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Spaziergang durch Hohenems

24.02.2021 • 14:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Die Schweizer Straße, das Jüdische Museum und das alte Rathaus sind nur einige der geschichtsträchtigen Orte in Hohenems. <span class="copyright">Glück</span>
Die Schweizer Straße, das Jüdische Museum und das alte Rathaus sind nur einige der geschichtsträchtigen Orte in Hohenems. Glück

Hertha Glück spaziert zum urbanen Kern der Stadt.

Mit dem Bahnhofsgebäude im Rücken, startet der Spaziergang durch Hohenems auf der Bahnhofstraße in Richtung Zentrum. Dabei fällt auf der rechten Seite gleich das Alte Krankenhaus (vom österr. Architekten Hanns Kornberger 1906-1908 erbaut)in der Kaiserin-Elisabeth Straße ins Auge. Nach zehn Minuten erstreckt sich vor einem der efeuumrankte Turm des „Neuen Rathauses“, ein ehemaliges gräfliches Gästehaus (1567 erbaut). Dahinter ragt ein etwa 150 Jahre alter Gingkobaum gen Himmel.

kurzbeschreibung

Besonderes: Nur ein kleiner Ausschnitt der Hohenemser Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten werden auf diesem Rundgang sichtbar. Einfach wiederkommen.

Anforderung und Gehzeit: In ein bis eineinhalb Stunden werden geringe Höhenmeter überwunden.

Charakter der Wege: alles Straße

Kultur und Natur: Altes Krankenhaus, Naturdenkmal Ginkgobaum, Altes und Neues Rathaus, Spanische Villa, Hl. Nepomuk, Nibelungenbrunnen, Renaissancepalast, Pfarrkirche St. Karl Borromäus, Marktstraße unter Ensembleschutz, Jüdisches Museum, Salomon-Sulzer-Saal, …

Anziehen und Mitnehmen: Wetterbeständige Kleidung und bequemes Schuhwerk

Start und Ende: Der Hohenemser Bahnhof

Einkehrmöglichkeiten: Hohenems

Das Naturdenkmal ist ein typischer Parkbaum, der heutzutage nur noch in einem kleinen Teil von China natürlich vorkommt. Gegenüber begeistert die Spanische Villa (1904-05 von Hanns Kornberger erbaut) im Jugendstil mit seinen orientalischen Fensteröffnungen.

Jüdisches Museum. <span class="copyright">Glück</span>
Jüdisches Museum. Glück

Am Schlossplatz angekommen schlüpft man dann rechts beim Valerian Hotel durch den Torbogen und nimmt die Brücke über den Emsbach. Der Straße folgend, findet sich bei der Abzweigung in die Sägerstraße das älteste noch erhaltene Privathaus im Zentrum von Hohenems. Heute beheimatet das 1602 erbaute Gebäude das Museum „Alte Zeiten“. Schräg gegenüber befindet sich das „Alte Rathaus“ aus dem Jahre 1632. Am Ende der Sägerstraße ist noch in Tüchern eingehüllt die Stoffels Säge-Mühle, die einen Extrabesuch verdient.

<span class="copyright">Stiplovsek</span>
Stiplovsek

Die Burgstraße zurück flanierend, wieder durch den Torbogen, steht man vor dem bunten Nibelungenbrunnen, der an die Auffindung der Nibelungenschriften C (1755) und A (1799) im Palast Hohenems erinnert.

Besonderheit

Im Palast Hohenems soll es nur so von Geistern gewimmelt haben. Im Tanzsaal und den oberen Stockwerken soll oftmals nachts fürchterlicher Krawall zu hören gewesen sein, dort, wo früher auch nackte Bälle abgehalten worden waren. So kam es auch, dass der alte Graf, der Vater des jetzigen, nicht mehr im Palast leben wollte und stattdessen in ein altes Haus in der Nähe der Post zog. Nur der Verwalter lebte weiterhin im Parterre des Palastes.

Vorbei am Renaissancepalast in Richtung Pfarrkirche St. Karl Borromäus geht es weiter zur Marktgasse, ein lückenlos erhaltener Teil jüdischer Geschichte und somit bedeutsames Kulturerbe – auch über die Grenzen Österreichs hinweg.
Die gut sichtbare Infotafel gewährt unter anderem Einblicke in die erste Buchdruckerei Vorarlbergs (1604), die Brauerei im ehemaligen Gasthaus Engelburg, wie auch in das Franz-Schubert- und das Nibelungen-Museum. Bei weitem jedoch nicht alle Museen oder Sehenswürdigkeiten, die es hier zu bestaunen gibt.

Hertha: Rundgang durch Hohenems
Hertha: Rundgang durch Hohenems

Kulturelles Erbe

Am Brunnen, am Eck zur Schweizer Straße, erinnert der „Engel der Geschichte“, eine schöne Eichenholz-Figur von Günther Blenke, an die Vereinigung der verschiedenen Kulturen und die historische Entwicklung der Marktgemeinde. Das Legge-Museum mit dem Musikleben von Stefan Zweig lässt wiederum eine andere Seite der Stadt erklingen. Zweigt man nun in die Schweizer Straße ab, bezeugen weitere Gebäude die Entwicklung Hohenems.
Denn im Jahre 1605 versprach ein Freibrief Gewerbetreibenden und Händlern Vergünstigungen und freie Bürgerschaft bei Niederlassung. Die Zuwanderer kamen von weit her und trugen, von Leibeigenschaft befreit, dazu bei, diesen Wirtschaftsstandort zu beleben.
Dies bezeugt heute noch das Jüdische Museum in der 1864 im neoklassizistischen Stil erbauten Villa Heimann-Rosenthal. Es ist ein Spaziergang zurück in das 18. und 19. Jahrhundert, mit gut erhaltenen, restaurierten Wohnhäusern jüdischer Familien, die ehemals religiösen oder sozialen Gemeindefunktionen dienten.
Darunter etwa die ehemalige Synagoge, der heutige Salomon-Sulzer-Saal mit Musikschule, die Mikwe (Ritualbad), das alte Schulhaus – welches nun ein Restaurant und einen Kultursaal beinhaltet – sowie das Armenhaus in der Jakob-Hannibal-Gasse, die hinter dem Jüdischen Museum abzweigt und direkt zur Bahnhofstraße und somit zum Ausgangspunkt zurückführt. Ein würdiger Abschluss, der zum Wiederkommen einlädt.

Blick in die Chronik

Der Beginn der Besiedlung im Raum Hohenems ist nicht bekannt. Seit Ende des 12. Jahrhunderts gehörte die Burg Altems zu den mächtigsten und größten Burganlagen im süddeutschen Raum. Im Jahr 1333 wurde Hohenems das Stadtrecht zuerkannt.

Bau einer Festung.

Mit der Eheschließung von Wolf Dietrich mit Chiara de Medici be­ginnt die Blütezeit der Emser Grafen: nachdem der Bruder ­Chiara de Medicis zum Papst gewählt wurde (Pius IV.), schlägt Wolf Dietrichs Sohn Markus Sitticus III. die geistliche Laufbahn ein und wird 1561 Kardinal in Rom („Kardinal Altemps“). Er beauftragt den Architekten Martino ­Longhi mit dem Bau des Palastes Hohenems.
Sein Bruder Jakob Hannibal ehelicht Hortensia Borromea, die Schwester des Kardinals Carlo Borromeo. Die Burg Altems wird in Folge zu einer starken Festung ausgebaut. Jakob Hannibals Sohn Graf Kaspar baut die Burg Glopper aus und gewährt den Juden Niederlassungsfreiheit.

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Glück

Mit dem Tod Graf Kaspars (1640) endet die Blütezeit der Emser Grafen. Im 17. Jahrhundert gab es Vertreibungen der Juden, aber nachdem den jüdischen Familien die Rückkehr gestattet wurde, kam es zum Bau einer Synagoge (heute Salomon-Sulzer-Saal, Musikschule tonart), eines Ritualbades (Mikwe), eines Armenheims (heute im Privatbesitz, Jakob-Hannibal Str. 8) und auch ein Friedhof wurde angelegt. 1765 kam es zum Erwerb der Grafschaft Hohenems durch Österreich. Von 1805 bis 1814 gehörte der Ort zu Bayern. Zum österreichischen Bundesland Vorarl­berg gehört Hohenems seit dessen Gründung 1861.
Quellen: hohenems.at, Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarl­berg, Richard Beitl, 1953, Infopoints unterwegs, Haustafeln.

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