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Zaghaftes Erwachen der Gastronomie

15.03.2021 • 22:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit

Cafés, Restaurants und Gasthäuser durften gestern wieder aufsperren.


Feldkirch

Martina Häusle, Café Zanona. <span class="copyright">NEUE/Stadler</span>
Martina Häusle, Café Zanona. NEUE/Stadler

Der Feldkircher Vollblut-Gastronom Reinhard Rauch (58) ist ein Arbeitstier – und somit seit gestern wieder voll in seinem Element. Er freut sich, dass nun wieder losgeht. Die Umstände könnten allerdings besser sein, meint er. „Die Vorbereitungszeit war relativ kurz und die Sperrstunde ist eindeutig zu früh angesetzt. Da kommt kein Dinnerfeeling auf und die Gäste werden feiertechnisch wieder in den Privatbereich gedrängt. Und dann wäre da noch das Wetter. Rauch erinnert sich daran, dass es mit Beginn des ersten Lockdowns im März „auf Knopfdruck“ warm und sonnig wurde. „Jetzt machen wir wieder auf und das Wetter ist schlecht.“ Nichtsdestotrotz ist das Reservierungsbuch des Restaurant Rio gut gefüllt, besonders an den Abenden. Bei Martina Häusle im Café Zanona lief der Betrieb gestern sehr ruhig an. Das sei aber montags generell so, meint sie. Gestern verkaufte die gelernte Konditorin mehr Mittagsmenüs via Take-away als im Lokal selbst. Dass sich die Gäste nicht mehrmals in der Woche testen lassen wollen, um einen Café zu trinken oder Mittag zu essen, versteht sie.

Bregenz

Mittagessen im Hirschen in Bregenz.                                                                                                                   Hartinger
Mittagessen im Hirschen in Bregenz. Hartinger

“Die Reservierungen halten sich noch in Grenzen. Aber sie tröpfeln so langsam herein“, erzählt Angelika De Brito, Geschäftsführerin im Kesselhaus in Bregenz. Trotz zwei Meter Abstand hat das Kesselhaus 72 Plätze im Lokal und 53 im Freien. Somit ist Zulassen nie zur Debatte gestanden, wie De Brito betont. Sie hoffe jetzt vor allem auf den Mut der Gäs­te. Und auf die Kooperationsbereitschaft in puncto Testen. „Alle Mitarbeiter sind froh, dass sie endlich aus der Kurzarbeit zurück sind.“

Mit Freude aufgemacht hat Stephen Bolter sein „Cuenstler“ am Bregenzer Kornmarkt. „Nicht wegen des Umsatzes, sondern weil ich wieder arbeiten möchte“, sagt der Gastronom. Vier Monate ohne seine Gäste waren für den Gastgeber genug. „Zwei Monate ohne Arbeit geht noch. Aber vier, das ist zu lang.“
Im historischen Wirtshaus Hirschen war schon am ersten Tag mittags und abends ausgebucht. Bereits bei der Reservierung habe sie die Gäs­te auf die Regeln aufmerksam gemacht, sagte Andrea Kinz: „Unsere Gäste wissen, dass nur vier Personen aus zwei Haushalten an einem Tisch sitzen dürfen.“ Die Abstände zwischen den Tischen markieren leere Tische mit Reservierungsschildchen.

Bludenz

Das Schlosshotel in Bludenz                                                                                                                                        Engstler
Das Schlosshotel in Bludenz Engstler

Das traditionelle Gasthaus Riedmiller hat pünktlich um 10 Uhr aufgesperrt. Michaela Tschanun-Spesa leitet den Familienbetrieb. „Wir haben schon im Vorfeld viel Zuspruch von den Stammgäs­ten bekommen. Somit war klar, wir sperren auf.“ Im Riedmiller sind an den einzelnen Tischen Trennwände aufgestellt. Denn das Lokal ist recht klein. Die ersten Gäs­te waren pünktlich zum Aufsperren da. „Ja, die freuen sich sehr, endlich wieder ein offenes Bier trinken zu können.“ Das bestätigt auch ein Stammgast, der nicht genannt werden will.
„Da die Mitarbeiter schon am Limit waren, hat jeder eine Freude und große Lust, wieder zu arbeiten“, erzählt Susanne Dörflinger vom Schlosshotel Dörflinger.

„Wir haben ja Hotelbetrieb, da wir einige Geschäftsreisende im Haus haben. Somit war klar, dass wir aufsperren.“ Mit den Auflagen hat Dörflinger kein Problem, und im Sinne der Sicherheit nimmt sie diese gern in Kauf. Zudem sei so ein Test auch schnell kontrolliert. Parallel zu den ersten Informationen über die Öffnung sind auch die ersten Reservierungen eingegangen. Zudem sei man im Hotel gut gebucht derzeit. Nicht zuletzt deshalb blickt Dörflinger zuversichtlich und positiv in die kommenden Wochen.

Dornbirn

"Bierlokal" in Dornbirn                                                                                                                                                   Hartinger
"Bierlokal" in Dornbirn Hartinger

Noch Luft nach oben gibt es in Dornbirn, was die Besucherzahlen in der Gastronomie betrifft. Beim Lokalaugenschein am Montag zeigten sich jedoch alle erfreut über die Lockerungsschritte. So wie etwa Monika Thurnher vom „Bierlokal“. Sie sieht die Öffnung „sehr positiv“, und auch die Gäste hätten sich sehr gefreut, wieder einmal im Gasthaus einkehren zu können. Aufgrund des Wetters wurde gestern aber nur innen bewirtet, der Garten blieb geschlossen. Dennoch war Thurnher mit dem ersten Tag zufrieden.

Ähnlich ging es den Verantwortlichen im Café Steinhauser am Marktplatz. Schon vor zwei Wochen habe es die ersten Reservierungen von Stammgästen gegeben, berichtete Rainer Maul. Auch er haderte ein wenig mit der Witterung. Denn nur wenige nutzten die Tische vor dem Lokal. „Dabei sind wir gut gerüstet“, sagt er und verweist auf Decken und Heizstrahler. Innen gibt es zwar aufgrund der Vorgaben weniger Plätze als üblich, diese waren aber mittags allesamt belegt.
Freude über die Öffnung herrschte auch wenige Meter entfernt im „Mr. French“: „Wir haben alle schon sehnlich darauf gewartet“, sagt Jasmin Thurner . Auch Gast Rudolf Ölz ließ es sich nicht nehmen, gleich am ersten Tag vorbeizuschauen, um endlich wieder einmal im Lokal zu essen.