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Trotz Lockdown mehr Autofahrer „geblitzt“

07.02.2021 • 09:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Im vergangenen Jahr gab es weniger mobile Tempokontrollen. <span class="copyright">Hartinger</span>
Im vergangenen Jahr gab es weniger mobile Tempokontrollen. Hartinger

Weniger Autos auf Straßen, aber 13 Prozent mehr Temposünder.

Für den Autofahrer ist kein Unterschied erkennbar. Doch in ganz Österreich werden nach und nach die fixen Radarboxen der Polizei auf Lasertechnologie umgestellt. Die Geräte sind präziser, weshalb auch die Messtoleranz sinkt. Es wird also bereits bei geringeren Geschwindigkeitsübertretungen als bisher geblitzt. Zudem können die Lasergeräte in beide Fahrtrichtungen messen und bei mehreren nebeneinander fahrenden Autos jenes herausfiltern, das zu schnell unterwegs ist. Die Bundespolizei unterhält 38 Standorte für stationäre Messungen, etwa ein Drittel der Geräte ist gleichzeitig „scharf“ – und immer mehr sind mit Lasertechnik ausgestattet.

Anzeigenvergleich 2019 und 2020

Anzeigen Geschwindigkeit 2019 2020 Veränderung

Laser 1594 2780 + 74 Prozent

Radar 116.073 122.042 +5 Prozent

Sonstige (Abstandsmessung etc.): 11.189 24.332 + 117 Prozent

Organmandate Geschwindigkeit (mit Anhaltung)

Laser 13.267 11.921 – 10 Prozent

Radar 1731 1105 – 36 Prozent

Sonstige: 1039 1042 0 Prozent

Insgesamt 144.893 163.222 + 13 Prozent

Die Wirkung bleibt nicht aus. Die Aufrüstung schlägt sich deutlich in den Zahlen der Anzeigen nieder. So verzeichnete die Polizei im vergangenen Jahr rund 163.000 Geschwindigkeitsübertretungen, was gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 13 Prozent bedeutet. Und das obwohl aufgrund der Lockdowns deutlich weniger Fahrzeuge unterwegs waren als im Vorjahr. Auf der Rheintalautobahn registrierten die Zählstellen im ersten Halbjahr 2020 rund 28 Prozent weniger Pkw als in den ersten sechs Monaten des Jahres 2019. Die Anzeigenzahlen und Veränderungen zum Vorjahr variieren in den einzelnen Bereichen deutlich. So gab es bei den im Zuge der Abstandsmessungen auf der Autobahn angefallenen Geschwindigkeitsbeanstandungen gar einen Anstieg von 117 Prozent (!). „Speziell in Baustellenbereichen und im ‚Regen 80er‘ mussten wir leider eine Vielzahl von Übertretungen feststellen“, berichtet Rudolf Salzgeber, Leiter der Vorarlberger Landesverkehrsabteilung. Satte Rückgänge gibt es hingegen bei den Übertretungen, die mit einem Organmandat, sprich gleich nach Anhaltung des Lenkers, geahndet werden. „Das hat damit zu tun, dass viel Personal für die Kontrollen an der Grenze und für diverse Corona-Kontrollen gebunden war“, erklärt der oberste Verkehrspolizist im Land.

Immer mehr Radarkästen werden mit Lasertechnik ausgestattet. <span class="copyright">Hartinger</span>
Immer mehr Radarkästen werden mit Lasertechnik ausgestattet. Hartinger

Raser auf leeren Straßen

Während des ersten Corona-Lockdowns im März und April des vergangenen Jahres waren die Straßen so leer wie schon lange nicht mehr. Animiert das zum Rasen? „Der Großteil der Autofahrer hält sich an die Geschwindigkeitsbeschränkungen. Allerdings mussten wir auch massive Überschreitungen feststellen. Manche waren innerorts mit bis zu 150 km/h unterwegs“, schildert der Leiter der Landesverkehrsabteilung.

<span class="copyright">NEUE/Stadler</span>
NEUE/Stadler

Höhere Strafen geplant

Salzgeber spricht sich für höhere Strafen aus und verweist auf die – von vielen Verkehrssicherheitsexperten als Vorbild bezeichnete – Schweiz, wo die Sanktionen deutlich härter, aber eben auch wirksamer seien. Seit 2013 gibt es in der Schweiz ein strenges Rasergesetz. Wer etwa mit einer Geschwindigkeit von mehr als 100 km/h in einer 50er-Zone erwischt wird, ist nicht nur seinen Führerschein für mindestens zwei Jahre los, sondern muss mitunter auch für ein Jahr ins Gefängnis. Auch in Österreich sollen die Strafen jetzt erhöht werden. Ein entsprechendes Gesetzespaket ist bereits in Vorbereitung, das im Vergleich zur Schweiz aber eher moderat bleibt. Vorgesehen ist unter anderem eine Erhöhung des Strafrahmens von 2180 auf 5000 Euro sowie die Verdoppelung der Führerscheinentzugsdauer. Rasen soll zudem als Vormerkdelikt eingeführt werden. In besonders gefährlichen Fällen ist auch geplant, Fahrzeuge zu beschlagnahmen. Dazu gehört etwa hohe Geschwindigkeitsüberschreitung unter gefährlichen Verhältnissen, mehrfach wiederholtes Rasen, Fahren nach Abnahme des Führerscheins wegen Rasens oder auch Rasen ohne Führerschein.

„Die leeren Straßen während des ersten Lockdowns ­wurden teilweise für massive Geschwindigkeitsübertretungen genutzt.“

Rudolf Salzgeber, Leiter der Landesverkehrsabteilung der Polizei

Wer beispielsweise mit einem sogenannten Laserblocker unterwegs ist, kann schon jetzt ordentlich zur Kasse gebeten werden. Verwaltungsstrafen in der Höhe von bis zu 5000 Euro sind hier möglich.
Das Problem sei allerdings eher in Ostösterreich verbreitet, weiß Salzgeber. Hierzulande wurde im vergangenen Jahr lediglich ein Autofahrer erwischt, der das elektronische Auge des Gesetzes mittels eines winzig kleinen High-Tech-Geräts im Kühlergrill auszutricksen versuchte.

Wohin die Strafgelder fließen

Der Großteil der Strafgelder geht übrigens an den jeweiligen Straßenerhalter, also an Bund, Land, Gemeinden oder an die Asfinag. 20 Prozent kommen dem Innenministerium bzw. der Bundespolizei zugute – außer bei Verwaltungs­übertretungen auf Straßen in Gemeinden mit weniger als 10.000 Einwohnern, in diesen Fällen bleibt die volle Summe in der Kommune. Strafgelder für Verstöße auf verländerten Bundesstraßen gehen an den Bund. Bei Verkehrssünden, die mit Ausrüstung und Ausstattung zu tun haben, fließt das Geld in den Sozialtopf.

Wie viel die Einnahmen durch Geschwindigkeitsübertretungen in Summe ausmachen, können die Behörden auf Anfrage nicht beantworten. Zahlen für diesen Bereich werden offenbar nicht gesondert ausgewiesen. Erhoben wird die Anzahl aller Anonymverfügungen und ordentlichen Strafverfahren nach der Straßenverkehrsordnung (StVO) und dem Kraftfahr- und Führerscheingesetz sowie deren Strafbeträge. Diese Zahlen beinhalten jedoch nicht nur Geschwindigkeitsüberschreitungen, sondern eine ganze Reihe anderer Delikte.

Laut Rechenschaftsbericht des Landes betrugen im Jahr 2018 allein die BH-Bußgelder nach der Straßenverkehrsordnung (etwa Tempoüberschreitung, zu geringer Abstand, Falschparken) mehr als 13,5 Millionen Euro.

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