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Umgebung beeinflusst die Ernährung

04.03.2021 • 06:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Für viele Menschen stand eine gesündere Ernährung in Zeiten von Corona hoch im Kurs. <span class="copyright">Symbolbild/Stiplovsek</span>
Für viele Menschen stand eine gesündere Ernährung in Zeiten von Corona hoch im Kurs. Symbolbild/Stiplovsek

Ernährungsberater Daniel Keckeis über verändertes Essverhalten.

Es gibt wohl kaum einen Bereich des alltäglichen Lebens, der sich in Zeiten der Corona-Krise nicht verändert hat. Auch im Bezug auf das Essverhalten gab es einen klaren Wandel, wie Ernährungsberater Daniel Keckeis erklärt. „Das bekomme ich auch in meinem eigenen Berufsalltag immer wieder aufs Neue zu spüren.“ Der Ernährungsberater beschreibt die Tendenzen seiner Patienten in zwei komplett gegenteilige Extrem-Bereiche. „Die einen berichten, sie hätten sich in letzter Zeit kaum vom Kühlschrank wegreißen können und die anderen wiederum setzen sich dafür mehr denn je mit der Qualität des Essens auseinander“, erklärt der Fachexperte seinen eigenen Eindruck.

Ausschläge in beide Richtungen

Konkrete Zahlen zu der diesbezüglichen Situation gebe es in Vorarlberg derzeit noch keine. „Doch dafür gibt es eine sehr aufschlussreiche Studie aus Deutschland, im Zuge derer 1000 Eltern, von denen sich etwa 60 Prozent im Homeoffice befanden, zu ihrem Ernährungsverhalten und dem ihrer Kinder befragt wurden.“ Und diese sollte die Beobachtungen von Keckeis bestätigen.
So fiel das Ergebnis, dass die Mehrheit der Befragten angaben, sich in Zeiten von Corona gesünder zu ernähren und öfters zu Hause zu kochen, nicht sehr überraschend für den Experten aus. Ein Drittel der Befragten hingegen hätten nach eigener Aussage in dieser Zeit an Gewicht zugelegt.
Bei den Kindern habe sich zwar der Konsum von Gemüse und Obst um 14 bis 20 Prozent erhöht, doch auch jener von süßen und salzigen Snacks ist um knapp 20 Prozent gestiegen.

3 Experten-Tipps…

… für einen gesünderen Lebensstil

1. Eifert keiner Person auf Social Media nach. Dabei handelt es sich zumeist mehr um Schein als Sein, besonders jene, die täglich irgend ein Körperteil in die Kamera halten.

2. Nehmt euch Zeit für eure Ernährung und Bewegung. Versucht nicht, alles von heute auf morgen zu verändern, sondern lasst es langsam angehen. Step-By-Step.

3. Achtet unbedingt auch auf euren Stresspegel und gönnt euch Zeit für euch selbst.

Dem Ernährungsberater zufolge seien diese Änderungen des Essverhaltens klar auf die Corona-Krise und den damit einhergehenden Lockdown zurückzuführen.
„Die Umgebung beeinflusst unsere Ernährung mehr, als wir uns bewusst sind. Sitzt man im Homeoffice zu Hause, hat man auf einmal das Verlangen, in den kürzesten Zeitabständen zu kontrollieren, ob etwas Neues im Kühlschrank zu finden ist. Solche Möglichkeiten bieten sich im Betrieb im Normalfall eher nicht“, erklärt Keckeis besonders in Bezug auf den ausgeprägteren Drang nach Lebensmitteln.

Alte Gewohnheiten lassen sich auch nicht so schnell "überschreiben", so der Ernährungsberater. Privat/Keckeis
Alte Gewohnheiten lassen sich auch nicht so schnell "überschreiben", so der Ernährungsberater. Privat/Keckeis

Erschwerend hinzu käme gerade in diesem Bereich außerdem die eigene Gefühlswelt. Stress, Langeweile oder auch das Bedürfnis nach einer Pause wecken in Menschen das Verlangen, sich eine kurzweilige Erleichterung zu verschaffen – etwa durch den Konsum von Nahrungsmitteln.
Um diesen Versuchungen widerstehen zu können, sei es Keckeis zufolge wichtig, die eigene Situation bewusst genauer unter die Lupe zu nehmen, zu hinterfragen: „Ist diese Umgebung förderlich für mich oder nicht?” und dementsprechende Veränderungen vorzunehmen.

Alte Gewohnheiten

Doch wie steht es um das andere von dem Experten erwähnte Extrem: Den bewussteren Umgang mit Lebensmitteln. Wird dieser auch nach der Krise weiterhin die Essenskultur der Vorarlberger prägen? „Das wird sich zeigen. Man steckt schneller wieder in alten Gewohnheiten, als einem lieb ist. Oft wurde ein bestimmtes Verhalten über Jahrzehnte geprägt, das lässt sich nicht einfach ‚überschreiben‘.“

Erfahrungen von lokalen Bio-Läden

Corinna Amann, Inhaberin von „Cori’s plastikfreier Laden“, Satteins

Seit Beginn der Pandemie verspüren wir verstärkt einen Run auf Biomehl, da sich das Backen in Zeiten des Lockdowns immer größerer Beliebtheit erfreut. Aber auch Allgemein sind die Vorarlberger immer mehr auf der Suche nach unverpackten Bio-Lebensmitteln. Meiner Meinung nach könnte das daran liegen, dass viele nun aufgrund der Krise mehr Zeit in den eigenen vier Wänden verbringen, es bleibt viel Zeit zum Ausprobieren neuer Rezepte. Auch der Klimawandel kommt dazu und immer mehr Menschen ist es wichtig, woher ihre Lebensmittel kommen und wie diese produziert werden. Unsere Kunden achten auch auf ihre Gesundheit und vertrauen dabei darauf, dass in Bioprodukten weniger schädliche Zusatzstoffe enthalten sind.

Tamara Rohner, Obfrau des Bioladens „dreierlei“ in Wolfurt

Bio-Lebensmittel sind in der heutigen Zeit gefragter denn jemals zuvor. Und gerade in Zeiten wie diesen liegt es unseren Kunden besonders am Herzen, auf biologische und regionale Produkte zu setzen. Es zeigt sich hier eine hohe Solidarität unseren Landwirten gegenüber. Die typischen Hamsterkäufe wurden jedoch eher in anderen Geschäften getätigt.

Wünschenswert sei es jedoch allemal. Denn obwohl auch Keckeis als Ernährungswissenschaftler zugeben muss, „dass die Ernährung nicht das Allheilmittel ist, immerhin spielt daneben auch unsere Genetik und Umwelt eine wichtige Rolle, welche wir kaum beeinflussen können“. So könne dennoch mit einer entsprechenden Ernährung der eigene Zustand sowohl ins Positive als auch ins Negative gerückt werden.
Dies würde dem Experten auch immer wieder in seinen Betratungsgesprächen vor Augen geführt: „Viele wünschen sich, sie hätten bereits früher mehr Zeit in die Ernährung investiert, denn eigentlich ist dies kein so aufwendiger Prozess, wie manch einer glauben mag. Getreu dem Sprichwort: ‚Wer keine Zeit für seine Gesundheit hat, wird später viel Zeit für seine Krankheiten brauchen‘.“

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