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Narretei in gedruckter Form gefragt

05.02.2021 • 11:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Faschingsumzüge wird es heuer keine geben. Faschingszeitungen sorgen zumindest für ein bisschen Narretei. <span class="copyright">Archiv/Steurer</span>
Faschingsumzüge wird es heuer keine geben. Faschingszeitungen sorgen zumindest für ein bisschen Narretei. Archiv/Steurer

Faschingszeitungen gibt es in vielen Gemeinden im Land.

Fast schon „ein Brauchtum im Brauchtum“ sind nach Ansicht von Michèl Stocklasa, Präsident des Verbands der Vorarlberger Fasnatzünfte und -Gilden (VVF), die zahlreichen Faschingszeitungen, die zur närrischen Zeit im ganzen Land von Zünften, Vereinen oder auch Privatpersonen herausgegeben werden.
Wie viele dieser Publikationen es in Vorarlberg insgesamt gibt, lässt sich aus seiner Sicht nur schwer sagen. Er schätzt allerdings, dass es annähernd in jeder Gemeinde ein Fasnatblättle gibt, in dem die unterschiedlichsten Ereignisse aus dem Dorfleben mit spitzer Zunge erzählt und kommentiert werden.

Schon seit über 100 Jahren

Die Zeitungen sind kein Phänomen aus jüngster Zeit, weiß der VVF-Präsident. Vielmehr gab es diese Publikationen schon vor deutlich mehr als 100 Jahren. Daher seien diese auch schon fast als Brauchtum für sich anzusehen, meint der Experte. Wann genau die Tradition in Vorarlberg entstanden ist, lässt sich aus heutiger Sicht jedoch nicht mehr sagen. Allerdings dürfte diese Ende des 19. Jahrhunderts Fahrt aufgenommen haben. So gibt es im Dornbirner Stadtarchiv Belege aus dem Jahr 1902 über die damalige Faschingszeitung „Saegerrätscho“, die zwischenzeitlich als „d’Rätscho“ bekannt ist und jährlich erscheint. In der Marktgemeinde Rankweil gibt es sogar das Exemplar einer Fasnatzeitung aus dem Jahr 1892.

Wie in der närrischen Zeit üblich, geht es in den Druckwerken vor allem darum, der Gesellschaft und der „Obrigkeit“ den Spiegel vorzuhalten. „Fasnatzeitungen sind Ausdruck und ein Teil der gesellschaftlichen Kultur“, sagt Stocklasa. So würden die Beiträge in den Zeitungen Einblick in die aktuellen Geschehnisse der jeweiligen Zeit geben und seien daher durchaus auch für Historiker und Volkskundler interessant.

Michèl Stocklasa ist derzeit noch Präsident des Verbands Vorarlberger Fasnatzünfte und -Gilden. <span class="copyright">VVF</span>
Michèl Stocklasa ist derzeit noch Präsident des Verbands Vorarlberger Fasnatzünfte und -Gilden. VVF

Aufgrund der Corona-Pandemie steht der Fasching in Vorarl­berg heuer unter besonderen Vorzeichen. Veranstaltungen sind aufgrund der Beschränkungen nicht möglich. Umso erfreulicher ist es für den VVF-Präsidenten, dass viele Narren es sich nicht nehmen lassen haben, dennoch eine Faschingszeitung herauszugeben. „Diese sind ein gutes Mittel, um die Narretei trotz Corona unters Volks zu bringen“, ist Stocklasa überzeugt.

Redaktionssitzung per Video

Redaktionssitzung per Video. Seit dieser Woche ist in Dornbirn die neueste Ausgabe von „d’Rätscho“ ausgeliefert worden. Zudem kann das Traditionsblatt im Dornbirner Handel erworben werden. Erstmals in der mehr als 100-jährigen Geschichte hätten die Redakteure sich nicht physisch zu ihren Sitzungen getroffen, heißt es in einer Aussendung. Vielmehr habe man sich im Homeoffice und per Video-Calls ausgetauscht. Dennoch ist es den acht ehrenamtlichen Redakteuren gelungen, eine 32-seitige Ausgabe mit allerlei humorigen, peinlichen oder auch wissenswerten Geschichten aus der Messestadt zu produzieren.

“Schnorrapfohl” digital erhältlich

In Bregenz gehen die Herausgeber des „Schnorrapfohl“ heuer neue Wege. Normalerweise wird die Faschingszeitung auf dem Umzug verkauft und danach per Post oder mit Vereinsunterstützung verteilt. Ab Montag gibt es die 71. Ausgabe jedoch auf www.oreore.at zum Download. Ein Druck in Großauflage sei aufgrund fehlender Einnahmen aus Inseraten, durch die Bälle oder durch den Umzug nicht möglich, berichten die Verantwortlichen des „Ore Ore Kinderfaschings“. Einige wenige gedruckte Ausgaben können gegen eine Spende von acht Euro aufwärts per E-Mail an schnorrapfohl@oreore.at oder mandy.strasser@aon.at bestellt werden.

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