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Die Spuren eines langen Lebens

28.02.2021 • 11:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Im Februar 2023 hat das Bad sein 40-jähriges Bestehen. <span class="copyright">Archiv/Hartinger</span>
Im Februar 2023 hat das Bad sein 40-jähriges Bestehen. Archiv/Hartinger

Die Liste der Mängel im Hallenbad Bregenz ist lang.

Das Bregenzer Hallenbad wird neu gebaut. Voraussichtlicher Baubeginn ist im kommenden Jahr, die Fertigstellung mit 2025 anvisiert. Dazu haben sich die Stadtvertreter aller Parteien geeinigt. Im Rahmen seiner Amtsübernahme als Stadtrat für Sport hat Michael Felder nun das Hallenbad besichtigt und sich einen Überblick über die Notwendigkeit des Neubaus geschaffen.

Alexander Fritz erklärt den Stadträten Veronika Marte und Michael Fel­der im Technikraum die Situation im Hallenbad. <span class="copyright">Hartinger</span>
Alexander Fritz erklärt den Stadträten Veronika Marte und Michael Fel­der im Technikraum die Situation im Hallenbad. Hartinger

Alexander Fritz, Bäderverantwortlicher der Stadtwerke Bregenz, führte den ÖVP-Stadtrat durch das in die Jahre gekommene Bürgerbad und zeigte schonungslos auf, warum ein Neubau unumgänglich ist.
„Trotz aller Mängel ist eingangs wichtig zu erwähnen, dass das Bad für den Fakt, dass es 38 Jahre alt ist, super in Schuss ist. Der Betrieb ist sicher und auch normkonform, aber es gibt doch gebäudetechnisch deutliche Abnutzungserscheinungen, die auf lange Sicht nicht mehr tragbar sind“, begann Fritz seine Einführung.
Ein großes Problem stellt die Dachkonstruktion dar. Die sogenannten Sheddächer sind von unten nicht erreichbar und nicht mehr dicht. Teilweise tropft es durch die Decke. Mit improvisierten Rinnen wird das Wasser dann abgeleitet, die undichte Stelle aber kann nur selten eruiert werden. „Wenn es heute regnet, dann fängt es drei Tage später an, irgendwo zu tropfen. Damit ist es unmöglich zu sagen, wo das Wasser eintritt. Im ganzen Bad haben wir sicherlich sechs solche improvisierten Ableitungen eingebaut.“

Alexander Fritz mit einer kaputten Filterklappe. Das Loch sollte nicht sein. <span class="copyright">Hartinger</span>
Alexander Fritz mit einer kaputten Filterklappe. Das Loch sollte nicht sein. Hartinger

Heizelemente

Die Fensterrahmen des Sheddachs (Abb. 1) sind gleichzeitig Heizelemente, durch die Heißwasser gepumpt wird. Erste Rahmen haben Lecks und mussten somit stillgelegt werden. „Derzeit fällt das noch nicht so sehr ins Gewicht, aber wenn noch weitere ausfallen, wird das problematisch“, erklärt Fritz.

Abb.1: Die Rahmen sind nicht mehr dicht. <span class="copyright">Hartinger(2)</span>
Abb.1: Die Rahmen sind nicht mehr dicht. Hartinger(2)

Gleiches gilt für die großen Fensterrahmen an der Seite des Gebäudes. Auch sie dienen zur Heizung der Schwimmhalle. Sollten diese großen Elemente das Heizwasser nicht mehr halten können, muss der Betrieb eingestellt werden, weil das komplette Heizwasser auslaufen würde und es kein Ventil gibt, das einfach zugedreht werden kann. Vor drei Jahren mussten vier Scheiben getauscht werden, die Sprünge hatten. Was zum Vorschein kam, überraschte den Bäderverantwortlichen doch sehr (Abb. 2). „Die Fenster sind unten und oben eingehängt und seitlich mit einem Schaum fixiert worden. Als wir das Fens­ter herausnahmen, hatten wir statt der Metallhalterung nur noch ein paar Rostbrösel in der Hand. Dadurch ist keine Gefahr in Verzug, aber es zieht natürlich rein, weil die Isolierung nicht mehr gegeben ist“, klärt Fritz auf.

Abb.2: Nur noch Brösel wo eigentlich ein Metallrahmen sein sollte.
Abb.2: Nur noch Brösel wo eigentlich ein Metallrahmen sein sollte.

Aufgrund ihrer Heizfunktion können die Metallstreben zwischen den großen Fensterscheiben nicht renoviert werden. „Wir trauen uns nicht mehr, sie abzuschmirgeln, weil natürlich dadurch ein Leck entstehen kann, das dann wiederum den Betrieb gefährdet“, sagt Fritz.
Auch einen Stock tiefer in den großen Technikräumen sieht es nicht besser aus. Ein alter Filterkessel (Abb. 3) musste stillgelegt werden. Da dieser aufgrund der Verbauung nicht ersetzt werden kann und somit einen Totalausfall bedeutet, muss mehr Wasser verwendet werden, um die Qualität sicherzustellen. In Bezug auf den Umweltschutz eine nicht gerade förderliche Maßnahme und natürlich kein Dauerzustand.

Abb.3: Der stillgelegt Filterkessel. <span class="copyright">Hartinger</span>
Abb.3: Der stillgelegt Filterkessel. Hartinger

Kein Platz für Schüler

Die Probleme bestehen aber nicht nur in der Gebäudesubstanz, sondern auch in den Räumlichkeiten selbst. So ist die Beckenbelegung ein großes Problem. Obwohl Schwimmen im Lehrplan steht, können viele Schulklassen aufgrund der Platzverhältnisse das Hallenbad nicht nutzen. Das soll in der neuen Schwimmhalle, die auf der jetzigen Strandbad-Spielwiese errichtet werden soll, anders werden. In den vergangenen Jahren hatte das Bad einen Besucherschnitt von 92.000 Badegästen. Im Neubau soll dieser Wert deutlich auf 172.000 Besucher gesteigert werden. „Mit dem richtigen Zeitmanagement und Organisation können wir Schulen Schwimmunterricht anbieten, was bisher nur bedingt der Fall war. Wir hatten immer wieder Anfragen, die wir ablehnen mussten, weil wir den Kindern aufgrund der Belegung keine Bahn anbieten konnten“, erläutert Fritz.
Spätestens 2025 sollen diese Probleme der Vergangenheit angehören. Bis dahin bleibt das alte Bad in Betrieb, bevor es in den wohlverdienten Ruhestand geschickt wird.

Das Siegerprojekt Hallenbad Bregenz.<span class="copyright"> Stadt Bregenz</span>
Das Siegerprojekt Hallenbad Bregenz. Stadt Bregenz

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