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Für den dritten Neustart gut gerüstet

06.02.2021 • 19:36 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Innungsmeister Günther Plaickner und seine Branchenkollegen sind bereit für den Neustart. <span class="copyright">Hartinger</span>
Innungsmeister Günther Plaickner und seine Branchenkollegen sind bereit für den Neustart. Hartinger

Vorarlbergs Friseurbetriebe sind für die Wiedereröffnung bereit.

Die Ruhe vor dem Sturm herrscht am Freitagnachmittag bei Intercoiffeur Plaickner in Götzis. Am Tag zuvor wurde der Salon für den dritten Neustart nach einem Lockdown gründlich gereinigt und auf Hochglanz gebracht. Kurz vor dem Wochenende sind die Räumlichkeiten leer, und nur der Chef und Innungsmeister Günther Plaickner ist vor Ort. Er trägt noch schnell einen großen Karton mit Schutzmasken in den Salon und widmet sich dann der Post, die auf seinem Schreibtisch liegt. Der Wiedereröffnung am Montag blickt er freudig, aber entspannt entgegen.
Schließlich hätten die Friseure bereits zwei Mal einen derartigen Neustart erlebt. Einmal nach dem ersten Lockdown im Frühjahr des vergangenen Jahres und dann noch einmal im vergangenen Dezember. Zudem habe man seit Beginn der Pandemie stetig an Hygiene- und Schutzmaßnahmen gearbeitet. In vielen Salons sei bereits vor dem zweiten Lockdown mit FFP2-Masken gearbeitet worden, obwohl dies nicht vorgeschrieben gewesen sei. Von daher ändere sich bei diesem Neustart nicht viel für die Verantwortlichen in der Branche.

Der Friseursalon von Günther Plaickner befindet sich in Götzis. <span class="copyright">Hartinger(2)</span>
Der Friseursalon von Günther Plaickner befindet sich in Götzis. Hartinger(2)

Bisher habe es beide Male nach der Wiedereröffnung einen Ansturm auf die Friseursalons gegeben, erzählt Plaickner. Dies dürfte auch in der kommenden Woche der Fall sein, wobei die neu eingeführten Eintrittstests eine gewisse Unsicherheit zur Folge haben. Einerseits seien da die bisher zu geringen Testkapazitäten. Plaickner hofft hier, dass die vom Land angekündigte Aufstockung des Angebots Abhilfe schafft.
Andererseits gebe es wohl auch so manchen Kunden oder so manche Kundin, die sich vor einem Friseurbesuch nicht testen lassen wollen. „So wie es in der Gesellschaft Masken-, Test- und später wohl auch Impfverweigerer gibt, gibt es diese auch unter den Kunden der Friseure“, erläutert der Innungsmeister. Diese würden sich dann ­Alternativen zum professionellen Haarschnitt suchen, wodurch Einnahmen verloren gingen.

hintergrund

FFP2-Masken- und Eintrittstestpflicht

Am Freitagvormittag hat Innungsmeister Günther Plaickner genau erfahren, welche neuen Bestimmungen für die Öffnung der körpernahen Dienstleister gelten. So müssen Kunden eine FFP2-Maske ohne Ausatemventil tragen. Ebenso müssen sie beim Eintritt in das Geschäft einen Sars-CoV-2-Test mit negativem Ergebnis vorzeigen, der von einer befugten Stelle wie etwa einer offiziellen Teststation, einem Arzt oder einer Apotheke, und nicht älter als 48 Stunden ist. Zudem müssen die Kunden sich ausweisen können. Kinder bis zum vollendeten zehnten Lebensjahr brauchen keinen Test. Kinder unter sechs Jahren sind im Friseursalon zudem von der Maskenpflicht ausgenommen. Bei Heranwachsenden zwischen sechs und 14 Jahren genügt ein herkömmlicher Mund-Nasen-Schutz statt der FFP2-Maske.

Innungsmeister Plaickner kann mit den Vorgaben durchaus leben, zumal viele davon schon vor dem Lockdown gültig waren. Er würde sich jedoch wünschen, dass der Zeitraum von maximal 48 Stunden zwischen negativem Test und Friseurbesuch verlängert wird. Das würde es aus seiner Sicht den Kunden erleichtern, nach einem negativen Test gleich mehrere Termine mit verschiedenen körpernahen Dienstleistern zu vereinbaren.

Aus kaufmännischer Sicht sei das für viele in der Branche eine Herausforderung. Schließlich seien die Preise ohnehin knapp kalkuliert, und die Stundensätze lägen unter jenen anderer Dienstleister. Bundesweit hätten daher schon einige Unternehmer das Handtuch geworfen. Mit der Unterstützung durch die öffentliche Hand ist der Innungsmeister aber durchaus zufrieden. „Man lässt uns nicht im Stich“, betont er. Dennoch gebe es natürlich durch die Krise Umsatzeinbußen, die sich nicht vollständig mit Unterstützungszahlungen ausgleichen ließen. Am Wichtigsten sei jedoch, dass es mit der Kurzarbeit ein gutes Modell gebe, um die Mitarbeiter halten zu können.
Die kommenden Wochen sind aus Sicht von Plaickner jedoch weiterhin von Unsicherheit geprägt. Man werde wohl die Infektionszahlen und die Sieben-Tage-Inzidenz fest im Auge behalten müssen. Wenn diese wieder ansteigen würden, könne es durchaus zu einem erneuten Lockdown kommen, obwohl die Ansteckungen nachweislich nicht bei den Friseuren stattfinden würden.

Haare schneiden ohne Maske wird wohl erst nach Ende der Pandemie wieder möglich sein. <span class="copyright">Hartinger</span>
Haare schneiden ohne Maske wird wohl erst nach Ende der Pandemie wieder möglich sein. Hartinger

Wellness kommt zu kurz

Vorerst ist der Innungsmeister jedoch froh, dass die Betriebe wieder öffnen dürfen. Auch wenn die Arbeit sich mit den Schutzmaßnahmen deutlich von der normalen Tätigkeit eines Friseurs unterscheide. Schließlich gehe es nicht nur darum, die Haare zu schneiden, sondern die Kunden sollen auch ein gewisses Erholungs- und Wellnesserlebnis haben. Mit Maskenpflicht und Co. lässt sich diese jedoch nicht vereinbaren. Umso mehr hofft Plaickner darauf, dass die Pandemie bald eingedämmt werden kann.

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