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Trotz Krise keine Katerstimmung

03.02.2021 • 11:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Pressekonferenz zur Konjunkturumfrage.<span class="copyright"> Mayer</span>
Pressekonferenz zur Konjunkturumfrage. Mayer

Vierte Quartal fällt laut Umfrage der Vorarlberger Industrie positiv aus.

Bei der Konjunkturumfrage für das vierte Quartal 2021 haben 44 Unternehmen mit knapp 26.000 Beschäftigten teilgenommen. „Der Geschäftsklima-Index hat sich vom dritten auf das vierte Quartal noch einmal deutlich verbessert“, freut sich Markus Comploj, Obmann der Sparte Industrie der WKV. Die Stimmung in der Vorarl­berger Industrie ist nach den schwächelnden ersten beiden Quartalen im Jahr 2020 schnell wieder in die Gänge gekommen.
„Insgesamt 51 Prozent der befragten Unternehmen bezeichnen ihre derzeitige Geschäftslage als gut“, so Comploj. Ähnliches gelte für die derzeitige Auftragslage. Diese bewerten 59 Prozent als gut, 21 Prozent sprechen von einer schlechten Situation.

Erfreuliche Überraschung

Durchaus überraschend, aber umso erfreulicher sind die Aussichten auf den Mitarbeiterstand. „Gerade in Zeiten der hohen Arbeitslosenquote, knapp 50 Prozent höher als vor einem Jahr, sind Ansagen der Industrie als besonders zu werten. 42 Prozent der Befragten wollen ihren Mitarbeiterstand in den kommenden drei Monaten erhöhen.“ Bezug nehmend auf die hohen Arbeitslosenzahlen, meint Comploj, dass diese vor allem aus dem Handel und Tourismus stammen.
Die metalltechnische Industrie ist, wie schon vor der Krise, der Konjunkturmotor in Vorarlberg.Für 61 Prozent der Befragten ist die Geschäftslage aktuell gut. „Die metalltechnische Industrie ist und bleibt ein Jobgarant“, betont Michael Amann, WKV-Geschäftsführer der Sparte Industrie, und ergänzt, „besonders wichtig zu erwähnen ist, dass das Schnuppern für den Einstieg in einen Lehrberuf auch aktuell möglich und sehr erwünscht ist.“

Bei Getzner Werkstoffe ist die Stimmung gut. <span class="copyright">Archiv/Hartinger</span>
Bei Getzner Werkstoffe ist die Stimmung gut. Archiv/Hartinger

Auch in der Lebensmittelindustrie ist die Lage gut. 57 Prozent planen eine Erhöhung des Mitarbeiterstandes. Aber man müsse diese Branche differenzierter sehen. Denn: „Teile der Branche sind als Zulieferer von der derzeitigen Schließung des Tourismus stark betroffen“, ergänzt Amann. Die Lage der Textilindustrie ist unter dem Durchschnitt. Das sagen auch die Zahlen der Umfrage. „Bedauerlicherweise ist der Ausblick auf den Beschäftigtenstand in drei Monaten bei den Textilern ebenfalls nicht erfreulich. 23 Prozent gehen von einem abnehmenden Mitarbeiterstand aus“, stellt Mathias Burtscher, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Vorarlberg, fest. Auch das derzeitige Stimmungsbild in der Elektronikindustrie ist durchwachsen. Während 45 Prozent die aktuelle Geschäftslage als gut bezeichnen, beurteilen sie 52 Prozent als schlecht.

„Insgesamt 51 Prozent der befragten Unternehmen bezeichnen ihre derzeitige Geschäftslage als gut.“

Markus Comploj, Obmann Sparte Industrie, WKV

Im Rahmen dieser Umfrage wurden noch zwei Zusatzfragen gestellt. Die erste Frage beschäftigte sich mit den dringlichsten Themen des Re-Starts nach der Krise. „Hier gingen die meisten Antworten in Richtung verstärkt Innovationen zu fördern und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln“, wie Markus Comploj betont. An zweiter Stelle liege das große Thema Homeoffice. Die Digitalisierung sei dabei ein überspannendes Generalthema. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt. Die zweite Frage zielte darauf ab, was sich die Industrie von der Politik für die Post-Corona-Zeit wünscht. Auf Platz eins der Forderungen lagen die Investitionsförderungen (57 Prozent), gefolgt von den Verbesserungen beim quantitativen wie qualitativen Ausbau der öffentlichen Kinderbetreuung (52 Prozent).

In der Lebensmittelindustrie sieht man die Lage differenziert. <span class="copyright">Paulitsch</span>
In der Lebensmittelindustrie sieht man die Lage differenziert. Paulitsch

„Wir brauchen Impfanreize und eine konsequente Umsetzung der Impfstrategie des Landes. Bis dahin sind breitflächige Tests die richtige Strategie. Schnellere Selbsttests für Mitarbeiter können ebenso eine Lösung darstellen“, betont Comploj. Sollten sich die derzeitigen Engpässe bei der Lieferung von Impfdosen als längerfristig herausstellen, müsse man auch andere Impfstoffe prüfen und genehmigen. Denn das Durchimpfen und Immunisieren ist der Game-Changer. „Hier ist die Politik massiv gefordert, damit wieder so etwas wie Planbarkeit entstehen kann.“