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Angst vor dem nächsten Lockdown

14.02.2021 • 20:00 Uhr / 9 Minuten Lesezeit
Sonja Fritz und ihre „Mannschaft“ vor dem Geschäft. Sonjas Haarstudio ist einer von über 15 Betrieben im Raum Bludenz. <span class="copyright">Hartinger</span>
Sonja Fritz und ihre „Mannschaft“ vor dem Geschäft. Sonjas Haarstudio ist einer von über 15 Betrieben im Raum Bludenz. Hartinger

Friseure freuen sich über das Aufsperren. Es gibt Luft nach oben.

Es fühlt sich grad fantastisch an. Das Arbeiten macht richtig Freude. Die Kunden spielen mit, lassen sich brav testen und tragen Maske. Ich kann mich nicht beschweren“, freut sich Sonja Fritz aus Bludenz. Fritz ist Chefin im Haarstudio Sonja beim Oberen Tor. Sie ist seit 1997 ausgelernte Friseurin. Seit 1. April 2015 hat sie ihren eigenen Salon.
Der Ansturm ist laut Fritz nicht ganz so groß wie nach dem ersten Lockdown im Frühjahr. „Ich glaube, das hat mit den Tests zu tun. Manche rufen an und sagen ab, weil sie sich nicht testen lassen wollen. Das sind etwa fünf bis zehn Prozent.“ Auch die wenigen Testtermine habe sie die letzten Tage in der Auslastung gespürt. Vor allem zu Beginn der Woche hat die Unternehmerin von vielen Stammkunden gehört, dass die Termine rar sind. „Das hat sich deutlich gebessert.“

FriseurInnung

Der Mega-Ansturm ist ausgeblieben

Innungsmeister Plaickner führt dies auf die geschlossenen Grenzen zur Schweiz und die Testungen zurück.

Am Beginn der Woche gab es laut Friseurinnungsmeister Günther Plaickner zu wenige Testkapazitäten. Das wurde vom Land unterschätzt. „Das haben wir bei der Kundschaft bemerkt. Vor allem Anfang Woche sind einige Geschäfte weit weg von einer guten Auslastung gewesen“, so Plaickner. Die Unternehmer halten sich durchgehend an die Auflagen. „Und das ist dann ärgerlich, wenn es an so was scheitert.“ Erst ab Mittwoch habe man dann gespürt, dass es mehr Testmöglichkeiten gab. Und dann kamen auch Kunden wieder vermehrt. Die Maskenpflicht wird eingehalten. Aber: „Es gibt natürlich die klassischen Verweigerer. Die haben wir überall, die Aluhutträger. Aber im Frühjahr war viel mehr los. Der Februar ist auch ein schwacher Monat für uns.“ Aber der erwartete Ansturm nach sechs Wochen Lockdown ist ausgeblieben. Zu 90 Prozent hängt es mit der Tes­tung zusammen. „Es gibt leider genug Menschen, die sagen, ich lass mich sicher nicht testen, nur um zum Friseur zu gehen.“

Landesweit gesehen sind die Friseure gut gebucht. Eine Ausnahme ist das Grenzgebiet zur Schweiz. Da haben manche zwischen bis zu 40 Prozent Kundenanteil von den Eidgenossen. „Die spüren das massiv. Ich kenne Unternehmer, die haben jetzt nach sechs Wochen Lockdown Mitarbeiter heimschicken müssen, weil es zu wenig zu tun gibt.“

Schnelltests vor Ort wären laut Plaickner eine Ideallösung. Obwohl alles, was nicht direkt mit dem Friseurberuf zu tun habe, einen zusätzlichen Aufwand für die Unternehmer und Angestellten darstelle. „Aber das würden wir Friseure gern auf uns nehmen, um es den Kunden leichter zu machen.“ Generell könne man das gut umsetzen. Er habe sich auch schon wegen Tests umgesehen. „Es fehlt nur noch das Okay von Minister Anschober.“

Bei alten Menschen sieht Fritz hingegen ein Problem. „Die meisten haben kein Handy. Und für die ist es wirklich schwierig. Das mit den Tests. Da müsste man über Alternativen nachdenken.“ Ob die bereits öfters angesprochenen und auch geforderten Schnelltests vor Ort oder auch die Selbsttests für zu Hause hier Abhilfe schaffen, kann sie nicht sagen. „Aber es wäre eine zusätzliche Möglichkeit, die uns und unseren Kunden mehr Spielraum geben würde.“ Die kommenden zwei Wochen sind in Sonjas Haarstudio fast ausgebucht. Viele haben auch Angst, dass bald wieder ein Lockdown kommt. Somit sei derzeit schon eine Nachfrage zu spüren. „Aber es kann auch sein, dass nach ein paar Wochen auch eine tote Zeit kommt. Wenn wir überhaupt so lange offen haben werden.“

Ohne gültigen Test gibt es keinen Haarschnitt. <span class="copyright">Hartinger</span>
Ohne gültigen Test gibt es keinen Haarschnitt. Hartinger

Spezielle Wünsche in Sachen Haarschnitt gibt es nach dem langen Lockdown kaum. Außer: „Es gibt einige, die sagen: Schneide es bitte kürzer als sonst. Denn wahrscheinlich sperren sie bald wieder zu. Aber was alle eint, ist der Genuss, sich beim Friseur die Haare machen zu lassen. Das sagen uns viele, wie fein das ist, hier zu sein“, betont Fritz.

Die Kunden genießen den Friseurbesuch. <span class="copyright">Hartinger</span>
Die Kunden genießen den Friseurbesuch. Hartinger

Holpriger Start

Annabelle Rudigier ist Friseurin im Haarstudio von Sonja Fritz. Und das noch nicht so lange. Seit November ist sie dabei. Im Oktober hat sie ihre Lehre abgeschlossen. „Mit dem Lockdown und den ganzen Unterbrechungen war das ein etwas holpriger Start.“ Sie ist froh, wieder im Geschäft zu stehen. „Ich habe mich sehr gefreut auf das Arbeiten. Zu Hause ist mir schon die Decke auf den Kopf gefallen. Und ich habe diverse Übungsköpfe malträtiert und geschnitten“, lacht die junge Friseurin. Dass die Kunden Tests vorweisen müssen, benö­tigt etwas Zeit und ist ungewöhnlich. Aber man gewöhne sich schnell daran. „Auch an die Masken. Das geht ganz gut. Ab und zu gehe ich kurz raus, um Luft zu schnappen. Aber das ist überhaupt kein Problem.“

„Viele Lockdowns kann ich mir nicht mehr leisten. Diese Angst schwingt trotz Optimismus derzeit mit.“

Sonja Fritz, Unternehmerin

Auch Annabelle und ihre Kolleginnen und Kollegen müssen sich wöchentlich testen lassen. Die Reaktionen der Kunden sind durch die Bank positiv. „Wir schätzen das auch sehr, dass die Kunden das mitmachen und testen gehen. Bis dato gab es noch niemand, der ohne Test aufgetaucht ist. Nur manche haben etwas warten müssen auf das Testergebnis, wenn sie unmittelbar davor testen waren.“

<span class="copyright">Hartinger</span>
Hartinger

„Viele Lockdowns kann ich mir nicht mehr leisten. Diese Angst schwingt trotz Optimismus derzeit mit“, so Fritz. Wie es genau weitergehen wird, wisse derzeit niemand. „Wir sind wahrscheinlich die Sparte, die am vorsichtigsten agiert. Weil wir unseren Kunden sehr nahe kommen. Aber wir achten peinlichst auf Hygiene. Das war immer schon so. Nicht erst seit Corona.“ Das dauernde Auf- und Zusperren zehrt an der Substanz. Nicht nur an der finanziellen. „Nicht alle Förderungen kommen so, wie von offizieller Seite angekündigt.“ Laut Fritz fehlen immer noch Zahlungen vom letzten Frühjahr. „Wenn ich mir was wünschen könnte, dann, dass wir auflassen dürfen. Selbst wenn der nächste Lockdown kommt. Denn wir sind und bleiben sehr vorsichtig.“

Schwarzarbeit am Vormarsch

„Einige Gruppen haben es schwer, und die Friseure haben es besonders schwer“, so Bernhard Feigl, WKV-Obmann der Sparte Handel und Gewerbe. Das Geschäft ist derzeit generell nicht einfach mit allen Auflagen. „Aber die Friseure stellen sich immer wieder schnell auf die Vorgabe ein.“ Und es funktioniert gut, was Feigl so gehört hat.

„Es hat aber auf jeden Fall Schwarzarbeit gegeben. Das wird auch nicht zu verhindern sein. Man darf auch nicht vergessen, dass die Friseure einen nicht unwesentlichen Teil ihres Einkommens über Trinkgeld machen. Und das ist durch die Zuschüsse und Hilfszahlungen nicht abgedeckt. Da hat die Branche sehr gelitten“, so Feigl. Generell gehe die Schwarzarbeit auch oft vom Kundenwunsch aus. Der Lockdown habe diesen auf jeden Fall noch größer gemacht. Auch gebe es immer mehr sogenannte mobile Friseure. So ist das „Pfuschen“ dann noch leichter durchführbar.

Die Wirtschaftskammer betont, dass das Pfuschen bei Weitem kein Kavaliersdelikt ist. Sowohl dem Auftraggeber als auch dem Auftragnehmer können teure Klagen und Strafen drohen. Dennoch melden sich bei der Friseurinnung immer wieder Friseure, die von Kunden gedrängt werden, bei ihnen zu Hause schwarz zu arbeiten.