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Lassen die Zahlen eine Öffnung zu?

28.02.2021 • 15:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Lassen die Zahlen eine Öffnung zu?

Regierung legt sich nicht fest, ob es im März zu Lockerungen kommt.

Etwas überraschend ist angesichts der stark steigenden Infektionszahlen vor allem im Osten, dass man von einem stabilen Infektionsgeschehen spricht. Heute wurde ein neuer Sonntagsrekord an Neuinfektionen verzeichnet: Innen- und Gesundheitsministerium meldeten 2.123 neue Fälle in 24 Stunden ein. Seit Jahresbeginn hatte es an Sonntagen nie mehr als 2.000 Fälle gegeben. Die Sieben-Tages-Inzidenz stieg auf 158.

Schon am Samstag waren 2.457 Neuinfektionen verzeichnet worden. Das ist in etwa das Doppelte der Zahlen vor der Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts und der Öffnung des Handels vor drei Wochen. In Wien wurden am Samstag 769 Infektionen gemeldet. Das ist fast das Vierfache des Werts vom Ende des strikten Lockdowns.

Dennoch heißt es aus der Regierung, dass die Öffnungsschritte vom 8. Februar mit den damit verbundenen Tests bisher noch keinen massiv ansteigenden Trend in der Entwicklung der Neuinfektionen zeigten. Allerdings seien die Zunahmen der vergangenen Tage mit aller notwendigen Aufmerksamkeit genau zu analysieren und in den Beratungen über weitere Schritte jedenfalls zu berücksichtigen. Man wolle die jetzige stabile Situation nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.

Entscheidend ist vor allem der Blick auf die Spitäler: Ein Anstieg der Intensivpatienten könnte alle Hoffnung auf einen Beginn von einem Ende der Corona-Einschränkungen auf einen Schlag zunichte machen.

Die Fachleute, die am Montag ins Kanzleramt geladen sind, kennt man bereits. Am Montag sind unter anderem folgende Experten dabei:

Diese Experten werden, wie schon zuletzt, auch bei den Beratungen mit der Opposition sowie mit den Landeshauptleuten dabei sei. Bundeskanzler Sebastian Kurz und Gesundheitsminister Rudolf Anschober zögern mit einer Öffnung. Zuletzt bekamen sie Rückendeckung von SPÖ-Chef Pamela Rendi-Wagner. Druck macht hingegen die Wirtschaftskammer. Deren Generalsekretär Karlheinz Kopf ist nach wie vor zuversichtlich, dass Gastronomie und Hotellerie ab 15. März aufsperren können. Die Branche habe entsprechende Prventionskonzepte erarbeitet, um ein “sicheres Öffnen” zu ermöglichen.

Die Lage für die Regierung ist einigermaßen kompliziert. Die Wirtschaft macht massiv Druck, z.B. die Gastronomie mit Eintrittstests zu öffnen. Dazu kommen die gesamte Kulturwelt, die wieder ihre Arbeit aufnehmen will. Nicht zuletzt drängen die Sportorganisationen auf Lockerungen im Amateur- und Freizeitbereich. Auch mehrere Landeshauptleute hatten sich in den vergangenen Tagen mit Öffnungswünschen hervorgetan, sowohl aus der ÖVP wie Thomas Stelzer (Oberösterreich) und Johanna Mikl-Leitner (Niederösterreich) als auch aus der SPÖ wie Hans Peter Doskozil (SPÖ).

Schwelle: 7-Tages-Inzidenz von 200

Auf der anderen Seite stehen die medizinischen Experten, die zum größten Teil angesichts der offenkundig ansteckenderen britischen Variante, die das Infektionsgeschehen bereits dominiert, vor Lockerungen warnen. Ganz im Gegenteil hat die Ampel-Kommission sogar eine Rücknahme empfohlen, sobald eine bundesweite Inzidenz von 200/100.000 Einwohner erreicht ist. Mit dem heutigen Sonntag liegt sie bei 158, wobei sie sich in Niederösterreich und dem Burgenland schon der 200er-Marke näherte. Zu beachten ist dabei, dass sich die britische Variante zunächst im Osten breit gemacht hatte.

Einen gewissen Effekt bei der Zunahme der Fallzahlen hat auch der Ausbau der Tests. Österreich führe mittlerweile pro Woche rund 2,5 Millionen Tests durch und befinde sich so im weltweiten Spitzenfeld, freut sich die Regierung.

Tests als Voraussetzung für Öffnung

Die gestiegene Bereitschaft der Bevölkerung, sich regelmäßig testen zu lassen, ist gleichzeitig der Anker für eine mögliche Öffnung: Über entsprechende Bedingungen, wie etwa für den Friseurbesuch, kann diese Bereitschaft noch gesteigert werden. Die Gastro, der Kulturbereich, der organisierte Freizeitsport bieten sich dafür an.

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