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Historische Gemeinde Schruns

06.02.2021 • 14:07 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Schruns liegt inmitten einer fantastischen Bergwelt. <span class="copyright">Glück</span>
Schruns liegt inmitten einer fantastischen Bergwelt. Glück

Hertha Glück spaziert durch historische Altstadt und zur Litzpromenade.

Die äußerst gemütliche Spazierrunde durch die Marktgemeinde beginnt beim Bahnhof. Rechts ab der Bahnhofstraße bis zur Straßenkreuzung und dann links hinauf blickt man nicht nur auf einladende Geschäfte, sondern auch auf den Hochjoch (2520 m). Bevor man den Kirchplatz (links ab) überschreitet, lohnt sich ein rechtes Abschweifen zum Haus des Gastes mit dem Ernest-Hemingway-Denkmal. Ernest Hemingway verbrachte die Winter 1925/1926 im Montafon, wohnte in Schruns und arbeitete an seinem Roman „Fiesta“ und mehreren Kurzgeschichten. Gegenüber beeindruckt das denkmalgeschützte Josefsheim. Nun aber zurück zum Kirchplatz mit dem Dorfbrunnen. Ein althergebrachter Treffpunkt und zugleich Ausgangspunkt, denn viele historische Häuser erwecken hier unbändige Neugierde. Gegenüber dem Gemeindeamt steht das ehemalige Gerichtsgebäude mit Waschhaus. Hinter der katholischen Pfarrkirche hl. Jodok befindet sich der Pfarrhof (Kirchstraße 4) und in der nächsten Gasse das Messnerhaus (Kirchstraße 7), beides sehr ansehnliche Häuser.

Kurzbeschreibung

Besonderes: Freude auf ein gemütliches Flanieren durch eine charmante, historische Altstadt kombiniert mit Kultur und Brauchtum inmitten einer wunderschönen Bergwelt.

Anforderung und Gehzeit: In einer bis eineinhalb Stunden werden so gut wie keine Höhenmeter unters Schuhwerk gelegt. Gelb-weiße Markierung

Charakter der Wege: Viel Straße, Uferweg

Kultur und Natur: Bahnhof Schruns, Denkmal Ernest Hemingway, Josefsheim, Gerichtsgebäude mit Waschhaus, Dorfbrunnen am Kirchplatz mit katholischer Pfarrkirche Hl. Jodok (1. Münster Österreichs), Pfarrhof, Messnerhaus, Heimatmuseum, Maklott-Haus, ehem. Lodenfabrik/Mühle/Kurhaus, Batlogg-Denkmal, Litzkapelle, Fitsch-Haus und die Litzpromenade

Anziehen: Bequeme Schuhe

Start und Ende: Bahnhof Schruns

Wieder zurück beim Brunnen fällt das Heimatmuseum, das im Jahre 1906 von Kulturbewahrern gegründet wurde. An der Außenfassade prangen die gekreuzten Schlüssel. Papst Johannes XXIII. soll auf dem Weg zum Konstanzer Konzil (1414–1418) aufgrund der herzlichen Beherbergung und Hilfestellung der Montafoner ihnen die Petrusschlüssel verliehen haben. Jedenfalls lassen sie sich im Wappen wiederfinden. Am Ende der historischen Fußgängerzone steht das rosafarbene Maklott-Haus mit Jugendstilfassade. Es wurde vom letzten Bergwerkbetreiber Wilhelm Mayer erbaut, der auch das 1897 errichtete Stromkraftwerk an der Litz betrieb, das die umliegenden Orte sowie die Eisenbahn mit Strom versorgte.

Die Litzpromenade. <span class="copyright">Glück</span>
Die Litzpromenade. Glück

Mit der Überquerung der Straße gelangt man zur Litz, die mit ihren 24 Kilometern den längsten Zufluss zur Ill bildet. Sie entspringt im Osten des Montafons im Verwallgebirge aus einer siebenteiligen Quelle nahe der Alpe Fresch auf 1800 Metern Seehöhe. Über die Brücke die ehemalige Lodenfabrik aus dem Jahre 1886, deren Produkte sogar auf der Weltausstellung in Paris präsentiert wurden. Heute bietet das imposante Gebäude an der Litz Raum fürs Kunstforum Montafon. Die dahinterliegende, verwinkelte Kronengasse überrascht mit alten, wertvoll restaurierten Gebäuden. Dann schlüpft man hinter dem Hotel Kreuz durch. In diesem Hotel befinden sich heute noch kunstvolle Holzstuben, Sinnbilder der Montafoner Holzkunst. Noch ein paar Schritte links und man steht vor der sagenumwobenen Litzkapelle. Direkt gegenüber befindet sich das Fitsch-Haus in dem einst im noch vorhandenen Gewölbekeller Wein aus Veltlin zwischengelagert wurde, denn die Route „Via Valtellina“ führte hier vorbei. Der Sage nach soll der Wirt nach einem Versprechen die Wallfahrtskapelle (Litzkapelle) errichtet haben. Wieder zurück in Richtung Ortszentrum passiert man das ehemalige Kurhaus.

<span class="copyright">Glück</span>
Glück

Mit der Brücke wechselt man auf die linke Seite der Litzpromenade zum Denkmal Batlogg, der von 1751–1800 Landammann, Richter und Landesverteidiger war. Es lohnt sich auf alle Fälle, der Lindenallee entlang, also Litzpromenade zu wandeln. Nach dem verheerenden Hochwasser der Ill im Jahre 1910 wurde der Litz­damm gebaut, 1912 eröffnet und zugleich entstand eine neue Siedlung. Wenn man über die Litz hinweg ins Gebirge schaut, erblickt man den Kristakopf (1076 m) und dahinter die Bergspitze Golm (2124 m) oberhalb von Tschagguns, der Nachbargemeinde von Schruns. Wieder an der Litz zurückgewandert, erreicht man rechts ab den Bahnhof wieder und schließt einen historischen, kulturell imposanten Rundgang gemütlich ab.

Von der Entstehung der Litzkapelle

Am Standort der heutigen Kapelle ragte einst ein großer Birnbaum. Er gehörte einem gewissen Johann Haselbander in Schruns.
Es war im Jahre 1689 im Herbst. Auf dem Bänklein vor der nahe gelegenen Schlosserschmiede saßen einmal nach Feierabend die Nachbarn zu gemütlichem Plausch beisammen. Da wies einer von den Bauern auf den früchtebehangenen Birnbaum und meinte: „So voll von Früchten wie heuer ist der Baum noch nie gewesen.“ „Ja, ja, das finde ich auch“, bestätigte der Haselbander, und dann fügte er bei: „Wenn ich es aber erleben würde, daß der Baum verdorrte und keine Früchte mehr gäbe, dann würde ich sogleich eine Kapelle am Platz erbauen.“ – Und was geschah? Wirklich im nächsten Frühjahr war der Baum verdorrt und setzte kein Laub mehr an, der wackere Haselbander aber hielt Wort und baute am Platze die Kapelle, wie sie jetzt noch steht.

Blick in die Chronik

Um 1420 kam Schruns mit dem übrigen Montafon zu Österreich. Lange Zeit unterstand es der Pfarrgemeinde Bartholomäberg. Die Litz bildete die Grenze gegen diese flächenmäßig weit größere Gemeinde. Die Ill, die vor der Hochwasserkatastrophe von 1762 einen wesentlich anderen Verlauf genommen hatte, grenzte Schruns gegen Tschagguns ab. In Urkunden von 1482 und 1484 wurde erstmals die Kirche St. Josef zu Schruns genannt. Die Schrunser Bevölkerung lebte bis zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts vom Ackerbau, Viehzucht, Handel oder Gewerbe. Einst verdingten sich viele Männer als Krautschneider, Maurer oder Stuckateure in der Fremde, während die Frauen daheim die Landwirtschaft und Familie ­betreuten. Im Sommer des Jahres 1870 kamen die ersten Feriengäste in die Montafon-­Gemeinde Schruns und damit begann eine positive ­Entwicklung des Fremdenverkehrs.

Die Litzkapelle ist an einem historischen bedeutenden Verkehrsknotenpunkt situiert. Sie entstand 1688 in Zeiten barocker Volksfrömmigkeit und ist Ausdruck des aufblühenden lokalen Wallfahrtsgedankens. Die Legende bringt die Entstehung der Kapelle mit dem Bildersturm in den graubündischen Religionskriegen der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Zusammenhang.
Quellen: fischereiverein-montafon.at, Sage aus dem Pfarrarchiv und Projekt „Sagenumwobene Orte im Montafon“ und www. historischer-grundbuchauszug.at

Die sagenumwobene Litz­kapelle. <span class="copyright">Glück</span>
Die sagenumwobene Litz­kapelle. Glück

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