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Spaziergang durch das Ried in Lauterach

02.03.2021 • 11:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Vereinzelte Hütten symbolisieren die aktive Landwirtschaft. <span class="copyright">Hertha Glück</span>
Vereinzelte Hütten symbolisieren die aktive Landwirtschaft. Hertha Glück

Hertha Glück spaziert vom Harder Ried zum Jannersee.

Beim Bahnhof in Hard beginnt die gemütliche Rundwanderung. Mit dem Bahnhofseingang im Rücken wendet man sich rechts ab, passiert die Unterführung der Bahngleise und zweigt wieder links ab. Vor dem Oldtimer Feuerwehrhaus führt rechts der Bommerweg in Richtung Jannersee Lauterach (35 Minuten).

Geradeaus auf dem schmalen Weg zwischen den Häuserzeilen gelangt man zur Straße und zweigt abermals rechts ab. Links und darauf gleich wieder rechts steht man in der Flur Kotterfelder (398 m) und nähert sich raschen Schrittes dem Europaschutzgebiet Lauteracher Ried. Der Straße entlang betritt man eine unglaubliche Weite, die von einem hohen Bergkranz begrenzt wird.

Links ab nähert man sich dem Ried und wird nochmals auf die Verhaltensregeln im Naturschutzgebiet aufmerksam gemacht, besonders auf die Leinenpflicht für Hunde wegen den Bodenbrütern und dem Wildwechsel. Gräben, Wiesen, alte Bäume, Sträucher, einzelne Hütten und unzählige Vögel, das ist das Lauteracher Ried.

Nicht selten sind in den tiefen Gräben im Ried Enten anzutreffen.<span class="copyright"> Hertha Glück</span>
Nicht selten sind in den tiefen Gräben im Ried Enten anzutreffen. Hertha Glück

Pflanzen- und Vogelvielfalt

Heute prägt die Landwirtschaft das Gebiet. Es gab aber auch eine Zeit, in der Schollen gestochen wurden – Torf, der als Einstreu oder Brennmaterial diente. Noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts saßen Birkhühner auf den Gestellen, die für die Trocknung der Torfschollen errichtet wurden. Die Birkhühner sind heute ebenso verschwunden wie die Torfgewinnung der Vergangenheit angehört.

Immer noch ist das Gebiet jedoch ein wichtiger Lebensraum für eine bemerkenswerte Pflanzenvielfalt und eine einzigartige Vogelwelt – vor allem für Wiesenbrüter wie Brachvogel, Uferschnepfe, Bekassine, Kiebitz. Sogar der europaweit vom Aussterben bedrohte Wachtelkönig ist zu hören und zu beobachten. Neben vielen anderen seltenen Vogelarten sind auch Lerchen, Schwarz- und Braunkelchen und Schafstelze hier noch heimisch. In der südlichen Kernzone des Lauteracher Rieds befindet sich der Großteil der wegen ihrer Artenvielfalt streng geschützten Streuwiesen. Nicht weniger als 230 Pflanzenarten wurden auf diesem Flächen gezählt, unter ihnen seltene Orchideenarten wie Knabenkraut, Handwurz und Sumpfstendel.

Zugleich streift diese Route auch den Poesieweg, der Literaturherzen mit Gedichten erfreut. Es sind insgesamt zwölf Tafeln in Form von Birken- und Eichenblättern, die Hauptbaumarten des Lauterachers Rieds. Dieser geraden Straße folgend erreicht man in gut zwanzig Minuten den idyllisch gelegenen Jannersee. An der Stelle des heutigen Badesees wurde 1959 bis 1961 durch die Firma Janner Kies abgebaut.

Eine der zwölf Gedichttafeln des Poesieweges im Lauteracher Ried. <span class="copyright">Hertha Glück</span>
Eine der zwölf Gedichttafeln des Poesieweges im Lauteracher Ried. Hertha Glück

Rückweg

Dem Wegweiser in Richtung Mittelweiherburg folgend, hat man den Pfänderrücken im Blick und nimmt eigentlich schon wieder den Rückweg unters Schuhwerk. Bei Bleiche zweigt man links ab, und erreicht auf dem Bleicheweg in fünfzehn Minuten Lerchenau. Was für ein schöner Rückweg über kleine Brücken, entlang von Birken und Weiden auf einem schmalen Wiesenweg. Enten gaukeln in kleinen Tümpeln.

So nähert man sich dem Klosterhof Lerchenau. Nur kurz geht man entlang der Straße, quert die Straße zum Falkenweg und steht schon wieder vor dem Oldtimer Feuerwehrhaus und in Bälde beim Bahnhof Hard oder auch bei der Bushaltestelle.

Nun aber noch einen würdigen Blick in die Chronik des Ortes geworfen:
Lauterach wurde erstmals geschichtlich unter dem Namen „Lutaraha“ im Jahr 853 erwähnt. 1618 wurde Lauterach zur Pfarre erhoben und somit von Bregenz abgetrennt. Bis 1806 gehörte Lauterach zur Region Hofsteig, der Sitz des Hofsteiggerichtes befand sich in Lauterach. 1985 wurde Lauterach zur Marktgemeinde erhoben.

Jahrtausende alte Landschaftsgeschichte

Als sich die Gletscher nach dem Ende der letzten Eiszeit vor über 10.000 Jahren zurückgezogen hatten, blieb der nacheiszeitliche „Rheintal-Bodensee“ zurück, der einst weit in das heutige Rheintal hinauf reichte.

Der Rhein und seine Seitenflüsse lagerten große Mengen an Sand und Kies ab, wodurch der See allmählich verlandete. Übrig blieben flache Gewässer und sumpfige Senken mit reichem Pflanzenwuchs. Sauerstoffarmut verhinderte, dass sich abgestorbene Pflanzen zersetzten, wodurch im Laufe von Jahrtausenden nach und nach Torf entstand.

Im Lauteracher Ried sind die größten Torflager Vorarl­bergs erhalten. Bis zu sechs Meter mächtig sind die Torfschichten – kein Wunder, dass das Gebiet gemeinsam mit dem Koblacher Ried im 19. Jahrhundert zu den Zentren des Torfabbaus in Vorarlberg zählte.

Der idyllisch gelegene Jannersee inmitten dem Europaschutzgebiet Natura 2000. <span class="copyright">Hertha Glück</span>
Der idyllisch gelegene Jannersee inmitten dem Europaschutzgebiet Natura 2000. Hertha Glück

Naturschutzgebiet

Natura 2000 ist ein europaweites Netzwerk besonders wertvoller Gebiete mit dem Ziel, gefährdete Pflanzen- und Tierarten zu schützen und deren natürliche Lebensräume dauerhaft zu erhalten.

Vom Atlantik über die Alpen bis ans Schwarze Meer erstreckt sich so ein beeindruckendes und das weltweit größte Netz an Schutzgebieten. Das Lauteracher Ried erstreckt sich im nördlichen Rheintal zwischen Dornbirnerach, Lauterach und Hard.

Während der nördliche Teil mit seinem großen Baumbestand an Birken und Eichen einen nahezu parkartigen Charakter vermittelt, öffnet sich das Ried in Richtung Süden zu einer weitläufigen, gehölzarmen Moorlandschaft.

Quellen: naturvielfalt.at, lauterach.at