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Geht den Fitnesscentern die Kraft aus?

11.03.2021 • 12:03 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Branchensprecher Manfred Scheel fordert Lockerungen im Fitnessbereich. <span class="copyright">Hartinger</span>
Branchensprecher Manfred Scheel fordert Lockerungen im Fitnessbereich. Hartinger

„Home of Balance“-Schließung sorgt für Aufsehen in der Branche.

Während es in Deutschland mittlerweile eine Öffnungsperspektive für Fitnesscenter gibt und sie in Hessen unter strengen Auflagen sogar schon geöffnet haben dürfen, befinden sich die hiesigen Studios nach wie vor im Lockdown. Ein Ende ist noch nicht in Sicht und im Falle einer Öffnung muss wohl weiterhin mit strengen Maßnahmen im Fitnessbereich gerechnet werden. Eben aus diesen Gründen – so lautet zumindest die offizielle Version –, schließt nun eines der größten Fitnesscenter im Land, das „House of Balance“ in Dornbirn, für immer seine Pforten. Könnte dies ein Vorbote für ein großes Studio-Sterben im Land sein? Das könne man jetzt noch nicht sagen, meint WKV-Fachgruppengeschäftsführer Martin Grießmayr. „Herausstellen wird sich das erst, wenn die Förderungen eingestellt werden.“ Insolvenzen seien ihm bis dato keine bekannt, sagt Grießmayr, der 55 Fitnesscenter und 116 Fitnessbetriebe betreut. Zu letzteren gehören unter anderem Personal Trainer oder Yogalehrerinnen. Nach Meinung des Spartengeschäftsführers sollten die am Dienstag verkündeten Sport-Lockerungen auch für Erwachsene gelten.

„Wir bekommen keine Informationen von der Politik. Wir brauchen endlich Planungs­sicherheit.“

Manfred Scheel, Branchensprecher

Eine große Pleitewelle befürchtet hingegen das Marktforschungsinstitut Branchenradar. Schon 2020 brachen die Umsätze österreich­weit deutlich, um 18 Prozent auf 198 Millionen Euro, ein. Für 2021 geht das Institut von einem abermaligen Umsatzeinbruch von rund einem Viertel aus. „Diesen Aderlass werden viele Studios nicht überleben“, ließ Branchenradar in einer Aussendung wissen. Auch Manfred Scheel, Branchensprecher und Inhaber des Life Fitness Club 2.0 in Feldkirch, hofft auf eine rasche Öffnung der Fitnesscenter und -betriebe „Die Situation nagt an unseren Kräften. Wir bekommen so gut wie keine Informationen von der Politik. Wir brauchen endlich Planungssicherheit.“ Für Scheel sind die Fitnesscenter naturgemäß nicht das Problem, sondern Teil der Lösung. Er befürchtet gesundheitliche Folgen, wenn die Menschen ihrem Training und ihren Therapien nicht nachkommen können. Für eine Öffnung spreche auch das Covid-19-Sicherheitskonzept, das laufend angepasst werde. „Wir könnten die Vorgaben zu hundert Prozent erfüllen“, ist sich der Branchensprecher sicher. Als weiteres Argument führt er ins Treffen, dass die Fitnessstudios ein effizientes Contact-Tracing garantieren könnten. „Durch das Check-in-Check-out-System können wir genau nachvollziehen, wer wann im Studio trainiert hat.“ Die Nachricht von der Schließung des „Home of Balance“ hat laut Scheel für großes Aufsehen in der Branche gesorgt. Von weiteren Schließungen wisse er bis dato jedoch nichts. Grundsätzlich geht der Studiobetreiber davon aus, dass die Corona-Krise deutliche Spuren in den Kassen der Fitnesscenter hinterlassen wird. Er rechnet mit einem Umsatzrückgang zwischen 15 und 20 Prozent – auch weil das Neukundengeschäft seit Monaten darniederliege.

„Home of Balance“ nun im ewigen Lockdown

Eines der größten Fitnessstudios des Landes wird „nach den Erfahrungen des letzten Jahres“ nicht mehr aufsperren.

Das „Home of Balance“ im Dornbirner Panoramahaus wird nicht mehr aus dem Lockdown zurückkehren. „Corona lässt uns keine Wahl“ heißt es in einem Informationsschreiben, das Geschäftsführer Raimund Schmidt am Dienstagabend an die Mitglieder schickte und auf der Webseite des Fitness- und Wellnessclubs veröffentlichte. Im Gespräch mit der NEUE ließ Schmidt wissen, dass er bis zuletzt auf eine Öffnung gehofft habe. Er geht davon aus – und beruft sich dabei auf Experten –, dass im Fitnessbereich noch lange nicht mit einer Rückkehr zum Normalbetrieb gerechnet werden kann. „Unter diesen Umständen können wir ein hochwertiges Fitness-Erlebnis, wie es unsere Mitglieder kennen, einfach nicht mehr bieten.“

Zuletzt hatte das „Home of Balance“ rund 2000 Mitglieder. Schmidt versichert, dass alle Mitglieder ihre bereits bezahlten Beiträge zurückbekommen.

Zukunft der Mitarbeiter. Von der Schließung betroffen sind weiters acht Vollzeitstellen. Man sei in Kontakt mit dem AMS und versuche, möglichst soziale Lösungen für die Mitarbeiter zu finden, so Schmidt. Im Optimalfall, so stellt der Geschäftsführer in Aussicht, würden sie weiterhin im Hotel beschäftigt, entweder im Rahmen eines Fitness-Angebots für Hotelgäste oder in anderen Bereichen. Ein Teil des Fitnesscenters sowie der Pool- und Saunabereich wird den ­Hotelgästen weiterhin zur Verfügung stehen. Die ­freiwerdenden Flächen sollen ins Hotel integriert werden, auf welches nun der Fokus gelegt werde.