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Hohenemser Tragödie: Kein Geld für Eltern

06.02.2021 • 19:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Bluttat im September 2017 schockierte sogar erfahrene Beamte. <span class="copyright">apa/Mathis</span>
Die Bluttat im September 2017 schockierte sogar erfahrene Beamte. apa/Mathis

Klage der Eltern des Mannes, der Frau und Kinder tötete, abgewiesen.

Eine der schrecklichsten Bluttaten der vergangenen Jahre in Vorarlberg hat sich am 16. September 2017 in einem Hohenemser Mehrparteienhaus ereignet. Nach Darstellung der Polizei hat ein 38-jähriger Familienvater seine zwei Töchter im Alter von vier und sieben Jahren und seine 33-jährige Gattin erstochen. Danach, so die polizeilichen Erkenntnisse, rammte sich der Österreicher türkischer Abstammung nach dem Eintreffen der Polizei ein Messer in die Brust und sprang aus dem Fenster der Wohnung in den Tod.

Die Eltern des mutmaßlichen Mörders führen einen Amtshaftungsprozess gegen die Republik Österreich. Die Kläger fordern als Schadenersatz 146.000 Euro, davon 120.000 Euro als Trauerschmerzengeld, weil sie ihren Sohn und ihre beiden Enkelinnen verloren haben.

Mehrere Notrufe ignoriert

Für den Verlust ihrer Angehörigen machen die Kläger einen Polizisten mitverantwortlich. Der Beamte hat kurz vor den Bluttaten mehrere telefonische Notrufe eines Schreie hörenden Wohnungsnachbarn ignoriert und erst nach rund einer Viertelstunde Hohenemser Polizisten zum Tatort geschickt.

Die Klage wurde nun am Landesgericht Feldkirch abgewiesen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Über die Berufung der Kläger hat das Oberlandesgericht Innsbrucker Oberlandesgericht noch nicht entschieden.

Richter: Taten nicht zu verhindern gewesen

Nach Ansicht des Feldkircher Zivilrichters Alexander Frick wären die Bluttaten wohl auch dann nicht zu verhindern gewesen, wenn der Notrufpolizist sofort reagiert und Hohenemser Polizisten gleich zum Tatort geschickt hätte. Es wäre bereits zu spät gewesen, die Kinder und die Frau wären vermutlich schon tot gewesen, heißt es im Urteil. Und der Mann hätte auch bei einem früheren Eintreffen der Polizei wahrscheinlich Selbstmord begangen.

Klagsvertreterin Serpil Dogan argumentiert, die Bluttaten wären vermeidbar gewesen, wenn nicht erst gut eine halbe Stunde nach dem ersten von mehreren Notrufen eine Polizeistreife am Tatort eingetroffen wäre.

Freispruch im Strafverfahren

Im Strafverfahren wurde der von Bertram Grass verteidigte Polizist am Landesgericht vom Anklagevorwurf des Amtsmissbrauchs freigesprochen.
Im Disziplinarverfahren hat die Disziplinarkommission des Innenministeriums über den Bundespolizisten in erster Instanz die Entlassung ausgesprochen. In zweiter Instanz aber hat das Bundesverwaltungsgericht die Entlassung aufgehoben und über den 50-Jährigen eine Disziplinarstrafe von 8000 Euro verhängt.

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