Allgemein

Traum von Freiheit darf was kosten

14.03.2021 • 22:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Das Reisen mit eigenen vier Wänden hat sich im Laufe der Zeit verändert. Dem einstigen Nischendasein ist man entwachsen. <span class="copyright">Symbolbild/Shutterstock</span>
Das Reisen mit eigenen vier Wänden hat sich im Laufe der Zeit verändert. Dem einstigen Nischendasein ist man entwachsen. Symbolbild/Shutterstock

Campen ist noch mehr in Fokus gerückt und darf etwas kosten.

Einst war es der Traum des Individualtouristen. Einfach und kostengünstig war es zudem. Camping-Urlaub am Meer oder in den Bergen. Frei sein und von heute auf morgen aufbrechen und irgendwo anders seine Zelte aufschlagen. Der Inbegriff von Freiheit und Abenteuer. Eine Nische, deren Anhänger beinahe sektenartig ihrer Leidenschaft frönten. Von Nische kann heutzutage keine Rede mehr sein. Nicht erst seit Corona boomt das Reisen mit Zelt, Wohnwagen und vor allem Wohnmobil. Und einfach und kostengünstig war gestern. Die wilden und jungen Camper sind in die Jahre gekommen und lassen sich als „Best Ager“ ihr Hobby durchaus etwas kosten.

Harald Armellini ist Autor und passionierter Wohnmobilist. <span class="copyright">Privat/Armellini</span>
Harald Armellini ist Autor und passionierter Wohnmobilist. Privat/Armellini

„Der Boom ist nicht zu leugnen. Die Zahlen sind nach oben geschnellt. Nicht erst seit Corona. Das betrifft sowohl den Miet­sektor als auch die Käufe und Neuzulassungen. Die waren im vergangenen Jahr über 50 Prozent im Plus“, erklärt Harald Armellini. Der Journalist und Autor hat zwei Wohnmobilreiseführer geschrieben und ist selbst begeisterter Camper.

Lieferschwierigkeiten

Die Campingplätze waren im vergangenen Jahr randvoll. Das war natürlich auch der Corona-Situation geschuldet, wie Armellini betont. „Ohne Voranmeldung gab es keinen freien Platz mehr. Und das galt für den gesamten Bodenseebereich.“ Die Branche wächst seit geraumer Zeit. Das merke man vor allem bei den langen Wartezeiten für ein Neufahrzeug. Bis zu eineinhalb Jahre. Diesen Trend spüre man auch auf den Campingplätzen und bei den Verleihfirmen. „Ich weiß auch vom Camping-Zubehör-Handel, dass die teilweise massive Lieferschwierigkeiten haben. Die Nachfrage ist einfach sehr schnell gewachsen“, ergänzt Armellini. „Ich fahre mittlerweile 15 Jahre mit dem Wohnmobil, seit zwei Jahren gibt es auch bei uns im Land Händler. Früher musste man da weiter fahren, um eines zu kaufen. Zudem gibt es mittlerweile ein halbes Dutzend Verleiher“, führt Armellini weiter aus. Allein daran erkenne man, wie sehr sich dieser Markt bewegt hat.

Mit Hund und Kegel ab in den Süden. Ein Traum, den immer mehr träumen. <span class="copyright">Waumobil (4)</span>
Mit Hund und Kegel ab in den Süden. Ein Traum, den immer mehr träumen. Waumobil (4)

Einer dieser Betriebe, die Wohnmobile vermieten und verkaufen, ist „Waumobil“ in Dornbirn. Der Name ist in diesem Fall auch Programm: „Wir haben festgestellt, dass es auch immer mehr Hundebesitzer gibt, die mit Wohnmobilen unterwegs sein wollen. Denn das Reisen mit Flugzeug ist für Hundebesitzer nicht immer einfach. Und auch in den Hotels sind die Vierbeiner meist nicht gern gesehen“, erzählt ­Andrea Kunz. Andrea und ihr Mann Oliver sind Masterlizenznehmer von Waumobil für Österreich und die Schweiz. Sie betreiben die Firma A&O Camping mit der Mietstation „Waumobil Vorarlberg“. „Bei uns kann man die Hunde einpacken und losgeht es. Unsere Wohnmobile sind speziell umgebaut. Die haben im Heck eine Hundebox. Zudem gibt es einen Durchgang von der Box in den restlichen Wagen“, führt Kunz aus. Kurzum: Was das Hundeherz begehrt, werde ein- und umgebaut. Man habe auch auf den Campingplätzen erkannt, dass es viele Hundebesitzer gibt, die gerne so reisen. Immer mehr Plätze passen ihr Angebot an. Somit ist es mittlerweile recht unproblematisch, mit einem Hund zu reisen. „Da gibt es dann mitunter spezielle Hundezonen“, so Kunz. Trotz der großen Nachfrage war das vergangene Jahr etwas durchwachsen. „Wir haben viele Kunden, die sehr früh buchen. Und dann waren doch einige wegen Corona verunsichert und haben storniert“, so Kunz. Somit war das vergangene Jahr bei „Waumobil“ gut. Aber nicht sehr gut.

Ausgebucht

„Viele Plätze waren ausgebucht. Ich weiß es jetzt am Beispiel Tirol. Dort war es überhaupt nicht mehr möglich, spontan einen Stellplatz zu ergattern“, bestätigt auch Markus Michael Moosmann, Obmann des Camping Clubs Vorarlberg, den Boom des letzten Sommers. Dass Camping eine kostengüns­tige Art des Reisens ist, gehört laut Moosmann schon länger der Vergangenheit an. Allein die Miet- und Kaufpreise für ein Wohnmobil sprechen hier eine deutliche Sprache. Ein neues Wohnmobil ohne spezielles Zubehör kostet zwischen 35.000 und 40.000 Euro. Im Luxussegment ist man dann aber auch schnell in einem hohen sechsstelligen Bereich. Auch die Stellplätze haben mitunter kräftig angezogen. Aber: „In der Vor- und Nebensaison gibt es diverse Rabatte und spezielle Angebote. Mitunter zwischen 16 und 18 Euro“, ergänzt Moos­mann. Generell sind die eigenen „fahrenden vier Wände“ in diesen Zeiten auch in Sachen Hygiene eine willkommene Alternative. Denn man kommt nicht mit fremden Betten und Zimmern in Berührung. Zudem ist die Flexibilität unschlagbar. Und die meis­ten der Proficamper sind gern unterwegs und nicht all zu lange am selben Ort, betont der Obmann des Camping Clubs.

Die Messen am Camping-Sektor boomen. Preislich sind kaum Limits gesetzt. <span class="copyright">Privat/Armellini</span>
Die Messen am Camping-Sektor boomen. Preislich sind kaum Limits gesetzt. Privat/Armellini

Aber im Moment ist es auch für Wohnmobilreisende nicht einfach. Denn die Campingplätze sind alle noch geschlossen. „Die sind in der Coronaregelung mit der Hotellerie gekoppelt. Somit scharren da schon viele in den Startlöchern. Man darf die Wohnmobile benützen, aber man kann nur auf Parkplätzen, also in der rechtlichen Grauzone, übernachten“, so Armellini.

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.