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Die Qualen des illegalen Tier-Handels

28.01.2021 • 08:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Die pelzigen Opfer des illegalen Welpen-Handels müssen sich zumeist großen Torturen aussetzen. <span class="copyright">Symbolbild/Tierschutzheim</span>
Die pelzigen Opfer des illegalen Welpen-Handels müssen sich zumeist großen Torturen aussetzen. Symbolbild/Tierschutzheim

Vorarlberger Tierschutzheim über illegale Geschäft mit Hundewelpen.

Der Hund ist der beste Freund des Menschen und der Welpenmarkt boomt. Bei der Anschaffung eines eigenen Vierbeiners ist jedoch Vorsicht geboten. Gerade wenn es sich um süße, pelzige „Sonderangebote“ in den Kleinanzeigen handelt, könnte dies mitunter ein Indiz für illegalen Welpenhandel darstellen.

Das Elend der “Geldbringer”-Welpen

Tiere aus dieser Geschäftmasche sind zumeist Produkte der osteuropäischen Massenvermehrung, wie es vonseiten des Vorarlberger Tierschutzheims heißt. In Hundefabriken vegetieren die süßen „Geldbringer“ in kleinen Käfigen und unter katastrophalen Hygiene-Verhältnissen vor sich hin.

„Die Zustände sind unvorstellbar, kein Sonnenlicht, kein Grün unter den Pfoten.“ Ihre einzige Aufgabe: sich zahlreich zu vermehren. Selbst wenn hierbei mit Hormonen und sogar Gewalt nachgeholfen werden muss. „Die Hunde werden am Fließband ‚produziert‘.“

„Die Gesundheit der Tiere spielt für die Händler keine Rolle. So kommt es häufig vor, dass die Muttertiere Krankheiten oder Gendefekte an ihre Welpen übertragen“, heißt es weiter aus dem Tierheim. Sollten diese die ersten Tage überhaupt überleben, werden sie anschließend viel zu früh von der Mutter getrennt. Schwerwiegende Verhaltensschäden aufgrund der Abnabelung sind oft die Folge.

Doch auch das spielt für die Welpenhändler keinerlei Rolle. Mit oftmals unzureichend ausgefüllten und gefälschten EU-Heimtierausweisen oder ausländischen Impfpässen werden die Tiere auf den Markt gebracht. Viele davon infiziert mit Krankheiten wie Parvovirose, Staupe oder gar der Tollwut. „Illegal eingeführte Welpen stellen eine tödliche Gefahr für alle mit ihnen in Kontakt tretenden Menschen dar!“

Viel zu früh werden die Welpen ihren Müttern weggenommen. <span class="copyright">Symbolbild/Tierschutzheim</span>
Viel zu früh werden die Welpen ihren Müttern weggenommen. Symbolbild/Tierschutzheim

Tödliche Folgen

Tödlich geht die Situation jedoch in den meisten Fällen für die Vierbeiner selbst aus. Nicht selten erliegen sie nur wenige Tage oder gar Stunden in ihrem neuen Zuhause den ungeheuren Strapazen und Erkrankungen, die sie durchmachen mussten.

„Die Welpen tragen bereits bei ihrer Ankunft noch symp­tomlose Krankheiten in sich, die durch den Trennungs- und Transportstress wenige Tage danach ausbrechen. Intensive tierärztliche Behandlungen sind die Folge. Oftmals können die Tiere jedoch nicht mehr gerettet werden.“

Wenn sie überhaupt am Ziel ankommen. Denn nicht wenige der Hunde bleiben bereits auf den langen Fahrten im Kofferraum ohne Versorgung mit Wasser oder Futter auf der Strecke.„Und trotz allem boomt der Welpenhandel auch weiterhin“, lautet die traurige Billanz des Vorarlberger Tierschutzheims. Gerade auch in Zeiten von Corona.

Schnell lassen sich mögliche neue Wegbegleiter im Internet oder in Kleinanzeigen finden – und das in allen Rassen und Farben. „Diese Auswahl – fast wie im Katalog. Und dann auch noch so günstig. Ein Millionengeschäft – auf Kosten der Tiere.“

Situation in Vorarlberg

Auch in Vorarlberg ist der illegale Vierbeiner-Handel längst angekommen. Alleine in den vergangenen zwei Jahren hätten sich derartige Fälle im Ländle deutlich summiert.

„Zunehmend bekommen wir Welpen aus solchen lebensverachtenden Umständen. Sei es durch die Beschlagnahmung von illegalen Vierbeinern auf öffentlichen Plätzen oder jenen, die im Internet angeboten werden.“

Und doch sei ein positiver Trend im Ländle zu erkennen. Nämlich was die Sensibiliserung der Vorarlberger bezüglich des Themas anginge. „Immer öfter wird durch Meldung auf gerade solche tierschutzwidrigen Zustände aufmerksam gemacht. Dadurch können diese armen Geschöpfe aus ihrer misslichen Lage befreit werden.“

Der klare Appell vonseiten der Verantwortlichen des Vorarlberger Tierschutzheims, um dem Elend ein Ende zu bereiten: „Der illegale Welpenhandel verdient mit unfassbarem Tierleid ein Vermögen. Unterstützen Sie auf keinen Fall mit dem Kauf eines Billigwelpen dieses todbringende System. Immerhin ist es die Nachfrage, die den Markt ankurbelt.“

Erst vergangene Woche wurde in Hörbranz erneut ein illegaler Welpen-Transport gestoppt.<span class="copyright"> LPD Vorarlberg</span>
Erst vergangene Woche wurde in Hörbranz erneut ein illegaler Welpen-Transport gestoppt. LPD Vorarlberg

Hintergrund: Welpen-Transport in Hörbranz gestoppt

Vergangene Woche konnte beim Autobahnzollamt Hörbranz ein illegaler Welpen-Transport aufgedeckt werden.

Gegen 9.30 Uhr stoppte die Autobahnpolizei vergangenen Donnerstag am Autobahnzollamt Hörbranz einen Pkw für eine Kontrolle. Am Steuer des Fahrzeugs saß ein 38-jähriger Rumäne. Dieser war bereits seit 15 Stunden unterwegs, mit dem Ort Lustenau als Ziel.

Bei der Durchsuchung des Pkws konnte im Kofferraum eine Hundebox mit einem Welpen darin sichergestellt werden. Der Hund, bei dem es sich wohl um einen Cockerspaniel handelte, schien nach der langen Fahrt sehr hungrig und durstig. Eine Kontrolle des Tieres durch zu Rate gezogene Amtstierärzte bestätigte, dass der Welpe weder gechipt war, noch eine gültige Tollwutimpfung erhalten hatte. Außerdem fehlten Transport- und Zulassungsdokumente sowie Fütterungs- und Tränkehinweise.

Der Welpe wurde in die Obhut des Vorarlberger Tierschutzheims gegeben. Der Fahrer wurde nach dem Tierschutz- und Kraftfahrgesetz am Landesgericht Feldkirch angezigt.

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