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Studie: Mehr Aushub-Deponien nötig

10.02.2021 • 19:09 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Rund 1,3 Millionen Tonnen Bodenaushub müssen jährlich in Vorarlberg deponiert werden. <span class="copyright">Symbolbild/vol.at</span>
Rund 1,3 Millionen Tonnen Bodenaushub müssen jährlich in Vorarlberg deponiert werden. Symbolbild/vol.at

Landesräte Marco Tittler und Johannes Rauch wollen rasche Lösung.

Deutlich mehr Deponie­flächen für Bodenaushub werden in Vorarlberg gebraucht. Das zeigt eine von Land und Wirtschaftskammer in Auftrag gegebene Studie, deren Ergebnisse am Mittwoch präsentiert wurden. In dieser wurde der Status quo in Sachen Bodenaushub und Baurestmassen in Vorarlberg unter die Lupe genommen. Laut Studienautor Guntram Alge hat sich dabei gezeigt, dass jährlich rund 1,75 Millionen Tonnen an Bodenaushubmaterialien als Abfall anfallen. Knapp 500.000 Tonnen (300.000 Kubikmeter) werden in Kieswerken, Bodenwaschanlagen und anderen Anlagen wieder aufbereitet. Die übrigen rund 1,3 Millionen Tonnen (750.000 Kubikmeter) müssen auf Deponien oder in Verfüllungen und Verwertungen abgelagert werden. Die Recycling-Kapazitäten sind nach Angaben des Studienautors „im Großen und Ganzen ausgeschöpft“. Auf diesem Weg könne also keine Reduzierung der Menge erreicht werden.

Studienautor Guntram Alge präsentierte die Ergebnisse der Untersuchung. <span class="copyright">VLK/Serra</span>
Studienautor Guntram Alge präsentierte die Ergebnisse der Untersuchung. VLK/Serra

Das ist insofern problematisch, als bis 2025 lediglich eine hochgerechnete Verfüllkapazität von einer bis zu maximal 1,2 Millionen Tonnen pro Jahr zur Verfügung steht. Es fällt bis zu 30 Prozent mehr abzulagerndes Material an als an Deponieraum vorhanden ist. Für Wirtschaftslandesrat Marco Tittler ist daher klar, dass neue Deponieflächen geschaffen werden müssen. Die Umsetzung sei allerdings eine komplexe und aufwendige Sache, weshalb ein gemeinsames Vorgehen aller Partner wichtig sei.

Partnerschafts-Modelle

Aus Sicht des für Abfallwirtschaft zuständigen Landesrats Johannes Rauch steht außerdem fest, dass es nicht viele Klein- und Kleinst­deponien im ganzen Land geben soll. Vielmehr müssten umfassendere Lösungen gefunden werden. Allerdings könne es auch nicht sein, dass das Land als Deponiebetreiber auftrete, was gesetzlich möglich wäre. Viel attraktiver sind für Rauch PPP-Modelle („Public Private Partnership“), bei denen die öffentliche Hand mit der Wirtschaft Bauaushubdeponien betreibt, für die klare Vorgaben hinsichtlich Preis, Annahmeregime und Befüllungszeitraum gelten. Entsprechende Modelle würden bereits ausgearbeitet, um dann mit den Unternehmen Gespräche zu führen.

Export per Bahn

Ebenso denkbar wäre für Rauch der vermehrte Export des Abfallmaterials nach Deutschland und in die Schweiz. Dort seien die entsprechenden Kapazitäten vorhanden. Eine Voraussetzung dafür sei jedoch, dass der Transport auf der Schiene erfolge, um nicht mehr Verkehr zu produzieren. Dies sei eine Herausforderung. Nicht zuletzt könne man auch das Gespräch mit Deponiebetreibern suchen, die zwar ausreichende Kapazitäten hätten, diese allerdings aus unterschiedlichen Gründen nicht nutzten. Eine Reduktion des anfallenden Bauaushubs sei schwierig, sagte der Landesrat.

Die Landesräte Marco Tittler (links) und Johannes Rauch. <span class="copyright">VLK/Serra</span>
Die Landesräte Marco Tittler (links) und Johannes Rauch. VLK/Serra

Die Studie zeige, dass in den kommenden Jahren mit einer Verknappung der verfügbaren Kapazitäten zu rechnen sei, waren sich Rauch und Tittler einig. Man werde alles dafür tun, dass nicht Kleinunternehmen oder Häuslbauer unter steigenden Preisen bei der Bodenaushub­entsorgung leiden. Nachdem nun die Fakten auf dem Tisch seien, sei rasches und aktives Handeln gefragt, betonte der Wirtschaftslandesrat.

Ganzheitlicher Ansatz

Derzeit deponiere man auf Kosten der Zukunft. Das sei zwar kurzfristig möglich, aber keine langfristige Lösung. Für eine solche brauche es einen ganzheitlichen Ansatz. Bei diesem müssten Raumplanung, Verkehrsplanung, Umweltinteressen sowie Wirtschaft und Landwirtschaft miteinbezogen werden.

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