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„Es tut einfach nur noch weh“

16.02.2021 • 11:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Mit ihrem Kostümverleih in Hard verwirklichte sich Bianca Sellge einen Traum.  <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Mit ihrem Kostümverleih in Hard verwirklichte sich Bianca Sellge einen Traum. Klaus Hartinger

Bianca Sellge über die Auswirkungen der Pandemie auf ihren Kostümverleih.

Von Theateraufführungen, über Feiern und Veranstaltungen bis hin zur fünften Jahreszeit – dem Fasching –, Bianca Sellge hat für jeden Anlass das passende Kostüm parat. Vor 36 Jahren hat sie den Kostümverleih Sellge in Hard gegründet. Angefangen mit lediglich 50 verschiedenen Verkleidungen sind es heute über 6000 Stück.

Eine gewaltige Auswahl, die sich über das 400 Quadratmeter große Kostümparadies erstreckt. Nicht umsonst bildet das Geschäft seit Jahrzehnten den Hotspot für „Mäschgaler“ aus ganz Vorarlberg. Doch was macht der Lockdown mit einem Geschäft, das von Feiern und Umzügen lebt, die nun schon seit einem Jahr fast ausnahmslos abgesagt werden mussten?

90 Prozent Umsatzeinbußen

Denn Theateraufführungen, Bälle, Faschingsumzüge – all das gab es im letzten Jahr nicht. Das bekommt auch Bianca Sellge deutlich zu spüren: Seit Beginn der Pandemie musste der Harder Kostümverleih Umsatzverluste von 90 Prozent verzeichnen.

Nur zu Weihnachten und in den vergangenen Tagen gab es einige Verkäufe, nämlich seit klar ist, dass die Kinder wenigs­tens zum wieder eingeführten Präsenzunterricht am heutigen Faschingsdienstag maskiert in die Schule gehen können. Verglichen mit den sonstigen Verkaufszahlen waren diese jedoch kaum der Rede wert. Und trotz geringer Förderungen bleibt der Großteil der Kosten an der Pensionistin hängen.

„Mir bleibt nichts anderes übrig als zu versuchen, den Kos­tümverleih durch meine eigene Rente und die Rücklagen am Laufen zu halten. Bei einer Geschäftsfläche von 400 Quadratmetern kommt da aber natürlich eine ordentliche Summe zusammen“, wie die Ladenbesitzerin nüchtern erklärt.

Auch ihre Mitarbeiter musste Sellge mittlerweile schweren Herzens entlassen. Zunächst habe sie noch versucht, die Kündigungen mithilfe des Kurzarbeit-Modells abzuwenden. „Doch irgendwann war es auch auf diesem Weg einfach nicht mehr finanzierbar, so schwierig mir diese Entscheidung auch gefallen sein mag“, erzählt die Geschäftsführerin und Inhaberin.

Todesstoß für Geschäfte

Exis­tenzängste hätte die Pensionisten zwar keine, jedoch plage sie die Unsicherheit, wie es mit ihrem Geschäft weitergeht. „Lokale Unternehmen haben es aufgrund von Amazon und Co. ohnehin schon schwer genug. Mit der Pandemie und den damit einhergehenden Maßnahmen als zusätzliche erschwerende Faktoren bedeutet das sicherlich für das eine oder andere Geschäft den Todesstoß.“

Ob auch ihr Kostümverleih zu den Opfern der Krise gehören wird, wagt Sellge noch nicht zu sagen. Ihr ist jedoch anzumerken, wie sehr sie unter der Ungewissheit über das weitere Bestehen des Kostümverleihs leidet. „Es ist einfach nur traurig. Man baut sich über Jahre hinweg aus dem Nichts ein Geschäft auf, und dann kommt ein Virus und macht alles kaputt. Das tut einfach nur noch weh.“ Und doch sammelt sie noch einmal jedes Fünklein positiver Energie und antwortet seufzend: „Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.“

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