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Erst in Kurzarbeit, jetzt heim an den Herd

07.03.2021 • 13:04 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Erst in Kurzarbeit, jetzt heim an den Herd

Für viele Frauen dürften die Einschnitte der Pandemie weit tiefer gehen.

Die Doppelrolle der Frauen hat einen Preis. Einen Hohen. Wenig eigenes Geld, viel Familienarbeit, das Risiko von Altersarmut. Nicht erst seit Corona. Aber die Pandemie macht sehr vielen Frauen einen noch größeren Strich durch alle Rechnungen als Männern.

Jammern hilft bekanntlich nicht, dass der Hut längst brennt, wissen die Arbeitsmarktexperten. Die Regierung schüttet deshalb gerade zusätzliches Geld in Qualifizierungsmaßnahmen nur für Frauen. Was gut und sinnvoll ist, bedarf allerdings einer Fußnote: Es sind 5,5 Millionen zusätzlich locker gemacht worden, insgesamt sind es jetzt 60,5 Millionen, die das AMS für ein eigenes Frauenprogramm zur Verfügung hat. So viel wie noch nie. Aber das Geld fließt nur für handwerklich-technische Ausbildungen. Heruntergebrochen auf die Länder geht es um Hunderte Stellen.

Wirkt sich auf Lebenseinkommen stark aus

Das Problem ist viel größer. Sowohl in Zahlen als auch im Denken. Im Jahresschnitt waren im Corona-Jahr in der Steiermark 44,7 Prozent mehr Frauen arbeitslos als 2019, konkret 21.596 Frauen. In Kärnten sind es 12.760, knapp 32 Prozent mehr. Stellt man die Zahlen vom Februar 2020 und Februar 2021 gegenüber, zeigt sich, dass die Männer mehr Glück im Unglück als Frauen hatten. Bei ihnen sind 17,7 Prozent mehr auf Jobsuche, 32,2 Prozent mehr sind es bei den Frauen. So ähnlich sind sich die Steiermark und Kärnten selten: 35,6 Prozent mehr Frauen sind im Februar-Vergleich in Kärnten arbeitslos gemeldet, 18 Prozent sind es bei Männern.

Der Lockdown ab November hat auch die Betroffenheit bei der Kurzarbeit auf den Kopf gestellt. Die Frauen sind jetzt mit zwei Dritteln in der Mehrheit, vorher war es umgekehrt. „A la longue wird sich die Krise auf das Lebenseinkommen von Frauen besonders stark niederschlagen“, fürchtet Christina Lind, stellvertretende Leiterin des steirischen AMS.

„Wir hatten bis zur Pandemie bescheidene Erfolge, die Einkommensschere ist kleiner geworden, die Beschäftigung von Frauen ist gestiegen und ihre Ausbildung ist heute viel besser“, sagt Ingrid Moritz, Leiterin der Abteilung Frauen und Familie in der Arbeiterkammer Wien. „Jetzt ist die Gefahr groß, dass es bei vielen heim an den Herd geht in die versteckte Arbeitslosigkeit. Um das zu verhindern, müssen sich die gesamten Systeme bewegen.“

Was kann sich bewegen? Gut 50 Prozent aller Frauen arbeiten Teilzeit. „38 Prozent der Frauen begründen das mit der Kinderbetreuung“, sagt Heike Lechner von der Agenda Austria. „Bei Männern ist das mit 5,4 Prozent der letzte Grund für Teilzeit.“

„Das ist sehr schwer verständlich“

In Skandinavien ist Teilzeit kein Karrierekiller, die Kinderbetreuung flächendeckend gut, halbe-halbe bei der Hausarbeit normal, die Arbeitswelt auf Familien ausgerichtet. Es ist auch hier keine Illusion, dass sich gute Unternehmen – vielleicht in Kooperation mit anderen – um Betriebskindergärten und Top-Weiterbildung für Teilzeitkräfte kümmern können. Viele Firmen haben Pläne für Frauenförderung, die ÖBB jetzt sogar eine echte Frauenquote.

Wer öffentliches Fördergeld will, sollte verpflichtet werden, messbar mehr Frauen in höheren und hohen Positionen zu beschäftigen. Familienbeihilfe könnte einfach nur auf dem Konto der Frau landen. Bildungsschecks könnten nicht zuletzt für Finanzbildung eingesetzt werden. Und Finanzbildung der einfachsten Art könnte lauten: Ansparpläne starten und sie nie stoppen, keine Bürgschaften für Partner unterschreiben und lernen, Geld zu lieben. Eva-Maria Weidl, Top-Bankerin im Bankhaus Spängler und Vorstand im Verband Financial Planners: „Warum es Frauen oft so fremd ist, gute Jobs und gutes Geld zu wollen, ist sehr schwer verständlich.“