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„Wir verlieren eine Generation“

13.02.2021 • 10:55 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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Netzer

Musikschulen befürchten, dass Nachwuchs wegbrechen könnte.

Die Stimmung an den Musikschulen war schon einmal besser. Und das Wieder-Hochfahren ist noch sehr verhalten. „Sie müssen sich vorstellen: Wir dürfen nicht singen. Und wenn, dann nur mit Maske. Instrumentalunterricht ist nur mit drei Metern Abstand möglich. Alle Lehrer müssen sich regelmäßig testen lassen“, das sind ein paar Dinge, die Nikolaus Netzer spontan dazu einfallen. Netzer ist Direktor der Musikschule Feldkirch und Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Musikschulen des Landes. Generell ist Unterricht nur mit Kleingruppen bis zu sechs Personen möglich. Und diese müssen alle FFP2-Masken tragen. „Die Aussichten sind schon triste. Ich neige ja generell nicht zum Jammern. Denn man ist mittlerweile froh um jeden Präsenzunterricht, den man anbieten kann“, ergänzt Netzer.

Unterricht und Singen ist nur mit Maske möglich. <span class="copyright">Netzer</span>
Unterricht und Singen ist nur mit Maske möglich. Netzer

Aber das Bild, das ihm gerade vorschwebt, ist düster im Moment. „Die Generation, die das Ziel hatte, zu einer Blaskapelle oder einem Orchester zu gehen, die ist im Moment nicht greifbar. Es kann sein, dass uns da ein Gutteil der 10- bis 14-Jährigen wegbricht“, bedauert Netzer. Den jungen Menschen, die Musik machen wollen, fehlt die Perspektive. Wer wolle schon Trompete üben, wenn er nirgendwo spielen darf. Instrumente wie Klavier und Gitarre haben es da noch leichter, wie Netzer betont. „Je länger das dauern wird, desto schwieriger wird es werden. Niemand weiß, wie sich das Jahr noch entwickeln wird.“

Keine Werbung

Zudem sei es derzeit nahezu unmöglich, Werbemaßnahmen zu treffen. Ein Tag der offenen Tür ist so gut wie nicht möglich. Auch die Kooperationsunterrichte an den Schulen sind nach wie vor nicht möglich. „Gerade dort haben wir viele Kinder zwischen sechs und zehn Jahren für die Musik begeistern können“, so der Musikschuldirektor.

„Wenn die ersten Unterrichtseinheiten digital via Bildschirm stattfinden, ist das für die, die beginnen, abschreckend.“

Nikolaus Netzer, Musikschuldirektor

Die Frage, die sich für Netzer stellt, ist, was das in ein paar Jahren bedeutet. „Es könnte sein, dass da möglicherweise in nicht allzu ferner Zukunft ein Loch entsteht.“ Bei den Anmeldezahlen für „Prima La Musica“ merke man das auch. In Vorarlberg versuchen die Verantwortlichen, den Wettbewerb Ende März durchzuführen. „Prima La Musica“ ist der bedeutendste Nachwuchswettbewerb für junge Talente. „In der Nachwuchsförderung liegt derzeit vieles brach. Dort ist es nicht einfach. Ich bin schon manchmal ratlos und denke mir: Wir verlieren eine ganze Generation.“

Schwierige Monate

Die Abmeldezahlen an den Musikschulen nehmen seit dem Frühjahr zu. Zudem warten viele Eltern bei der Anmeldung für den Instrumentunterricht zu. „Das ist ein landesweiter Trend. Denn: Wenn die ersten Unterrichtseinheiten digital via Bildschirm stattfinden, ist das für die, die beginnen, abschreckend.“ Wenn noch öfters zugesperrt werden muss in den kommenden Monaten, dann wird die Lage wirklich ernst für so manche Musikschule. Davon ist Netzer überzeugt. Denn Musikschulen haben nicht den Pflichtschulbonus. „Die Kinder, die schon bei uns sind, da werden die meisten der Musik treu bleiben. Aber wir schaffen es derzeit nicht, mit den Jungen in Kontakt zu treten. Das ist vor allem unser Hauptproblem.“

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