Allgemein

Schul-Explosion: Staatsanwalt am Zug

05.02.2021 • 20:24 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Ausweichschule Fischbachgasse wurde bei der Explosion komplett zerstört. <span class="copyright">Archiv/Hartinger</span>
Die Ausweichschule Fischbachgasse wurde bei der Explosion komplett zerstört. Archiv/Hartinger

Ermittlungen nach Gasexplosion an Schule abgeschlossen.

Dreieinhalb Monate nach der verheerenden Gasexplosion an der Ausweichschule Fischbachgasse in Dornbirn liegt der Fall nun auf dem Tisch der Staatsanwaltschaft. Wie Behördensprecher Heinz Rusch auf NEUE-Anfrage mitteilte, hat das Landeskriminalamt vor Kurzem den Abschlussbericht fertiggestellt. Ermittelt wurde wegen fahrlässiger Herbeiführung einer Feuersbrunst. Der Bericht werde nun geprüft, sagt Rusch. Ob und gegen wen allenfalls Anklage erhoben wird, darf der Sprecher nicht sagen. Auch die Frage, bis wann eine Entscheidung fallen könnte, ließ Rusch unbeantwortet.

Die Rauchsäule der Explosion war weitum sichtbar. <span class="copyright">Archiv/Webcam Karren</span>
Die Rauchsäule der Explosion war weitum sichtbar. Archiv/Webcam Karren

Im Fokus der Ermittlungen stand dem Vernehmen nach jener Handwerksbetrieb, der in den Stunden vor der Explosion Kernbohrungen im Gebäude durchgeführt hatte. Diese wurden zu Beginn als mögliche Ursache für die Detonation in Betracht gezogen. Diese Annahme erwies sich jedoch als falsch, da alle Gasleitungen intakt waren. Schon bald stellte sich heraus, dass sich der Explosionsherd bei der Gasversorgungsanlage im Technikraum der Schule befand.

„Der Abschlussbericht des Landeskriminalamts liegt uns vor und wird nun geprüft.“

Heinz Rusch, Staatsanwalt

Strafrechtliche Konsequenzen?

Die Vorarlberger Brandermittler mussten die Fragen klären, ob der Handwerker etwas beschädigt haben könnte oder die Gastherme bereits zuvor defekt war. Um das herauszufinden, wurden Gaszähler, Gasventile und weitere Bestandteile der Anlage von Spezialisten in Wien unter Laborbedingungen untersucht. Das Ergebnis dieser Untersuchungen haben die Ermittler in jenem Bericht zusammengefasst, der nun von der Staatsanwaltschaft geprüft wird. Wie aus informierten Kreisen zu erfahren war, wird der betreffende Handwerker höchstwahrscheinlich nicht mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen müssen. Die Schadenssumme ist noch unbekannt, zumindest wollte Ralf Hämmerle, Pressesprecher der Stadt Dornbirn, auf Anfrage keine Angaben dazu machen. Er bestätigte lediglich, dass die Polizei ihre Ermittlungen abgeschlossen hat. Wie berichtet, möchte die Stadt Dornbirn die Schule nun so schnell wie möglich wieder aufbauen. 4,5 Millionen sind dafür budgetiert.

schul-neubau in dornbirn

Im Dornbirner Stadtteil Forach wird eine neue Volksschule gebaut. Der Architekturwettbewerb wurde im Dezember ausgeschrieben und das Bewerbungsverfahren ist bereits beendet. Die 20 qualifizierten Architekturbüros müssen nun bis Ende Mai ihre Entwürfe einreichen. Mitte Juli soll dann feststehen, welches Büro die Schule planen wird. Die Preisgeldsumme beträgt 90.000 Euro.

Im Neubau mit einer Nutzfläche von 3800 Quadratmetern sollen laut Wettbewerbsunterlagen insgesamt zwölf Klassen Platz finden. Für das Projekt sind Errichtungskosten in Höhe von 18 Millionen Euro netto veranschlagt. Damit ergeben sich Baukosten in Höhe von rund 14 Millionen Euro. Die Umsetzung des Projektes erfolge „nach Maßgabe der finanziellen Mittel“, heißt es in der Auslobung. Verläuft alles nach Plan, soll im Herbst 2022 mit den Bauarbeiten begonnen werden. Die Fertigstellung ist für Sommer 2024 anvisiert. Im Wintersemester 2024/25 soll die Schule dann in Betrieb gehen.

Der neue Schulstandort wurde im Rahmen des 2010 grundlegend überarbeiteten und 2019 aktualisierten Schulraumkonzeptes festgelegt. Wie die aktuelle Entwicklung der Schülerzahlen zeigt, übersteigen die Schülerzahlen bereits die Kapazitäten der bestehenden Schulen. So werden im Gebiet Dornbirn-Nord kurzfristig acht und mittel- bis langfristig zwölf bis 13 zusätzliche Regelklassen benötigt. Zur Bedarfsdeckung müsse deshalb die Volksschule Forach kurzfristig realisiert werden, heißt es in den Wettbewerbsunterlagen. Die Schule wird dreizügig, sprich, es werden drei mal vier Regelklassen errichtet, welche theoretisch bis zu 300 Schüler aufnehmen können. Die durchschnittliche Gesamtschülerzahl schätzt die Stadt Dornbirn auf etwa 250. Der neue Schulsprengel umfasst die Stadtteile Forach, Wieden, Kastenlangen und Fischbach.

Die Beinahe-Katastrophe ereignete sich in der Nacht zum 18. Oktober. Die Detonation war weithin hör- und spürbar. Glasscherben und Metallstücke flogen über 100 Meter weit durch die Luft. Zwei Passanten wurden bei der Explosion verletzt. Der Zugverkehr auf der unmittelbar neben der Ausweichschule liegenden Bahntrasse musste vorübergehend unterbrochen werden. Sicherheitshalber wurde aufgrund der eventuellen Explosionsgefahr eine großräumige Evakuierung der umliegenden Gebäude veranlasst.
In Folge der Explosion war auch ein Brand ausgebrochen, der das gesamte Schulgebäude umfasste. Sowohl an den umliegenden Häusern als auch an den dort abgestellten Fahrzeugen entstand teils erheblicher Schaden. Auch hier wird die Versicherungsfrage noch zu klären sein.