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Hotels in der Warteschleife

12.03.2021 • 06:00 Uhr / 9 Minuten Lesezeit
Ein Bild aus unbeschwerten Tagen: das Hotel Post in Bezau. <span class="copyright">Archiv/Stiplovsek</span>
Ein Bild aus unbeschwerten Tagen: das Hotel Post in Bezau. Archiv/Stiplovsek

Wann aber Hotels wieder aufsperren dürfen, steht in den Sternen.

Ggrundsätzlich ist es auf jeden Fall zu begrüßen, dass die Gastronomie aufsperrt. Das heißt, man hat Vertrauen darin, dass das verantwortungsvoll passieren wird“, betont Markus Kegele, WKV-Obmann der Sparte Tourismus. Dass die Landesregierung da so dahinter war, ist für Kegele sehr erfreulich. Aber es habe nicht nur gute Seiten: „Ein paar Dinge, die da verhandelt wurden, sind nicht wirklich sinnvoll. Ich denke da an den Zwei-Meter-Abstand.“ Das Pilot-Projekt sei auch mit Risiko verbunden. Und wenn es nicht gut verläuft, dann werde der Schaden auf alle zurückfallen, auch auf die Hotels, ist Kegele überzeugt. Aber generell überwiegt der Optimismus.
„Ich bekomme derzeit viele Rückmeldungen von Hotelgastronomen, die gleich am Montag oder in den Tagen darauf aufsperren“, freut sich Hans Peter Metzler, WKV-Präsident und selbst Hotelier. Die Hotellerie und die Gastronomie sind eng miteinander verknüpft. Deshalb ist die Gastro-Öffnung ein erstes wichtiges Signal in die richtige Richtung, so Kegele. „Wir sind da nach wie vor dran, um Verbesserungen zu erreichen“, ergänzt Metzler. Vor allem eben für die Hotellerie und andere Freizeitbetriebe ist die Situation unbefriedigend. „Geschäftsreisende dürfen nächtigen. Touristen nicht. Man könnte da auch ein Modell andenken, mit einer 70-prozentigen Belegung“, ergänzt Metzler.

Ostern

„Ich fürchte aber, dass Ostern noch zu früh ist. Der Gesundheitsminister hat da das letzte Wort. Und das wird schwierig werden.“ Generell könnte es ähnlich ablaufen wie im vergangenen Jahr, dass Mitte Mai dann die nächsten Öffnungsschritte kommen.
Ein zusätzlich schwieriger Aspekt für die Hotellerie ist laut Kegele die Personalfrage. „Die hängen schon so lang in der Warteschleife. Und es besteht natürlich die Gefahr, dass mitunter langjährige Mitarbeiter abspringen und sich was Neues suchen.“ Das ist ein Szenario, das die Hoteliers massiv befürchten. Fakt ist, dass Kurzarbeit oder gar Arbeitslosigkeit für viele in der Branche auf Dauer existenzbedrohend ist. Und da die Hotellerie nach wie vor in der Luft hängt, sind einige schon am Absprung. Die große Hoffnung ist und bleibt das Sommergeschäft und eine baldige Öffnung. Das ist der Tenor in der Branche.

Heike Ladurner-Strolz, Hotel Zimba: Öffnung nur für die Lehrlinge

Mittlerweile würden wir uns schon wünschen, wenigstens zu erfahren, bis wann unsere Betriebe ganz sicher geschlossen bleiben müssen“, erklärt Heike Ladurner-Strolz, Geschäftsführerin des Hotel Zimba in Schruns, die auch weiterhin vorherrschende Unsicherheit und Unplanbarkeit in der Hotellerie-Branche. „Viele Betriebe stehen nämlich derzeit vor dem Problem, dass sie weiterhin Buchungen für die Osterfeiertage eingetragen haben und diese nicht stornieren dürfen, bis die offizielle Bestätigung der Regierung kommt.“

Ladurner-Strolz hat sich im Hotel Zimba in Schruns für eine Restaurant-Öffnung zum Ausbildungszweck entschieden. <span class="copyright"> derfotograf/KUENK Austria</span>
Ladurner-Strolz hat sich im Hotel Zimba in Schruns für eine Restaurant-Öffnung zum Ausbildungszweck entschieden. derfotograf/KUENK Austria

Jegliche Form von Sanierungsarbeit, um die Zeit immerhin sinnvoll zu nutzen, seien der Fachexpertin zufolge daher nicht möglich. Würde nämlich plötzlich der Beschluss zur Öffnung der Hotellerie fallen, müssten die betroffenen Unternehmen für eine mögliche Differenz aufkommen, sollte der Gast sich nun doch eine andere Bleibe suchen müssen. Und auch die Möglichkeit, immerhin den hausinternen Gastronomie-Betrieb zu öffnen, sei keine große Erleichterung: „Wir haben uns nur aus Ausbildungszwecken unserer Lehrlinge für die Restaurant-Öffnung entschieden.“ Ladurner-Strolz bleibt nur die Hoffnung, dass die Wiedereröffnung der Beherbergungsbetriebe weniger chaotisch wie die der Gastronomie ablaufen wird, denn ein solches Szenario sei für die Hotellerie-Branche untragbar.

H.P. Metzler, Hotel „Das Schiff“: Aufsperren für die Mitarbeiter

Die Lage ist für die einzelnen Unternehmen und Hotels doch recht unterschiedlich. „Es ist einfach etwas ganz anderes, ob ich meinen Betrieb in Stuben oder Gargellen habe. Oder so wie ich im vorderen Bregenzerwald“, erklärt Hans Peter Metzler. Da sollte es mitunter gestaffelte Öffnungsmöglichkeiten geben. Weil die Voraussetzungen andere sind. Alles steht und fällt mit den Grenzöffnungen. Vor allem in den klassischen Tourismusgebieten. „Das Schiff“ wird zeitnah seine Gastronomie hochfahren. Metzler betont, dass das geplante Aufsperren kein wirkliches Geschäft ist. Aber mit den Hilfsmaßnahmen, wie etwa Kurzarbeit, ist das eine gute Zwischenlösung. Seine Entscheidung, die Hotelgastronomie bald aufzusperren, hat Metzler auch Richtung Mitarbeiter getroffen.

"Das Schiff" öffnet für seine Mitarbeiter, denn das geplante Aufsperren ist kein wirkliches Geschäft, so Metzler. <span class="copyright">Sams</span>
"Das Schiff" öffnet für seine Mitarbeiter, denn das geplante Aufsperren ist kein wirkliches Geschäft, so Metzler. Sams

„Wenn wir noch länger zu haben, springen die uns ab. Das hört man von überall her.“ Viele sind seit Monaten arbeitslos. Dieser Zustand ist laut Metzler für die Hoteliers, aber vor allem für die Mitarbeiter existenzbedrohend. „Wir hoffen wie alle anderen auch auf den Sommer. Wenn ich an den letzten denke, dann glaube ich, dass wir mit einem blauen Auge davonkommen werden.“

Markus Kegele, Hotel Mondschein: Keine Lifte, keine Öffnung

Bei uns in Stuben fahren die Lifte nicht. Deshalb werden wir auch unsere Gastronomie zu lassen. Wir leben fast zu 100 Prozent von internationalen Touristen“, erklärt Kegele. Er würde sehr gerne aufsperren. Aber es sei wirtschaftlich nicht machbar. Kegele führt mehrere Betriebe in Stuben. Neben dem Hotel Mondschein betreibt er auch die Kaltenberghütte.

In Stuben stehen die Lifte derzeit still, daher macht es für Kegele auch keinen Sinn zu öffnen. <span class="copyright">Hartinger</span>
In Stuben stehen die Lifte derzeit still, daher macht es für Kegele auch keinen Sinn zu öffnen. Hartinger

„Das Hauptgeschäft sind die Holtelgäste und die Skifahrer, die zum Mittagessen kommen. Und somit macht es keinen Sinn aufzumachen.“ Kegele plant, Anfang Juni sein Hotel aufzusperren. Und Mitte Juni soll die Kaltenberghütte folgen. Das Chalet Mondschein sperren sie auf, sobald die Grenzen wieder aufgehen. Denn Stuben lebe vom nationalen und internationalen Publikum. „Wir sind kein Thermenhotel. Auch leben wir nicht von Seminar-Gästen. Zu uns kommt ausschließlich der Feriengast. Das ist unsere Zielgruppe.“
Die Mitarbeiter versucht Kegele, bei der Stange zu halten, indem er in ständigem Kontakt mit ihnen ist. Zudem versuche er, ihnen diverse Weiterbildungsmaßnahmen zu vermitteln und zu finanzieren. Bis jetzt konnte Kegele seine Mitarbeiter halten. Aber die geringe Planungssicherheit mache allen zu schaffen.

Lothar Schedler, Hotel Sarotla: Betrieb derzeit nicht sinnvoll

“Bevor sich die Grenzen zu unseren Nachbarländern Deutschland und Schweiz öffnen, wäre eine Wiederaufnahme der Hotellerie nicht rentabel“, ist Lothar Schedler, Geschäftsführer des Hotels Sarotla in Brand, überzeugt. Und auch die derzeit für die Gastronomie-Branche geltenden Maßnahmen würden seiner Meinung nach eine gewaltige Hürde für Beherbergungsbetriebe darstellen. Dabei sei der verpflichtende Eintrittstest für seine Gäste dem Hotelier zufolge weniger das Problem. „Jedoch müsste über die Gültigkeitsdauer eines solchen diskutiert werden. Es wird nicht funktionieren, dass ein Gast, der eine Woche lang in unserem Hotel nächtigt, sich alle 48 Stunden einem neuen Test unterziehen muss.“

Für Schedler ist eine Wiedereröffnung ohne eine Grezöffnung nicht rentabel. <span class="copyright">Sarotla/Schedler</span>
Für Schedler ist eine Wiedereröffnung ohne eine Grezöffnung nicht rentabel. Sarotla/Schedler

Auch was das Einhalten des Zwei-Meter-Abstands anginge, wäre dies in den Speisehallen von Hotels kaum umsetzbar. So entschied sich der Hotelier vorerst auch gegen eine Öffnung seines Gastronomie-Angebots: „Das Restaurant ohne Hotel-Gäste und Touristen zu öffnen, macht schlichtweg keinen Sinn.“ Große Hoffnungen steckt Schedler hingegen in die kommende Sommer-Saison, „auch wenn der derzeitige erneute Anstieg der Infektionszahlen diese Hoffnung doch etwas dämpft. Ich glaube jedoch daran, dass sich für die Hotellerie eine ebenso gute Saison wie im vergangenen Sommer ausgehen könnte“.

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