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“Endlich wieder ins Wirtshaus”

22.03.2021 • 22:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ein offenes Bier im Gasthaus. Ein langersehntes Stück Normalität.                                               Hartinger
Ein offenes Bier im Gasthaus. Ein langersehntes Stück Normalität. Hartinger

Gäste genießen kleines Stück Normalität und agieren meist verantwortungsbewusst.

Der einhellige Tenor zur Gastronomie-Öffnung vor einer Woche ist positiv. Denn allein die Tatsache, dass aufgesperrt wurde, hebt die Stimmung. Zudem blickt ganz Österreich neidvoll über die hohen Berge in den Westen. Denn das, was hier als Testballon gerade passiert, wünschen sich viele Gastronomen von Wien bis Innsbruck und von Salzburg bis Graz. Aber nicht nur Österreich schaut auf Vorarlberg. „Ich habe eine Interviewanfrage aus Südafrika. Das kleine Vorarl­berg mit der Gastro-Öffnung scheint weltweit in den Fokus zu rücken“, wie sich Mike Pansi, Fachgruppenobmann der WKV, freut.

Innenstädte

In den Innenstädten von Bludenz, Feldkirch, Bregenz und Dornbirn war generell viel los. Vor allem am Wochenende. „Wir haben da viele Rückmeldungen bekommen, dass sie ausgebucht waren, wobei, wir haben durch die Abstände weniger Platz. Somit muss das differenziert betrachtet werden.“ Aus den Tälern und dem ländlichen Bereich bekam Pansi das Gegenteil zu hören. Dort rentiere es sich derzeit noch nicht wirklich aufzusperren. Aber die Maßnahmen werden von allen Gästen mitgetragen und eingehalten. Das funktioniere sehr gut.
Das bestätigt auch Susanne Dörflinger vom Restaurant Schlosshotel in Bludenz. „Ich bin fast ein wenig überrascht, wie brav die Gäste mitarbeiten. Kein Murren. Keine Diskussionen. Die Gäste genießen es, einfach, wieder Essen gehen zu können. Und wir sind froh, wieder Gastgeber zu sein.“ Dörflinger ist sich dessen bewusst, dass die Vorarlberger Gastronomen derzeit privilegiert sind. Und das dürfe man nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.

Testrekord: Eine Million überschritten

Allein die Nachfrage der Tests im Lande zeige, wie diszipliniert die Gäste sind, betont auch Pansi. Damit steht und fällt diese Versuchsanordnung. Die zusätzlichen Forderungen sind laut dem WKV-Spartenobmann nach wie vor die gleichen: „Die Bewirtungszeit sollte verlängert werden. Zum Zweiten sollte die Vier-Personen-Regel adaptiert werden. Von zwei Haushalten auf drei oder vier Haushalte. Das wäre vor allem für den Mittagstisch wichtig. Und die Zulassung der Selbsttests für die Gastro im Allgemeinen ist meiner Meinung nach auch ein wichtiger Punkt.“

Keinen Schlendrian aufkommen lassen

Wichtig sei laut Pansi, dass sich im Laufe der Zeit kein Schlendrian einschleicht. Denn das würde das ganze Projekt gefährden. Und: „Nur so können nach Ostern weitere Öffnungsschritte angedacht werden.“ Die Stimmung im Land sei seit einer Woche spürbar besser. Das könne man vielerorts vernehmen, so Pansi: „Endlich wieder ins Wirtshaus. Das haben mir viele Menschen berichtet. Manchen waren gerührt. Mit Tränen in den Augen.“ Generell sei das ganze Konstrukt durchaus fragil. Und alle müssen sich der Verantwortung bewusst sein. Dann könne es auch längerfristig funktionieren, so der Spartenobmann.

Polizei

Vonseiten der Exekutive sind derzeit keine Schwerpunktkontrollen angedacht. „Wir werden nur aktiv, wenn Anzeigen eingehen. Ansonsten halten wir uns zurück. Wir versuchen auch, nicht gleich zu strafen. Sondern vorerst nur zu verwarnen und ermahnen“, betont Rainer Fitz vom Landessicherheitsbüro. Generell sei Zurückhaltung angesagt. Am Wochenende habe es konkrete Kontrollen in Koblach gegeben. „Da wird es auch eine Anzeige geben. Aber Genaueres kann ich dazu nicht sagen. Wir sind dort aufgrund von anonymen Hinweisen aktiv geworden“, so Fitz. Generell bleibe die Vorgangsweise weiter zurückhaltend. Nur bei Anzeigen oder wenn es bei Kontrollgängen Auffälligkeiten gebe, wird die Polizei einschreiten.

Mehr Kontrolle gewünscht

Pansi wünscht sich mehr Initiative der Polizei und hat gegen Schwerpunktkontrollen nichts einzuwenden: „Da hätten wir alle etwas davon. Denn nur wegen ein paar schwarzen Schafen das ganze Projekt zu gefährden, kann nicht im Sinn der Gastronomen und auch Gästen sein.“ Dabei gehe es nicht um Strafen. Sondern um Präsenz zeigen. Der Großteil der Gastronomen als auch der Gäste halte sich ja strikt an die Vorgaben.

Das bestätigt auch Christin Habeck vom Kesselhaus in Bregenz. „Die Gäste bei uns sind sehr diszipliniert. Ohne Aufforderung zeigen sie die Tests und registrieren sich. Da gibt es keine Probleme. Wir haben auch viele Stammgäste. Vielleicht ist das deshalb so.“ Habeck hofft, dass es gut weiter geht und die Außengastronomie bald aufsperren kann. Das wäre ein weiterer Schritt in Richtung Normalität.