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Fehlende Einbindung der Apotheken

08.02.2021 • 19:31 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Jürgen Rehak bemängelt die Einbindung der Apotheken in die Pandemie-Bekämpfung.<span class="copyright">Frederik Sams</span>
Jürgen Rehak bemängelt die Einbindung der Apotheken in die Pandemie-Bekämpfung.Frederik Sams

Das Land habe kein Interesse an Kooperation für Gratistests gezeigt.

Die Nichteinbindung der privat betriebenen Corona-Teststation AMZ in Röthis in das kostenlose Testangebot in Vorarlberg zieht vor dem Hintergrund der unverändert überlaufenen Gratis-Testkapazitäten der Rot-Kreuz-Teststationen immer weitere Kreise.

Seit gestern können bekanntlich gegenwärtig auch 17 Apotheken im Ländle kostenlose Antigen- und PCR-Tests anbieten. Jürgen Rehak, Präsident der Vorarlberger Apothekerkammer, erklärte auf Anfrage der Wirtschaftspresseagentur.com, dass man dieses Angebot schon seit Monaten hätte leisten können. „Aber das Land Vorarlberg hat daran kein Interesse gezeigt. Man hat das Gefühl, als gäbe es in der Pandemie-Bekämpfung nur das Land Vorarlberg und das Rote Kreuz.“

Vorhaben seit Oktober bekannt

Denn nach Darstellung von Rehak haben die Vorarlberger Apothekerkammer und die Emergency Service Organisation EMSO aus Götzis das Land bereits im Oktober 2020 darüber informiert (Schriftverkehr liegt der wpa-Redaktion vor), dass man in 13 Apotheken zukünftig kostenpflichtige Antigen- und PCR-Tests anbieten werde. „Wir haben den Verantwortlichen beim Land zu verstehen gegeben, dass wir die Infrastruktur und die Mitarbeiter dafür haben und dass wir die Kapazitäten jederzeit auch aufstocken könnten. Man wusste also, dass es das gibt.“ Das Interesse des Landes sei dabei jedoch überschaubar gewesen. Schlussendlich habe man zumindest vereinbart, dass positiv getestete Personen im zentralen Erfassungssystem eingemeldet werden. Zudem habe das Land darauf bestanden, dass die Apotheken die PCR-Tests im Zentrallabor der Krankenhaus-Betriebsgesellschaft (KHBG) in Feldkirch auswerten lassen. „Das war damals jedoch chronisch überlastet und die Auswertungen dauerten mitunter Tage, worauf wir nach Innsbruck ausgewichen sind.“

Auf die Frage, ob man die Möglichkeit von Gratistests in Zusammenarbeit mit dem Land angesprochen habe, sagte Rehak: „So weit sind wir gar nicht erst gekommen. Denn das Land ist bei dem Thema nicht wirklich angesprungen.“ Sein Eindruck sei, dass die Landesregierung sehr wohl gekonnt hätte, wenn sie es denn auch gewollt hätte. Dass es die Gratistests jetzt auch in Vorarlberger Apotheken gebe, sei der Veranlassung des Bundes zu verdanken und nicht dem Bestreben des Landes Vorarlberg, betont Rehak.

Keine Gratistests

EMSO-Vorstand Christian Frener sagte dazu, dass es mit Vertretern des Landes Vorarlberg im Oktober 2020 nur kurz erste Gespräche über mögliche Gratistests zu den gleichen Konditionen wie durch das Rote Kreuz gegeben habe. „Allerdings wurde uns sehr rasch und direkt zur Kenntnis gebracht, dass dies nicht in Frage komme“, so Frener. Er selbst betreibt mobile Teststationen für kostenpflichtige Tests in Vorarlberg und wollte im Spätherbst 2020 auch eine Schnelltest-Station am Seeparkplatz in Bregenz aufziehen. „Dabei hat man uns von den Zuständigen nur im Kreis geschickt. Und das obwohl die Politik in der Öffentlichkeit immer von einer Notsituation spricht. Das ist schon etwas verwunderlich.“

Rotes Kreuz am Limit

Frener verweist dabei auch auf ein ORF-Vorarlberg-Interview mit Roland Gozzi vom Roten Kreuz Vorarlberg Anfang Oktober 2020. Dort sagte Gozzi, dass das Rote Kreuz „ans Limit komme“. Dennoch, so Frener, sei das Land Vorarlberg offenbar nicht auf die Idee gekommen, in einer Pandemie-Situation weitere Testpartner an Bord zu holen.

Der Präsident der Vorarlberger Apothekerkammer berichtet unterdessen, dass man in seiner Apotheke in Höchst mit Ende des gestrigen Tages an die 80 Personen im Rahmen der Gratistests getestet haben wird. „Für Dienstag haben wir schon über 100 Anmeldungen. Und das betrifft nur unsere Apotheke.“ Schon allein daran könne man das Schnelltest-Potenzial erkennen, das schon seit Monaten zur Verfügung stehen könnte. Rehak moniert in dem Zusammenhang auch, dass das Land Vorarlberg bei der Pandemie-Bekämpfung viel zu wenig auf bestehende und bewährte Strukturen im Gesundheitssystem setze. Er mache dies unter anderem auch daran fest, dass die Apothekerkammer nur einmal, konkret im März 2020, am Corona-Krisenstab des Landes habe teilnehmen können.

Ein weiteres Beispiel: „Apotheken verfügen bei Arzneimitteln seit Jahrzehnten auch über sehr viel Logistik-Know-how. Aber im Gegensatz zu anderen Bundesländern sind wir gegenwärtig in keine Gespräche mit dem Land eingebunden, was die Verteilung des Covid-19-Impfstoffes betrifft“, so Rehak. Spätestens wenn auch niedergelassene Ärzte mit dem Impfen beginnen, benötige es ein ausgefeiltes Logistik-System im ganzen Land.

Günther Bitschnau/wpa

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