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Kaum leere Betten in den Pflegeheimen

13.03.2021 • 09:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Pandemie nagt an der Substanz der Heimbewohner, deren Angehörigen sowie der Mitarbeitenden. <span class="copyright">Apa/dpa/berg</span>
Die Pandemie nagt an der Substanz der Heimbewohner, deren Angehörigen sowie der Mitarbeitenden. Apa/dpa/berg

Auslastung in Alten- und Pflegeheimen ist nur marginal zurückgegangen.

Die Bilder sind in den Köpfen hängen geblieben: isolierte Alters- und Pflegeheime: Bewohner, die über Monate nicht oder nur sehr selten besucht werden durften, Corona-Cluster und an die 100 Betagte (Stand Ende Jänner), die an den Folgen der Virus­erkrankung verstorben sind. Da wäre es eigentlich keine Überraschung, wenn Altersheime als Wohnort etwas weniger gefragt waren als üblicherweise. Die Auslastung ging jedoch im Corona-Jahr 2020 nur marginal zurück. Das bestätigen zumindest drei Betreiber bei einem NEUE-Rundruf.

Aufgrund der durchgeführten Impfungen entspannt sich die Situation in den Pflegeheimen. <span class="copyright">Symbolbild/Photo by Thomas Frey / POOL / AFP</span>
Aufgrund der durchgeführten Impfungen entspannt sich die Situation in den Pflegeheimen. Symbolbild/Photo by Thomas Frey / POOL / AFP

Die gemeinnützige Pflegegesellschaft Benevit betreibt in Vorarlberg sieben Pflegeheime mit rund 300 Plätzen sowie 61 betreute Wohnungen. Trotz der Corona-Pandemie wurden in den Heimen keine wesentlichen Auslastungsprobleme verzeichnet. So lag der Durchschnitt im Jahr 2020 nur um ein Prozent niedriger als im Vergleich zum Vorjahr (98,8 Prozent). „In Anbetracht der Pandemiesituation ist dieser Rückgang für uns verständlich und gut akzeptierbar“, sagt Geschäftsführerin Carmen Helbok-Föger. Als Grund für den leichten Rückgang nennt sie unter anderem den Aufnahmestopp bei Einrichtungen mit einem Covid-Cluster. „Und da im Frühjahr bei einer Neuaufnahme eine 14-tägige Quarantäne verhängt wurde, waren Aufnahmen in der Kurzzeitpflege und in Doppelbettzimmern nicht mehr möglich.“ Aufgrund des ersten Lockdowns im Frühjahr hätten sich auch in der einen oder andern häuslichen Pflege zusätzlich familiäre Ressourcen ergeben, „die keine dringende Aufnahme erforderlich machten“, führt Helbok-Föger weiter aus.
Durchaus herausfordernd scheinen die Auswirkungen der Krise auf die Personalsituation gewesen zu sein. Wie Helbok-Föger erklärt, musste der Personalstand mit Leasingkräften, Ferialkräften und internen „Springern“ zusätzlich angehoben werden, um Ausfälle zu puffern, Urlaubsabbau der Mitarbeiter zu ermöglichen und um den Stundeneinsatz mit zusätzlichen Leistungen bei Corona-Clustern erhöhen zu können.

Pflegestufe massiv angestiegen

In den vier Alten- und Pflegeheimen, die die Seniorenbetreuung Feldkirch GmbH betreibt, gab es zwar keine größeren Cluster, stärker gefordert war das Personal aber allemal. Zum einen sei der Betreuungsaufwand aufgrund der sehr eingeschränkten Besuchsmöglichkeiten angestiegen, sagt Geschäftsführer Herbert Lins auf Anfrage. Aber auch die stetig steigende Durchschnitts-Pflegestufe fordere die Mitarbeiter. 2019 lag diese bei 5,13, im vergangenen Jahr bei 5,41. Für Lins ein „massiver Anstieg“. Corona habe damit aber nichts zu tun, versichert Lins. Ein Mitgrund für den stetigen Anstieg sei sicherlich der sehr gut ausgebaute ambulante Bereich. „Die Menschen werden teilweise lange zu Hause gepflegt und kommen mit einer bereits hohen Pflegestufe zu uns.“

Geschäftsführerin der Benevit ist Carmen Helbok-Föger. Den leichten Rückgang führt sie unter anderem auf den Aufnahmestopp im Frühjahr zurück. <span class="copyright">Spöttl</span>
Geschäftsführerin der Benevit ist Carmen Helbok-Föger. Den leichten Rückgang führt sie unter anderem auf den Aufnahmestopp im Frühjahr zurück. Spöttl

Eine deutliche Zunahme beobachtet Lins auch bei der Nachfrage nach dem Service „Essen auf Rädern“. Dieser Bereich hat bei uns im letzten Jahr schlagartig um 20 Prozent zugelegt.“ Als Gründe nennt Lins Ausgangsbeschränkungen, Quarantänebestimmungen und Lokalschließungen. Gerade während der Pandemie habe sich gezeigt, wie wichtig der tägliche soziale Kontakt für ältere Menschen sei. Den Auslastungsrückgang in den 175 Betreuungsplätze zählenden Heimen in Feldkirch beziffert der Geschäftsführer mit fünf Prozent (2020: 93,6 Prozent, 2019: 98,5 Prozent).

Im Sozialzentrum Haus Klostertal trat im März einer der ers­ten Corona-Cluster auf. Zehn Bewohner waren betroffen. <span class="copyright">Benevit</span>
Im Sozialzentrum Haus Klostertal trat im März einer der ers­ten Corona-Cluster auf. Zehn Bewohner waren betroffen. Benevit

Ebenfalls in Feldkirch befindet sich das Antoniushaus der Kreuzschwestern. Das Alten- und Pflegeheim verfügt über 62 Betten für die Langzeitpflege und vier Betten für die Übergangspflege. Eine geringere Auslastung gab es im Antoniushaus nicht. „Unser Haus ist voll besetzt. Auch die Nachfrage ist unverändert hoch“, berichtet Geschäftsführer Thomas Vranies. Von Corona-Infektionen blieben die Bewohner bisher verschont, lediglich im Mitarbeiterstab gab es fünf positive Fälle. Das vergangene Jahr, so Vranies weiter, habe die Mitarbeitenden an ihre Leistungsgrenzen gebracht. Ähnliches berichtet Benevit-Geschäftsführerin Helbok-Föger. „Alle sind müde. Das Empfinden und Erleben dieser Pandemie ist bei Mitarbeitern genauso unterschiedlich wie bei den Bewohnern. Was uns jedoch allen fehlt ist wieder mehr soziales Leben – und auf das freuen wir uns.“
Die Durchimpfungsrate in den erwähnten Heimen beträgt bei den Bewohnern zwischen 70 und 90 Prozent, beim Personal zwischen 50 und 75 Prozent.

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