mit Totimpfstoffen durchgeführt werden, jedoch ist ein Verschieben der Impfung in das zweite oder dritte Trimester als generelle Vorsichtsmaßnahme angezeigt, um theoretischen Bedenken zu entgegnen.

Lebendimpfungen (Masern, Mumps, Röteln, Varizellen) sollten in der Schwangerschaft nicht durchgeführt werden, allerdings ist ein Impfrisiko eher theoretisch.

Dezidiert empfohlen ist für Schwangere die Impfung gegen die saisonale Influenza, da die Influenza während der Schwangerschaft oft schwere Verläufe zeigt.

„Es gibt keine Hinweise darauf und auch keinen rationalen Grund zu glauben, die verfügbaren Covid-19-Impfstoffe hätten einen Einfluss auf die Fruchtbarkeit“, sagt Tamussino. Die Sorge, dass die Messenger-RNA-Impfstoffe (von Biontech/Pfizer und Moderna) in die DNA oder in die Keimbahn des Menschen eingreifen könnten, halten sich hartnäckig – wurde von Wissenschaftlern und Medizinerin aber klar widerlegt. „Dass die geimpfte RNA im Körper verbleibt, ist völlig unmöglich“, sagte Arzt und Impfexperte Herwig Kollaritsch erst kürzlich bei einer Informationsveranstaltung. „Es ist unmöglich, dass RNA in unseren Zellkern gelangt – die Proteine werden vom Körper sehr schnell wieder abgebaut.“

Pharmakologe Markus Zeitlinger (Med Uni Wien) erklärt das mit einem Vergleich: Die DNA ist wie ein Kochbuch voll mit Rezepten, um bestimmte Eiweißstoffe herzustellen. Das Rezept wird mittels der Messenger-RNA zu den Zellfabriken transportiert und dort hergestellt. Über den Impfstoff wird ein solches Rezept in den Körper gebracht und in den Zellfabriken produziert. „Das Rezept wird danach einfach verworfen, vom Körper abgebaut. Das Rezept kann sich nicht in das gebundene Buch unserer DNA eingliedern, das ist molekularbiologisch unmöglich“, sagt Zeitlinger.

Keine Zulassung für Schwangere

Auch die Stellungnahme der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie (ÖGGG) empfiehlt Frauen mit Kinderwunsch die Impfung, rät sicherheitshalber dazu, die Impfung einen Monat vor einer geplanten Schwangerschaft durchführen zu lassen. Dort heißt es auch: „In den Studien zur Impfstoffzulassung waren auch Frauen, die schwanger wurden – bis dato sind keine negativen Auswirkungen bekannt.“ Auch wird in der Stellungnahme festgehalten: „Eine Impfung, welche versehentlich (d.h. bei nicht bekannter) Frühschwangerschaft durchgeführt wurde, stellt keinen Grund für einen Schwangerschaftsabbruch dar.“

Für Frauen aber, die bereits schwanger sind, wird die Impfung nicht empfohlen – das liegt daran, dass keine Schwangeren in den Zulassungsstudien eingeschlossen waren. „Da wir keine Daten haben, können wir auch keine Empfehlung geben“, sagt Tamussino – die Impfstoffe wurden von den Zulassungsbehörden auch nicht für Schwangere zugelassen. Nun gebe es aber Fälle, wo man individuell entscheiden müsste – zum Beispiel, wenn schwangere Frauen durch eine Vorerkrankung (z.B. Diabetes, schwere Herzkreislauf-Erkrankungen) ein besonders hohes Risiko für einen schweren Covid-Verlauf haben. Hier müsste mit dem behandelnden Arzt eine Nutzen-Risiko-Abwägung getroffen werden.

In der Stellungnahme der ÖGGG wird auch darauf hingewiesen, dass Schwangere zwar nicht in die Studien eingeschlossen waren, aber es gab vereinzelt Frauen, die zum Zeitpunkt der Impfung unwissentlich schwanger waren – auch bei ihnen habe sich keine negativen Auswirkungen gezeigt.

Fazit: Vor der Schwangerschaft impfen

Zusammenfassend kann also gesagt werden: Gynäkologen empfehlen Frauen mit Kinderwunsch sich gegen Covid-19 impfen zu lassen, da das Risiko für einen schweren Verlauf der Erkrankung in der Schwangerschaft steigt. Für Schwangere hingegen sind die Impfstoffe nicht zugelassen, da es keine Studiendaten dazu gibt – in Einzelfällen muss individuell entschieden werden.