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„Könnten alle in einer Woche durchimpfen“

24.01.2021 • 18:00 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Impfeinsatz im Pflegeheim. <span class="copyright">Hartinger</span>
Impfeinsatz im Pflegeheim. Hartinger

Die Ärzte Daniela Jonas und Markus Baldessari im Interview.

Für eine Ärztin oder einen Arzt ist eine Impfung nichts Besonderes. Aber ich gehe davon aus, dass das in diesem Fall nicht so war. Was ging Ihnen beiden durch den Kopf im Moment, als Sie geimpft wurden?
Daniela Jonas:
Ich habe mich ungemein gefreut und auch privilegiert gefühlt, dass ich die Impfung bekomme. Wir haben schon Monate vorher darüber gesprochen und darauf gewar­tet.
Markus Baldessari: Das war mehr als besonders. Die Corona-Pandemie ist eine Geißel für uns alle. Ich hoffe, dass das die Wende ist. Die Infrastruktur in Vorarlberg steht. Wir könnten alle in einer Woche durchimpfen, wenn genug Impfstoff da wäre.

Haben Sie danach irgendwelche Reaktionen gespürt? Wenn Ja, welche?
Jonas:
Ja, ich habe schon Reaktionen gespürt, ich habe zwei Tage lang Schmerzen im Schultergürtel gehabt. Aber mit einem Schmerzmittel war das kein Problem. Aber diese Reaktionen sind ja erwünscht und zeigen mir, dass mein Immunsystem darauf angesprochen hat.
Baldessari: Ich hatte ganz leichte Schmerzen bei der Einstichstelle. Auf einer Skala von 1 bis 10 etwa 0,5. (lacht). Nach einem Tag war es dann auch schon vorbei. Mehr war da nicht.

„Ich freue mich darauf, wenn ich meinen Patienten wieder die Hand geben darf und keine Maske mehr tragen muss“, so Markus Baldessari, Praktischer Arzt in Bregenz. <span class="copyright">Hartinger</span>
„Ich freue mich darauf, wenn ich meinen Patienten wieder die Hand geben darf und keine Maske mehr tragen muss“, so Markus Baldessari, Praktischer Arzt in Bregenz. Hartinger

Wann und wo genau wurden Sie beide geimpft?
Jonas:
Ich hatte das große Glück, bereits am 27. Dezember geimpft zu werden. Im Bregenzer Seniorenheim Tschermakgarten, da wir da selbst geimpft haben.
Baldessari: Ich war auch dort an diesem besonderen Tag. Und habe mit der Kollegin Jonas geimpft. Wir waren überrascht, dass mehr herausgeht. Und dann war klar, dass das Impfteam auch geimpft werden kann.

Fallen Ihnen sonst noch spezielle Details zu diesem Moment der Impfung ein?
Jonas:
Für uns als Impfteam war das alles sehr aufregend. Wir haben dort zum ersten Mal den Impfstoff real gesehen. Wir hatten davor nur Online-Schulungen. Und dann das Serum aus der Verpackung zu nehmen, war schon erhebend.
Baldessari: Das war ein Moment der Euphorie. Wir vom Ärzte-Team waren begeistert, dass es jetzt endlich losgeht. Inzwischen ist wieder etwas Ernüchterung eingekehrt, weil wir Pause machen müssen und auf neue Impfstoffe warten.
Wie stehen Sie generell zu Impfungen? Und gegen was sind Sie denn alles geimpft?
Jonas: Gegen die üblichen Kinderkrankheiten. Auch gegen Zecken. Zudem mache ich auch jährlich meine Grippeimpfung. Und alle zehn Jahre frische ich meine Tetanusimpfung auf. Impfungen, Hygiene und Antibiotika waren meiner Meinung nach die besten drei Erfindungen in der Medizin.
Baldessari: Gegen Tetanus. Da sterben immer noch jedes Jahr Menschen in Mitteleuropa. Dann Diphtherie, Keuchhusten, Polio und Pocken. Masern ist ganz wichtig. Da sind vor der Impfung jährlich sechs Millionen Menschen gestorben. Das muss man sich einmal vorstellen. Bei der Corona-Pandemie stehen wir derzeit bei zwei Millionen.

„Impfungen, Hygiene und Antibiotika waren meiner Meinung nach die besten drei Erfindungen in der Medizin“, so die Kinderärztin Daniela Jonas.
„Impfungen, Hygiene und Antibiotika waren meiner Meinung nach die besten drei Erfindungen in der Medizin“, so die Kinderärztin Daniela Jonas.

Experten sagen, dass es ein Wunder ist, dass wir so lange verschont geblieben sind. Die letzte große Pandemie war die Spanische Grippe. Glauben Sie, dass wir in Zukunft öfters mit Pandemien zu tun haben werden?
Baldessari:
Ich glaube schon, dass wir Glück hatten. Aber ich muss sagen, ich habe immer gesagt, dass ich das nicht mehr erleben werde, eine Pandemie. Aber da habe ich mich getäuscht. 2009 gab es die Schweinegrippe. Die wurde ja offiziell auch als Pandemie eingestuft. Aber die war harmlos. Was wir jetzt erleben, ist besorgniserregend. Da stellt es mir alle Haare auf.
Jonas: Zur Zeit der Spanischen Grippe war die globale ­Mobilität noch nicht so ­fortgeschritten. Heute kann man innerhalb von 24 Stunden einmal um die Welt reisen. Somit muss man jederzeit davon ausgehen, dass so etwas wieder passieren kann.

Kommen wir zurück zur Covid-19-Impfung. Wenn Sie die Wahlmöglichkeit gehabt hätten, für welchen der Impfstoffe hätten Sie sich entschieden?
Baldessari:
Ich hätte mich für den entschieden, den ich jetzt bekommen habe. Aber da bin ich kein Spezialist.
Jonas: Für mich ist jeder Impfstoff, der von der EMA (Europäische Arzneimittel-Agentur; Anmerkung der Redaktion) zugelassen worden ist, der richtige Impfstoff. Da bin ich nicht wählerisch.

Das Aufziehen des Imfstoffs erfordert Geduld und Geschick. <span class="copyright">Hartinger</span>
Das Aufziehen des Imfstoffs erfordert Geduld und Geschick. Hartinger

Russland hat nun eine Zulassung für Sputnik V für Europa beantragt. China hat auch einen eigenen Impfstoff entwickelt, und Indien liefert Impfstoffe an Nachbarländer. Hätten Sie bei einem dieser Impfstoffe bedenken?
Baldessari:
Ich habe große Bedenken beim russischen Impfstoff. Da hat man nicht einmal die dritte Phase des Zulassungsprozesses abgewartet. Das war in meinen Augen reine Propaganda. Der chinesische Impfstoff hingegen ist, glaube ich, recht gut.
Jonas: Da diese Impfstoffe bei uns nicht zugelassen sind, kommen sie auch nicht zum Einsatz.Denn alles, was bei uns geimpft wird, muss von der EMA zuerst geprüft werden. Und ich vertraue dieser Behörde zu 100 Prozent.

Wie würden Sie versuchen, einen Impfgegner von der Sinnhaftigkeit dieser Impfung zu überzeugen?
Baldessari:
Wir sind mitten in der Pandemie. Ehrlich gesagt, ich habe gar keine Zeit, mich mit Impfgegnern auseinanderzusetzen. Zum Glück ist da die Stimmung gekippt, und die Nachfrage steigt täglich. Auch im medizinischen Bereich ist Euphorie spürbar. Aber es gibt einen harten Kern, die lassen sich nicht überzeugen.

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Hartinger

Wir haben im letzten Jahr das Gefühl für Nähe verloren. Wie sehr geht Ihnen das ab?
Jonas:
Mir persönlich geht das sehr ab. Ich bin eine passionierte Händeschüttlerin. Das war auch am Anfang eine schwierige Umstellung. Ich bin davon überzeugt, dass wir das bald wieder machen werden.

Auf was freuen Sie sich am meisten, wenn wir dann so etwas wie eine Herdenimmunität haben werden?
Baldessari:
Ich freue mich darauf, wenn ich meinen Patienten wieder die Hand geben darf und keine Maske mehr tragen muss.
Jonas: Ich freue mich auf jeden Fall, dass ich dann wieder ganz uneingeschränkt und ohne Bedenken mit den Kindern meine Mutter in Tirol besuchen kann. Auch auf das ­Kaffeetrinken-Gehen mit ­meinen Freundinnen freue ich mich schon irrsinnig. Und was ich mir ganz besonders wünsche, ist, dass meine kleine Tochter, die im Herbst eingeschult wird, ein normales Schuljahr erleben darf.

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