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Der Täter steht ab heute vor Gericht

08.03.2021 • 17:26 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Derek Chauvin, rechts auf dem Bild
Derek Chauvin, rechts auf dem Bild AFP

Verfahren startet unter strengen Sicherheitsvorkehrungen.

Black lives matter: Der ehemalige Polizist Derek Chauvin steht ab heute in Minneapolis für den mutmaßlichen Mord an George Floyd vor Gericht. Bringt der Prozess den Kampf gegen die Diskriminierung von Afroamerikanern in den USA voran? Schon am Wochenende wurde – friedlich – für Gerechtigkeit protestiert.

Paul Butler, ehemaliger US-Staatsanwalt und Professor der renommierten Georgetown-Universität in Washington, weist in der “Washington Post” auf die grundsätzliche Schwierigkeit bei Verurteilungen von Polizisten in den USA hin. Butler, selbst Afroamerikaner, spricht von einer „blauen Mauer des Schweigens“ – in Anspielung auf die blauen Uniformen der Polizisten.

Die Kooperation von Polizisten, die bei derartigen Fällen oft die Hauptzeugen sind, sei in der Regel „unkooperativ bis feindlich“, sagt Butler. Dies gelte sogar für die Geschworenen, die letztlich über den Schuldspruch entscheiden. „Selbst, wenn die Geschworenen davon überzeugt sind, dass eine Straftat begangen wurde, verurteilen sie den Angeklagten oft nur widerwillig, weil sie denken, dass es unfair sei, einen Polizeibeamten zu verurteilen, der Fehler beging, als er versuchte, seinen Job zu machen”, führt Paul Butler aus.

Der Täter steht ab heute vor Gericht
Vor dem Gericht in Minneapolis wird seit dem Wochenende immer wieder – friedlich – demonstriertAPA

Prozessbeginn

Heute beginnt in Minneapolis der Prozess gegen jenen Polizisten, unter dessen Knie der Afroamerikaner George Floyd starb. Dass der angeklagte Polizist Derek Chauvin schon in der Vergangenheit Härte und Unnachgiebigkeit zur Schau trug, zeigen Recherchen der „New York Times“. Die Organisation “Communities Against Police Brutality” trug knapp zwei Dutzend Beschwerden über den 44-jährigen Beamten zusammen. Vermerkt wurden Zwischenfälle mit „abfälliger Sprache“ oder „herablassendem Ton“, die zu mündlichen Ermahnungen führten, zweimal schickte man Chauvin allerdings auch eine schriftliche Verwarnung.

Der Täter steht ab heute vor Gericht
“Ich kann nicht atmen”APA

Doch seine Unerschrockenheit in brenzligen Situationen brachte dem seit fast 20 Jahren im Einsatz stehenden Polizisten auch Respekt ein. Für Festnahmen bewaffneter Bandenmitglieder, Einsätze bei häuslicher Gewalt und die Überwältigung eines Verdächtigen, der ihn mit einer Schrotflinte bedrohte, wurde Chauvin belobigt und mit Tapferkeitsmedaillen ausgezeichnet.

Am 26. Mai 2020, einen Tag nach George Floyds Tod, wurde er schließlich entlassen. An diesem Tag reichte auch seine Frau seine Scheidung ein. Sie könne nach der Tat ihres Mannes nicht mehr mit ihm zusammenleben, hatte sie US-Medien erklärt.

Wegen Mord zweiten Grades, also schwerem Totschlag, muss sich Derek Chauvin, der gegen Kaution auf freiem Fuß ist, ab heute vor Gericht verantworten. Mit einem Urteil wird in dem aufsehenerregenden Fall erst in ein paar Monaten gerechnet. Bei einem Schuldspruch drohen ihm bis zu 40 Jahre Haft. Für einen Schuldspruch gegen Chauvin ist ein einstimmiges Votum der zwölf Geschworenen nötig.

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