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„Es gab keine Saison, und wird keine geben“

14.02.2021 • 12:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Lech am Arl­berg: Wenige Skifahrer, nahezu leere Pisten. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Lech am Arl­berg: Wenige Skifahrer, nahezu leere Pisten. Stiplovsek

Wintergeschäft abgeschrieben, Vorbereitung für Sommer laufen.

Die Corona-Pandemie mitsamt der Reisewarnungen und des verlängerten Lockdowns in Deutschland hinterlässt ihre Spuren – auch im Schnee, der in diesem Winter so reichlich gefallen ist. In den großen Skigebieten wie in Lech am Arlberg, wo Touristen aus dem Ausland rund 80 Prozent der Besucher ausmachen, hat man das Wintergeschäft längst abgeschrieben. „Es gab keine Saison, und es wird auch keine mehr geben“, stellt Tourismusdirektor Hermann Fercher im NEUE-Gespräch unumwunden klar. Der kapitalintensive Betrieb seines Skigebiets rechnet sich mit nahezu ausschließlich einheimischen Gästen jedenfalls nicht, „Es wird nicht einmal das Benzin verdient, das man für die Pistenraupen benötigt“, bringt es Fercher auf den Punkt. Konkret beziffern will der Tourismusdirektor die Einbußen allerdings nicht. Dass sich an Ostern noch was tun könnte, daran glaubt Fercher nicht. In Lech bereitet man sich deswegen bereits auf die Sommer-, aber auch nächste Wintersaison vor. Erstere soll heuer vorverlegt werden und am 2. Juni starten. Laut Fercher überlegen sich einige Beherbergungsbetriebe, die normalerweise nur im Winter geöffnet haben, auch in den Sommermonaten in Betrieb zu gehen.

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Stiplovsek (3)

Etwas anders sieht es im viel kleineren Skigebiet Bödele-Schwarzenberg aus. Dort läuft das Geschäft sogar besser als im Vorjahr. „Die Besucherfrequenz ist bereits jetzt doppelt so hoch wie im vergangenen Winter“, rechnet Herbert Kaufmann, Vorstand der Dornbirner Seilbahn AG, vor. Allerdings litt das Naturschneegebiet im vergangenen Winter an akutem Schneemangel. Im Vergleich zu einer durchschnittlichen Saison sei man zu 70 Prozent ausgelastet, sagt Kaufmann.
Am Sonnenkopf im Klostertal, ebenfalls ein tagesgastlastiges Naturschneeskigebiet, hat man offenbar mehr zu kämpfen. Geschäftsführer Dietmar Tschohl will jedenfalls nicht von „einer Saison“ sprechen. Konkrete Zahlen will aber auch er nicht nennen. Nur so viel: „Der Geschäftsgang ist nicht gut.“

Interview mit FachgruppenObmann

Seilbahnen fahren nach Ferien weiter

Der Lockdown in Deutschland wurde bis 7. März verlängert, und für die Vorarlberger Hotels und Gastronomie gibt es noch keine Öffnungsperspektive. Wie lange werden die Seilbahnen unter den gegebenen Umständen noch weiterfahren?

Andreas Gapp: Ich habe mich diesbezüglich gerade gestern bei meinen Kollegen umgehört. Ein, zwei Rückmeldungen fehlen mir noch, aber grundsätzlich kann man sagen, dass alle Seilbahngesellschaften weitermachen werden. Einige davon werden ihr Angebot nach den Semesterferien wieder etwas zurückfahren.

Heißt das, dass die Skigebiete fix bis Ende Saison, also Ende April, geöffnet bleiben?

Gapp: Ob alle bis Ende Saison geöffnet bleiben oder in drei Wochen eines zusperrt, weil es keinen Sinn mehr macht, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Aus heutiger Sicht fahren alle weiter.

Es wird also von Woche zu Woche neu entschieden, ob und wie es weitergeht.

Gapp: Ob da jetzt jede Woche oder alle zwei Wochen neu entschieden wird, kann ich nicht sagen. Der 3. März, an dem in Deutschland wieder Beratungen zu den Corona-Auflagen stattfinden werden, ist sicher ein Datum, an dem man wieder mehr weiß.

Was bedeutet die Situation für das Sommergeschäft?

Gapp: Da werden die Karten gänzlich neu gemischt. Ich denke, dass wir einen Teil der alten Normalität zu-rückbekommen. Das heißt auch, dass die Menschen wieder reisen dürfen. Dann kommen unsere deutschen Nachbarn garantiert zu uns. Über die Sommernachfrage mache ich mir so gesehen keine Sorgen.

Überlegt man, den Sommerbetrieb früher zu starten?

Gapp: Wenn wir im April noch deutsche Gäste empfangen dürfen, dann ist es schon das Ziel, durchzufahren. Der Mai ist normalerweise kein Riesenmonat, aber ich glaube, das wird heuer anders sein. In der Krise muss man Tourismus neu denken. Denn die Lust zum Reisen und zum Rausgehen ist riesengroß.

Was bedeutet die ins Wasser gefallene Wintersaison wirtschaftlich?

Gapp: Dass die Seilbahnen in Betrieb gegangen sind, war eine gute Aktion So können die Einheimischen Ski fahren. Aber man muss kein Betriebswirt sein, um zu wissen, dass sich das niemals ausgehen kann. Wir sind ein Tourismusland, und wenn die Gäste nicht kommen können, fehlt uns allen das Geld.

Sie sind seit Herbst 2020 Fachgruppenobmann der Vorarlberger Seilbahnen. Ein schwieriger Start?

Gapp: Ja, es war schwierig. Aber auf der anderen Seite sind die Vorarlberger Seilbahnen in dieser Krise auch zusammengewachsen. Der Austausch mit den Kollegen funktioniert wirklich sehr gut.