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Kontaktloses Zahlen liegt im Trend

14.03.2021 • 12:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Uhr und Handy mit NFC-Funktion haben an Bedeutung beim kontaktlosen Zahlen gewonnen. <span class="copyright">Symbolbild/Shutterstock</span>
Uhr und Handy mit NFC-Funktion haben an Bedeutung beim kontaktlosen Zahlen gewonnen. Symbolbild/Shutterstock

Interview mit Martin Jäger über Vorteile des bargeldlosen Zahlens.

Das bargeldlose Zahlen hat in der Corona-Pandemie stark an Bedeutung gewonnen. Wie spürbar ist das für die Banken?
Martin Jäger:
Das ist sehr spürbar. 2020 waren in Österreich 1,2 Milliarden Transaktionen bargeldlos. Corona hat diese Entwicklung verstärkt. Einerseits spielt da das Hygiene-Thema eine Rolle. Man wollte so wenig wie möglich in den Händen halten. Andererseits haben wir auch festgestellt, dass sehr viele Händler, die früher keine Bankomatkasse hatten, jetzt umgestiegen sind. Als Konsequenz waren viel mehr Transaktionen möglich.

Was ist die Ursache für die vorherige Zurückhaltung? Ist die „Liebe“ für das Bargeld in unseren Breiten höher?
Jäger:
Ja. Das hängt mit der Sozialisation zusammen. Im deutschsprachigen Raum ist immer schon viel mit Bargeld bezahlt worden. Es ist ein Liebkind der Menschen. Interessanterweise gibt es Länder in Afrika, in denen es kaum mehr Bargeld gibt. Auch in Schweden ist man zu 95 Prozent auf digitale Bezahlung umgestiegen. Bei uns gibt es zwar auch eine Tendenz in diese Richtung, aber wir sind überzeugt davon, dass das Bargeld bleiben wird. Mittlerweile bezahlen aber auch mehr ältere Kunden mit Kredit- oder Bankomatkarten. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass die Banken in diesem Bereich viel geschult haben. Wir haben beispielsweise eine eigene Broschüre zum Internetbanking und Bezahlen mit Kredit- und Bankomatkarten herausgebracht. Das hat sicher eine große Dynamik ausgelöst.

zur Person

Martin Jäger wurde 1969 geboren und ist seit November 2020 Mitglied des Vorstands der Dornbirner Sparkasse. Er ist dort für das Ressort „Markt“ zuständig. Jäger ist bereits seit 1994 im Bankbereich tätig. Vor seinem Wechsel in die heutige Funktion war er seit 2010 Vorstandsmitglied in der Bregenzer Sparkasse. Jäger hat ein BWL-Studium an der Universität Innsbruck sowie ein Diplomstudium Private Banking und ein Executive MBA-Studium an der Universität Liechtenstein absolviert.

Was sind die Vorteile der kontaktlosen Bezahlung?
Jäger:
Es bringt für beide Seiten Vorteile, wobei das natürlich immer subjektiv ist. Ein Punkt ist sicher die Convenience. Wir stellen fest, dass sehr viel über das Handy oder die Uhr bezahlt wird. Diese hat man immer dabei, die Geldtasche vergisst man dagegen schnell einmal. Durch Corona hat auch die Hygiene-Thematik an Bedeutung gewonnen. Dazu kommt, dass auch die Kundenschicht höheren Alters verstärkt darauf setzt, wenn man ihnen zeigt, wie es funktioniert.

Spielt gerade bei den älteren Kunden auch eine Rolle, dass die Bezahlung vereinfacht wird und man beispielsweise nicht mehr nach Münzen suchen muss?
Jäger:
Das ist einer von vielen Gründen, die von den Kunden genannt werden. Sie sagen: „Wenn man es einmal gemacht hat, ist es einfach.“ Im Gespräch stellen wir auch fest, dass es gerade bei den älteren Kunden vielfach vom Betrag abhängt. Kleinstbeträge werden oft noch cash bezahlt, obwohl gerade hier das kontaktlose Zahlen besonders angenehm ist. Denn als Folge der Pandemie wurde beim Bezahlen mit NFC-Funktion die Obergrenze von 25 auf 50 Euro erhöht. Handy, Uhr oder Karte werden nur noch an das Terminal gehalten und der Betrag wird bezahlt. Die Zahlungssysteme sind trotzdem sicher, weil man auch bei kleinen Beträgen nach jedem fünften Mal den PIN-Code eingeben muss.

„Mittlerweile bezahlen auch mehr ältere Kunden mit ­Kredit- oder Bankomat­karten", Jäger. <span class="copyright">Rhomberg</span>
„Mittlerweile bezahlen auch mehr ältere Kunden mit ­Kredit- oder Bankomat­karten", Jäger. Rhomberg

Es gibt Menschen, die Angst vor einer Abschaffung des Bargelds haben. Können Sie das verstehen?
Jäger:
Ja, dafür habe ich Verständnis. Als Sparkassen gehen wir bewusst den Weg des „Omni-Channels“: Das bedeutet, dass wir zusätzlich zu unseren Filialen und den SB-Automatenzonen unser Internetbanking „George“, die Apps oder unsere Website nutzen. Wir überlassen es dem Kunden, was er lieber hat.

Wie hat sich die Pandemie auf das Privatkunden-Geschäft ausgewirkt?
Jäger:
Während des ersten Lockdowns hat die Zahl der Kundentermine massiv nachgelassen. Es gab Unsicherheit, und viele wollten nicht nach draußen gehen. Das hat sich aber ganz schnell wieder relativiert. Die Kundentermine haben danach überdurchschnittlich stark zugenommen. Aus zwei Gründen: Einerseits haben die Banken die Hausaufgaben gemacht. Es wurden Desinfektionsmittel gekauft. Zudem werden Masken getragen und die Abstände eingehalten. Andererseits war auch der Drang des Kunden da, über seine finanziellen Angelegenheiten zu sprechen. Das Interessante war auch, dass sich die Sparneigung verdoppelt hat.

umfrage: Zahlen Sie seit Ausbruch der Pandemie öfter bargeldlos?

Harald Böhler (54), Alberschwende: Ich zahle vorwiegend mit Bargeld. Das hat sich auch in der Krise nicht geändert. Bargeld funktioniert immer und überall, und man kann damit auch Trinkgeld geben.

Lisa Mayer (24), Feldkirch: Ich habe schon immer hauptsächlich kontaktlos bezahlt und hatte schon vor Corona fast nie Bargeld dabei. Daher hat die Pandemie in dieser Hinsicht für mich nichts verändert.

Peter Maier (44), Mäder: Ich bezahle seit März 2020 mehr kontaktlos. Die Pandemie hat diesen Prozess beschleunigt, nicht gestartet. Ein Nachteil für die Gastro ist, dass allgemein sicher weniger Trinkgeld gegeben wird.

Eva Peter (38), Bludenz: Ich zahle mit Karten und bar. Da hat sich nichts geändert. Wenn ich fürs Geschäft kaufe, meist mit Karte, privat eher bar. Das ist nicht hygienischer mit Karte, da jeder auf der Tastatur tippt.

Lea Schmid (19), Röthis: Bereits vor der Pandemie habe ich lieber kontaktlos bezahlt, da es einem erlaubt, den Überblick über seine Ausgaben zu bewahren. Daran hat auch die Pandemie nichts geändert.

Sarah Moik (20), Wolfurt: Zu Beginn der Pademie habe ich stark darauf geachtet, nur kontaktlos zu bezahlen. Mittlerweile hat sich das gelegt. Ich zahle mit Bargeld oder Karte, was sich eben besser anbietet.

War die Krise für viele auch ein Weckruf, sich um ihre Finanzen zu kümmern?
Jäger:
Genau. Viele Kunden haben auch eine Stundung in Anspruch genommen. Denn es hat ein gesetzliches Moratorium für Privatkunden gegeben. Allerdings wurde dieses schluss­endlich nicht so stark in Anspruch genommen wie gedacht. Viel wichtiger waren die Stundungen im Firmenkundengeschäft. Dort ist es im März und den Folgemonaten rund gegangen. Da haben wir einfach alle Kredite gestundet. Positiv muss man auch den Staat hervorheben, der mit Förderprogrammen dafür gesorgt hat, dass die Unternehmen zusätzlich zu den Stundungen auch zu Liquidität kommen. Das hat vielleicht nicht in allen Branchen gleich gut funktioniert, aber in Summe war es sehr zufriedenstellend.

Wurde das Vertrauen in die Banken durch deren Rolle in der Krise wieder gestärkt?
Jäger:
Man darf es fast nicht zu laut sagen, aber es war eine Chance für die Banken, Terrain zu gewinnen. Und ich glaube, dass wir in ganz vielen Branchen und bei vielen Kunden den zurecht verlorenen Boden wiedergutgemacht haben. Diesbezüglich haben wir auch sehr viel positives Feedback bekommen.

Die Befragten bezahlen sowohl mit Karte als auch Bargeld. <span class="copyright">Symbolbild/Shutterstock</span>
Die Befragten bezahlen sowohl mit Karte als auch Bargeld. Symbolbild/Shutterstock

Hat es sich auch bankintern positiv auf die Stimmung ausgewirkt, dass man den Menschen helfen konnte?
Jäger:
Ja. Bei den Förderkrediten hat sich am Anfang innerhalb von einer Woche drei Mal alles geändert, und man musste alles neu machen. Die Förderungen wurden fast schon Tag und Nacht abgewickelt. Die Mitarbeiter haben aber gesagt: „Das ist sinnvoll und wichtig.“ Für die Stimmung in der Belegschaft war es gut, dass man so viel Positives bewegt hat.

Wie wird es nach der Pandemie weitergehen?
Jäger:
Es gibt zwei Tendenzen, die klar ersichtlich sind. Corona war ein Verstärker für die Digitalisierung, und das wird weitergehen. Denn gerade die Jungen setzen sehr auf dieses Thema. Wir wissen aber aus Umfragen, dass die Kunden auch weiterhin einen Berater und Ansprechpartner haben wollen, wenn es um wichtige Fragen geht. Bargeldloses Zahlen und andere Zahlformen werden ebenfalls weiter an Bedeutung gewinnen. Dazu stellen wir auch fest, dass sich der Produktabschluss ändert. Ein Berater ist etwa bei Wohnbaufinanzierungen oder Wertpapierveranlagungen noch gefragt. Bei gewissen Themen wie ­Kontoneueröffnungen, Spareinlagen, Bausparen oder Kleinkrediten steigt jedoch das Bedürfnis nach einem digitalen Abschluss.

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