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Sieben Jahre Haft für gewalttätige Mutter

01.02.2021 • 21:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die angeklagte 45-Jährige hat nach Ansicht der Richter ihre unmündige Tochter viereinhalb Jahre lang des Öfteren misshandelt. <span class="copyright">Symbolbild/Klaus Hartinger</span>
Die angeklagte 45-Jährige hat nach Ansicht der Richter ihre unmündige Tochter viereinhalb Jahre lang des Öfteren misshandelt. Symbolbild/Klaus Hartinger

Unbescholtene 45-Jährige misshandelte ihre unmündige Tochter.

“Der Gesetzgeber will verhindern, dass Kinder in einer gewalttätigen Umgebung aufwachsen“, sagte Richter Christoph Stadler. Deshalb beträgt der Strafrahmen für das Verbrechen der fortgesetzten Gewaltausübung 5 bis 15 Jahre Gefängnis, wenn ein unmündiges Kind länger als ein Jahr immer wieder misshandelt wird.
Die angeklagte 45-Jährige hat nach Ansicht der Richter ihre unmündige Tochter viereinhalb Jahre lang des Öfteren misshandelt.

Dafür wurde die unbescholtene Angeklagte gestern am Landesgericht Feldkirch zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Zudem wurde die geschiedene Arbeiterin dazu verpflichtet, ihrer Tochter als Teilschmerzengeld 1000 Euro zu bezahlen.
Das Urteil des Schöffensenats ist nicht rechtskräftig. Denn die von Clemens Ender verteidigte Angeklagte und Staatsanwältin Julia Berchtold nahmen drei Tage Bedenkzeit in Anspruch.

Belastende Angaben

Die Richter hielten die belastenden Angaben der 2009 geborenen Tochter der Angeklagten für glaubwürdig. Demnach wurde das Mädchen von ihrer Mutter zwischen Juni 2015 und Februar 2020 immer wieder geschlagen – mit der flachen Hand, mit einem Gürtel, mit einem Kamm, mit der Fernbedienung.
Zudem hat die in Vorarlberg lebende Südamerikanerin nach den gerichtlichen Feststellungen ihre Tochter mehrfach an den Haaren gezogen, sie gezwickt, gestoßen und geschüttelt. Dadurch wurde das Kind mehrmals mit blauen Flecken und Rötungen leicht verletzt.

Des Weiteren soll die Mutter von drei Kindern ihrer Jüngsten mit weiteren Schlägen gedroht haben, sollte sie ihrem Vater von den Misshandlungen berichten. Der 47-jährige Vater des inzwischen elfjährigen Mädchens sagte als Zeuge vor Gericht aus, seine nunmehr von ihm geschiedene Frau habe die gemeinsame Tochter während der Ehe über Jahre hinweg geschlagen.
Die Angeklagte bestritt diese Tatvorwürfe jedoch: Sie habe ihre Tochter niemals misshandelt. Sie sei lediglich laut geworden, wenn das Mädchen nicht folgsam gewesen wäre. Die elfjährige Tochter lebt mittlerweile bei ihrem Vater.

Kritik an Urteil

Juristen kritisieren jedoch, die Mindeststrafe für über ein Jahr andauernde fortgesetzte Gewaltausübung an einem unmündigen Kind sei mit fünf Jahren Gefängnis zu hoch – auch im Verhältnis zu anderen Straftaten. Eine Strafdrohung von 1 bis 15 Jahren Haft würde angemessenere Sanktionen erlauben. Politisch sei eine gesetzliche Änderung aber nicht durchzubringen, meint etwa ein Oberländer Rechtsanwalt.

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