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„Wir sind sehr auf der Hut“

09.02.2021 • 06:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Stefan Jochum. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Stefan Jochum. Stiplovsek

Lechs Bürgermeister Stefan Jochum spricht über die Reisewarnung für Tirol.

Es gibt eine Reisewarnung für Tirol. Was heißt das für die Gemeinde Lech, die doch einige Tiroler beschäftigt?
Stefan Jochum: Die Regularien sind noch nicht detailliert bekannt. Jetzt wurde nur mal eine Reisewarnung ausgesprochen, aber es gibt keine Verordnung dazu. Was heißt das zum Beispiel für Pendler? Unsere Mitarbeiter werden mindestens einmal in der Woche getestet und durften auch damals im ersten Lockdown zur Arbeit kommen.

Und was heißt das für das Skigebiet?
Jochum: Die Flexenbahn war heuer nicht in Betrieb, die Valfagehrbahn sowie die Albonabahn werden ab heute nicht mehr fahren. Das bedeutet, es gibt zwischen Tirol und Vorarlberg keine Skiverbindung mehr.

Im Frühjahr 2020 wurde die Arl­bergregion unter Quarantäne gestellt. Wäre das auch für das Bundesland Tirol sinnvoll, um die Ausbreitung der Mutation einzuschränken?
Jochum: Das halte ich nicht für sinnvoll. Man sollte sich lieber auf die Fälle, mögliche Cluster und Hotspots konzentrieren und die Verbreitung mittels Contact Tracing eindämmen. Die Lockdown-Bestimmungen sind schon hart genug und eine Quarantäne für ein ganzes Bundesland ist sehr schwierig. Das würde die Bevölkerung wohl auch irgendwann nicht mehr mittragen.

Wird in Lech nun mehr getestet, um mögliche Mutationen früh zu erkennen?Jochum: Wir testen ohnehin sehr intensiv. Zweimal in der Woche haben wir im Sportpark die Tests für Hotellerie, Gastronomie und die Dienstleister, auch wenn die derzeit noch geschlossen haben. Die Skilifte sind in Betrieb, da wird das Personal ebenfalls laufend getestet, ebenso wie Mitarbeiter des Bauhofs oder der Schulen. Wir sind sehr auf der Hut. FFP2-Masken tragen wir seit Beginn der Maskenpflicht und nicht erst seit die Verordnung dazu gekommen ist.

Wäre es möglich auch Skifahrer zu kontrollieren und somit Skifahrer aus Tirol herauszufiltern?
Jochum: Ich stelle es mir bereits sehr schwierig vor, an den Skiliften zu überprüfen, ob jemand einen negativen Covid-Test hat. Dann noch jeden einzelnen Skifahrer zu fragen, wo er herkommt halte ich für kaum machbar. Es ist zwar nicht viel los, aber es würde wieder Menschenansammlungen bei den Überprüfungen geben und das wollen wir ja gerade verhindern.

Zuletzt haben Sie über den Ansturm auf Zweitwohnsitze berichtet. Letzte Woche waren es für 600 Ferienwohnungen 230 Neumeldungen.
Jochum: Mittlerweile sind es seit 1. Dezember über 700 Neumeldungen für 600 Ferienwohnungen. Das bedeutet wir haben jetzt über 1200 Personen in Zweitwohnsitzen in Lech gemeldet.

Gibt es für die Gemeinde dagegen eine Handhabe?
Jochum: Es muss eine Begründung geben, warum jemand einen Zweitwohnsitz anmeldet. Wenn die Wohnung einem Familienmitglied gehört und die Tochter oder der Sohn melden den Zweitwohnsitz dort an, dann können wir dagegen nichts tun. Wir können nur einschreiten, wenn jemand aus dem Ausland kommt und anhand der Einreisebestimmungen mit der Quarantänepflicht argumentieren. Aber österreichische Staatsbürger haben das Recht, mit der Bestätigung des Unterkunftgebers einen Zweitwohnsitz anzumelden.

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