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Entscheidung über „Mündliche“ noch offen

27.02.2021 • 12:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
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Archiv/Symbolbild/Neue

Frage & Antwort. In knapp drei Monaten beginnt die Matura.

1. Wann finden die schriftlichen und mündlichen Reifeprüfungen statt?
Elisabeth Mettauer-Stubler:
Die standardisierten Klausuren beginnen am 20. Mai 2021 mit Deutsch und enden am 31. Mai 2021. Die mündliche Matura ab 7. Juni, gestaffelt nach Schulen beziehungsweise Schultyp.

2. Wie schaut derzeit der Unterricht aus?
Mettauer-Stubler:
Aktuell befinden sich die Oberstufen im Schichtbetrieb, das heißt, die Hälfte jeder Klasse ist für jeweils zwei Tage pro Woche im regulären Präsenzunterricht und an den restlichen Tagen im Distance Learning. Viele Schulen arbeiten mit Hybrid-Unterricht, sodass der Unterricht nach Hause übertragen wird, und die Schüler, auch wenn sie im Distance Learning sind, am Präsenzunterricht der anderen Gruppe teilnehmen können. Es besteht zusätzlich die Möglichkeit, dass Maturaklassen am Freitag in Kleingruppen an die Schulen geholt werden können.

3. Die Schüler haben viel Unterrichtszeit verloren beziehungsweise 60 Prozent im Distance Learning oder Schichtbetrieb verbracht. Wie werden die Maturanten konkret auf die Prüfungen vorbereitet?
Mettauer-Stubler:
14 Tage vor der schriftlichen Reife- und Diplomprüfung findet wieder ein separater Vorbereitungsunterricht ausschließlich in den Maturagegenständen statt. Es gibt auch online sehr viel Material, das vom Bildungsministerium zur Verfügung gestellt wird (Klausurthemen der vergangenen Jahre, Beispiele in Mathematik etc.). Zudem gibt es seit Anfang Jänner zwei Förderstunden pro Woche für jede Maturaklasse. Die Schulen sind sehr bemüht, die Maturanten gut zu begleiten.

Elisabeth Mettauer-Stubler, Sprecherin der Bildungsdirektion, zur Matura 2021. <span class="copyright">VLK/Serra</span>
Elisabeth Mettauer-Stubler, Sprecherin der Bildungsdirektion, zur Matura 2021. VLK/Serra

4. Die mündliche Matura war letztes Jahr freiwillig. Wird das heuer auch der Fall sein?
Mettauer-Stubler:
Das Bildungsministerium hält derzeit an der Durchführung der mündlichen Matura fest. Eine endgültige Entscheidung wird abhängig vom weiteren Infektionsgeschehen und Schulbetrieb getroffen.

5. Wird es Erleichterungen bei der mündlichen Matura geben?
Mettauer-Stubler:
Die Themenbereiche der mündlichen Teilprüfungen werden an AHS eingeschränkt, wenn diese im Unterricht nicht ausreichend behandelt wurden. Die Reduktion darf maximal ein Drittel der ursprünglich vorgesehenen Themenbereiche betragen. Die Bekanntgabe gekürzter Themenbereiche erfolgt vier Wochen vor Ende des Unterrichtsjahres. In der BHS wird die Anzahl der Themenbereiche autonom am Standort festgelegt. Die Prüfungszeit bei den schriftlichen Klausuren wird zudem um jeweils 60 Minuten verlängert. Die Präsentationen der Vorwissenschaftlichen Arbeiten (VWA) und Diplomarbeiten sind freiwillig.

6. Schülervertreter forderten auch eine Stoffreduktion bei der schriftlichen Matura, weil im Zuge des Dis­tance Learnings weniger Stoff durchgemacht wurde. Wie steht die Bildungsdirektion dazu?
Mettauer-Stubler:
Die standardisierten schriftlichen Klausuren bleiben unverändert. Das war auch im vergangenen Jahr so. Es ist wichtig, dass die Maturaklassen in den kommenden zwei Monaten noch besonders unterstützt werden und den Schülern jede Förderung ermöglicht wird. Dann ist auch ein erfolgreiches Absolvieren der Prüfungen realistisch.

Reaktion

Landesschulsprecher hofft auf ein Einlenken

Für AHS-Landesschulsprecher Maximilian Kubesch sind die derzeit angedachten Matura-Erleichterungen zu wenig weitreichend. Er fordert einmal mehr, dass die mündliche Matura wie im Vorjahr nur freiwillig sein soll. „Ich hoffe wirklich sehr, dass der Bildungsminister hier noch einlenkt“, sagt der Schüler des BRG/Borg Schoren in Dornbirn auf NEUE-Anfrage. Zudem spricht sich Kubesch dafür aus, dass Schüler mit einem „Nicht Genügend“ auch heuer wieder automatisch in die nächste Klasse aufsteigen können. Grundsätzlich stellt der Landesschulsprecher fest: „Die Schüler sind aufgrund des Lockdowns fertig. Die bislang getroffenen Maßnahmen ignorieren das komplett.“ In diesem Zusammenhang zeige sich auch deutlich, dass es an schulpsychologischem Personal fehle.

7. Wird heuer die Jahresnote wieder in die Maturanote einbezogen?
Mettauer-Stubler:
Ja, die Jahresnoten werden in die Endbeurteilung der schriftlichen und der mündlichen Prüfungsgegenstände eingerechnet.

8. Wann und wie werden Schularbeiten durchgeführt?
Mettauer-Stubler:
Für die Durchführung von Schularbeiten gibt es aktuell zwei Möglichkeiten. Die Schularbeit findet im Schichtbetrieb statt, das heißt, Gruppe A und Gruppe B absolvieren sie an unterschiedlichen Tagen. Oder die Klasse schreibt die Schularbeit am selben Tag, in zwei Gruppen (Gruppe A und Gruppe B analog zum Schichtbetrieb) in getrennten Räumen.

9. Es heißt, die Lehrer sollen bei der Benotung mild vorgehen. Wie soll das konkret ablaufen?
Mettauer-Stubler:
Die Lehrpersonen sind sich bewusst, dass dieses Schuljahr eine besondere Ausnahmesituation für die Schülerinnen und Schüler darstellt und werden das auch bei der Benotung zu berücksichtigen wissen. Wichtig ist, dass alle gezeigten Leistungen in die Beurteilung einfließen. Das können Arbeitsaufträge sein oder die Mitarbeit im Distance Learning. Auch Kompetenzen im eigenverantwortlichen Lernen sind zu würdigen.

"Das Bildungsministerium hält derzeit an der Durchführung der mündlichen Matura fest", so Mettauer-Stubler. <span class="copyright">Archiv/APA/HANS KLAUS TECHT</span>
"Das Bildungsministerium hält derzeit an der Durchführung der mündlichen Matura fest", so Mettauer-Stubler. Archiv/APA/HANS KLAUS TECHT

10. Ab wann werden die angekündigten zwei zusätzlichen Förderstunden pro Woche (Klasse) schlagend? Und gelten sie für alle Kinder und Jugendlichen oder nur für jene mit Förderbedarf?
Mettauer-Stubler:
Für die Maturaklassen können die Förderstunden, wie bereits erwähnt, seit Anfang Jänner eingesetzt werden. Für alle anderen Klassen ist die Förderung seit Beginn des zweiten Semesters möglich. Dieses Kontingent kann von den jeweiligen Schulen flexibel dort eingesetzt werden, wo der Förderbedarf am größten ist.

11. Wie sollen Schüler in praxisorientierten Schulen ihre Abschlussprüfungen schaffen, obwohl sie seit März fast nur zu Hause waren?
Mettauer-Stubler:
Viele Schulen haben den Praxisunterricht zumindest zeitweise unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen auch während des Lockdowns in Kleingruppen durchgeführt (z.B. Berufsschulen, HTL, Tourismusschulen). Auch bei diesen Prüfungen kann der Prüfungsstoff reduziert werden. Die eingeschränkten Übungsmöglichkeiten für viele Schüler werden berücksichtigt.

12. Ist es in diesem Schuljahr wieder geplant, mit einem „Nicht Genügend“ automatisch in die nächste Klasse aufsteigen zu können?
Mettauer-Stubler:
Derzeit ist nicht davon auszugehen. Die Letztentscheidung dazu liegt beim Bildungsministerium.

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