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Krankenhauskeime: Spital haftet nicht

30.01.2021 • 20:18 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Symbolbild/Hartinger</span>
Symbolbild/Hartinger

Patient steckte sich bei OP mit Keimen an. Klage wurde aber abgewiesen.

Der folgenschwere Eingriff fand am 31. Mai 2016 im Landeskrankenhaus Feldkirch statt. Der Patient ließ sich an der Wirbelsäule operieren. Dabei kam es zu einer Wundinfektion mit Krankenhauskeimen. Darunter hatte der Patient gesundheitlich massiv zu leiden. Zwei Folgeoperationen wurden wegen der Keiminfektion notwendig. Der Patient verklagte die Krankenhausbetriebsgesellschaft, die das Landeskrankenhaus betreibt.
Der Kläger fordert in seiner Klage 12.500 Euro Schadenersatz und zudem die gerichtliche Feststellung, dass das Krankenhaus auch für allfällige künftige Schäden zu haften hat. Seine Klage wurde nun in dem Zivilprozess am Landesgericht Feldkirch abgewiesen. Richterin Yvonne Summer verkündete das Urteil mündlich.

Hygienevorschriften

Dem Krankenhaus sei kein Fehlverhalten bei den vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen nachzuweisen, sagte die Zivilrichterin in ihrer Urteilsbegründung. Ihr erstinstanzliches Urteil ist nicht rechtskräftig. Der klagende Patient denkt noch darüber nach, ob er die Entscheidung akzeptiert oder mit einer Berufung am Oberlandesgericht Innsbruck bekämpft.
Die Richterin stützte sich bei ihrer Klagsabweisung auf das Gutachten eines Tiroler Hygienemediziners. Der Sachverständige kam zum Schluss, dass es im vorliegenden Fall keine Anzeichen für ein Fehlverhalten des Landeskrankenhauses Feldkirch gegeben habe. Die Hygienevorschriften seien eingehalten worden.

Unvermeidbar

Beklagtenvertreter Martin Mennel sagte, es sei ein Irrglaube, davon auszugehen, dass das Spital immer zu haften habe, wenn es zu Infektionen mit Krankenhauskeimen gekommen sei. Dem Krankenhaus müsse dafür mangelnde Hygiene nachgewiesen werden. Der Gutachter habe erklärt, dass mit hygienischen Maßnahmen die Keime nur verringert, aber nicht gänzlich entfernt werden könnten. Zudem trage jeder Patient Keime in sich. In zwei Prozent der Fälle komme es nach Ansicht des Sachverständigen in Krankenhäusern zu unvermeidbaren Keiminfektionen.

Keine Zahlungen

Der Anwalt der Krankenhausbetriebsgesellschaft merkte an, die Haftpflichtversicherung des Spitals werde angesichts des für sie günstigen Urteils zu keiner Kulanzzahlung bereit sein. Es sei tragisch, dass der Kläger wegen der Keiminfektion derart leiden müsse. Mennel empfahl dem Kläger, sich an den Patientenentschädigungsfonds zu wenden. Die Entschädigungszahlungen aus dem Fonds seien aber gering, meinte Klagsvertreter Patrick Beichl.

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