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S 18: Asfinag will Lösungen anbieten

04.04.2021 • 12:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
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Asfinag

Alexander Walcher (Asfinag) hat Verständnis für emotionale Reaktionen.

Fast fünf Monate ist es mittlerweile her, dass die Verantwortlichen der Autobahnen- und Schnellstraßen-Finanzierungs-Aktiengesellschaft (Asfinag) ihre Trassenentscheidung in Sachen Bodensee-Schnellstraße S 18 bekannt gegeben haben. Die Variante CP wurde von den Experten als Favoritin auserkoren. Diese habe als einzige der beiden untersuchten Optionen eine Chance auf eine rechtliche Genehmigung. Doch nicht überall stieß die Entscheidung auf Gegenliebe. Vor allem in Lustenau kochten die Emotionen hoch.

Verständnis für Emotionen

Die Wogen haben sich mittlerweile jedoch geglättet. Alexander Walcher, Geschäftsführer der Asfinag Bau Management GmbH, hat aber durchaus Verständnis für die ersten emotionalen Reaktionen. „Es hätte mich überrascht, wenn es nicht so gewesen wäre. Wichtig ist es aber, von der emotionalen auf die sachliche Ebene zu kommen“, betont er im Gespräch mit der NEUE am Sonntag. Ein erster Schritt dazu wurde bereits kurz nach der Bekanntgabe der Variantenentscheidung getan. Bei einem Treffen im Bregenzer Landhaus gab es auch einen Austausch mit den Lustenauer Gemeindeverantwortlichen.

Es gebe „einen intensiven Austausch“ der Gemeindeverantwortlichen mit der Asfinag. Das berichtete Lustenaus Bürgermeister Kurt Fischer (ÖVP). Seitens des Autobahn- und Schnellstraßenbetreibers werde erfreulicherweise Wert darauf gelegt, dass die betroffenen Gemeinden wie etwa Lustenau, aber auch Höchst in den Planungsprozess miteinbezogen werden und „nicht einfach alles auf übergeordneter Ebene entschieden wird“.

Aus Sicht der Marktgemeinde Lustenau gehe es weiterhin darum, alles dafür zu tun, dass durch die S 18 keine Barriere zwischen dem Ort und dem Ried als Naherholungsgebiet entstehe. Darauf werde man bei der Gestaltung der Strecke etwa mit Trog- oder Tunnelabschnitten achten müssen. Einfach nur das kostengüns­tigste Projekt umzusetzen werde nicht gehen, sondern es werde wohl auch teilweise technisch aufwendiger gebaut werden müssen. „In diesem Spannungsfeld bewegen sich die Verantwortlichen auf allen Ebenen“, meinte Fischer.

Er verweist zudem auf die derzeitige Situation. Das hohe Aufkommen an Schwerverkehr und auch Pkw habe zur Folge, dass die Gemeinde durch die Landesstraßen L 203 und L 204 praktisch zweigeteilt werde. Wer etwa aus dem Ortsteil Hasenfeld ins Kirchdorf wolle, müsse dafür immer die stark befahrenen Straßen überqueren. Es könne nicht sein, dass sich diese Zweiteilung durch den Bau der S 18 dann an den östlichen Siedlungsrand verlagere.

Es wurde vereinbart, einen offenen Planungsprozess zu starten. In der Gemeinde werden beispielsweise Arbeitsgruppen gebildet, in denen verschiedene Themenbereiche durchdiskutiert werden. Auf diese Weise soll geklärt werden, welche Ansprüche es in der Kommune gibt. Genauso wird seitens der Asfinag erläutert, welche Vor- und Nachteile die ausgewählte Variante bringt. „Es geht darum, gegenseitiges Verständnis zu schaffen“, bringt es Walcher auf den Punkt. Erste Sitzungen mit der Gemeinde habe es bereits gegeben, wobei dies Corona-bedingt derzeit nicht einfach sei.

Austausch im Regionalforum

Ein weiterer großer Schritt in Sachen Informationsarbeit soll am 29. April vollzogen werden. An diesem Tag wird das Regionalforum „Mobil im Rheintal“ einberufen, um alle Mitglieder auf den gleichen Wissensstand zu bringen. Das Gremium, dem die Bürgermeis­ter aller Gemeinden im Unteren Rheintal, Vertreter aus der Schweiz sowie Interessensvertreter angehören, hat sich nach Angaben des Geschäftsführers der Asfinag Bau Management GmbH schon im vorangegangen Planungsprozess als Informationsdrehscheibe bewährt. Geplant ist, dass die Beteiligten „live“ und nicht per Videokonferenz zusammenkommen: „Gerade bei einem solch hochemotionalen Thema ist der direkte Kontakt wichtig.“

In Lustenau hat die Trassenentscheidung für einige Aufregung gesorgt. <span class="copyright">Oliver Lerch</span>
In Lustenau hat die Trassenentscheidung für einige Aufregung gesorgt. Oliver Lerch

Auch in der weiteren Planung soll es einen offenen Dialog mit den betroffenen Gemeinden – allen voran Lustenau – geben. Geplant ist zudem, dass es Planungsausstellungen geben wird, in denen die Bevölkerung über verschiedene Themen wie etwa den Bodenverbrauch informiert wird und sich mit Experten austauschen kann. In regelmäßigen Abständen soll ein Flyer an die Haushalte in den Kommunen geschickt werden. Auf diesem wird unter dem Motto „S 18 aktuell“ über den aktuellen Stand der Planungen berichtet. Bei problematischen Themen ist es für Walcher auch denkbar, dass spezielle Arbeitsgruppen eingerichtet werden, um nach Lösungen zu suchen, wenn dies sinnvoll ist.

Lösungen anbieten

Für den Geschäftsführer ist ein derart herausforderndes Projekt kein Neuland: „Ich habe in den vergangenen 25 Jahren bei der Asfinag große Planungsprojekte in Salzburg, der Steiermark und dem Burgenland betreut.“ In der Bevölkerung gebe es immer Befürchtungen und Ängste. Umso wichtiger sei gute Kommunikation: „Man muss entsprechende Lösungen anbieten.“ Walcher ist jedoch auch klar, dass es nie eine Lösung geben wird, die bei allen auf Zustimmung stößt.

Lange Suche nach einer Autobahnverbindung

Schon in den 1960er-Jahren war eine Verbindung zwischen den Autobahnen in Vorarlberg und der Schweiz ein Thema. Die Eidgenossen und der österreichische Bund hatten sich darauf geeinigt, die Verknüpfung im Raum Höchst und St. Margrethen (CH) zu realisieren. Das Schweizer Teilstück ist bereits seit 1964 fertig, auf das Gegenstück in Vorarlberg wird seither gewartet.

Noch in den 1970er-Jahren sah der Plan einen Anschluss bei Lauterach für die vierspurige Bodensee-Autobahn A 15 vor. Umweltschützer fürchteten um das Ried und gingen auf die Barrikaden. Obwohl das zwei Kilometer lange Teilstück bereits vom Bund genehmigt war, wurde daraus 1982 nach Gesprächen mit Bautenminister Karl Sekanina (SPÖ) die nurmehr zweispurige Bodensee-Schnellstraße S 18. Die ÖVP-FPÖ-Landesregierung empfahl 1985 einen Anschluss in Lauterach samt einer Untertunnelung des Rheins. Das Vorhaben war jedoch höchst umstritten. Im Genehmigungsverfahren für die Trassenführung im Sommer 1994 gab es rund 4700 Einsprüche. 2006 kippte der Verfassungsgerichtshof das Projekt, da die Trasse durch das Vogelschutzgebiet führen sollte.

Im Planungsverfahren „Mobil im Rheintal“ wurden dann von allen Beteiligten gemeinsam über 20 Varianten geprüft. Die Varianten Z und CP blieben übrig. Im Vorjahr entschieden die Asfinag-Experten, dass nur Variante CP (Grafik) eine Chance auf Umsetzung hat.

Eine Prognose, wann das erste Fahrzeug über die neu gebaute S 18 fahren wird, möchte der Geschäftsführer nicht abgeben. Mit der Aufnahme der S 18 ins Bundesstraßengesetz und der kürzlich erfolgten Variantenentscheidung habe das Projekt schon zwei große Meilensteine erreicht. Als nächstes Zwischenziel steht der Abschluss des Vorprojekts auf dem Programm. Bis zur Fertigstellung der Schnellstraße „haben wir aber noch viele Schritte zu gehen“, betont Alexander Walcher.

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